Stand: 11.10.2015 21:45 Uhr

Tatort: Verstörender Fall für Falke

Nächtliche Verfolgungsjagd in Salzgitter: Die Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) sind hinter einem mutmaßlichen Schleuser her. Der wehrt sich, greift die Kommissarin brutal an. Falke schlägt daraufhin auf den Verdächtigen ein - auch als der schon am Boden liegt. Der Mann wird in Gewahrsam genommen. In der Nacht bricht in seiner Zelle ein Feuer aus, er verbrennt. Der NDR Tatort "Verbrannt" erzählt einen verstörenden Fall. Es geht um Flüchtlinge, Rassismus bei der Polizei und die eigene moralische Schuld der Ermittler.

In ihrem letzten gemeinsamen Fall geraten Falke und Lorenz an persönliche Grenzen. Es stellt sich heraus, dass der Tote kein Schleuser war, sondern ein afrikanischer Flüchtling. Zunächst sieht es nach Selbstmord aus, doch Falke und Lorenz beginnen daran zu zweifeln. Sie fangen an, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei stoßen sie nicht nur bei den Polizei-Kollegen vor Ort auf Widerstände - sie haben auch mit sich selbst zu kämpfen. Falke plagt ein schlechtes Gewissen, weil er gegenüber dem Verdächtigen handgreiflich geworden ist, und Lorenz stellt die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit bei der Bundespolizei infrage. Am Ende steht den beiden der Abschied voneinander bevor.

"Erschütternde Geschichten unserer Zeit erzählen"

Die Geschichte des Films basiert auf einem realen Fall, der vor zehn Jahren in Dessau in Sachsen-Anhalt geschehen ist und seitdem die Justiz beschäftigt. Der Flüchtling Oury Jalloh verbrannte in seiner Zelle - in Obhut der Polizei. Bis heute ist die Frage, warum er starb, nicht geklärt. Der Tatort sei natürlich keine Dokumentation oder ein Doku-Drama, betont Christian Granderath, Leiter der NDR Abteilung Film, Familie und Serie. Die Handlung ist fiktiv - und spielt auch nicht im Osten, sondern in Westdeutschland. "Es ist uns wichtig, auch mit erschütternden Geschichten von der Zeit zu erzählen, in der wir leben, und nicht nur zu unterhalten. Die Geschichte eines Menschen, der hier Schutz sucht und dann auf furchtbare Weise in Obhut der Polizei stirbt, hat uns berührt."

Interview

Möhring: Tatort gibt Flüchtlingen ein Gesicht

Im Tatort "Verbrannt" wird Kommissar Falke einem Asylbewerber gegenüber handgreiflich. Wotan Wilke Möhring im Interview über moralische Schuld und einen doppelten Abschied. mehr

Für Hauptdarsteller Möhring ist es vor allem wichtig zu zeigen, dass hinter einem solchen Fall ein menschliches Schicksal steht. "Tausende Flüchtlinge kommen zu uns, aber diese Zahlen sagen nichts darüber aus, was Flucht und Asyl für den Einzelnen bedeutet", sagt der Schauspieler. "Vielleicht kann unser Film ein wenig dazu beitragen, dass wir, statt der Zahlen, mehr die persönlichen Lebensgeschichten in den Blick nehmen."

Preisgekröntes Team

Neben Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller stehen in diesem Tatort unter anderem Peter Jordan, Werner Wölbern, Annika Kuhl und Julius Feldmeier vor der Kamera. Regisseur Thomas Stuber wurde für seinen Film "Von Hunden und Pferden" 2012 mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet. Kameramann Alexander Fischerkoesen erhielt für "Eine Stadt wird erpresst" und "Kommissar Süden und der Luftgitarrist" 2008 und 2012 den Grimme-Preis. Produzenten sind Björn Vosgerau und Uwe Kolbe (Wüste Medien GmbH). Die Redaktion im NDR haben Donald Kraemer und Christian Granderath.