Stand: 08.06.2015 12:35 Uhr

Rocket Beans: "Die Community ist King"

von Maxi Schmeißer, NDR.de
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Nils Bomhoff, Etienne Gardé, Daniel Budiman und Simon Krätschmer sind die Hauptmoderatoren bei Rocket Beans TV.

Fünf erwachsene Männer sitzen in einer Wohnzimmerkulisse auf zwei Couchen und starren gebannt einen Fernseher an. Sie warten auf die Live-Übertragung des zweiten Star-Wars-Teasers von "The Force Awakens", während eine Kamera sie frontal filmt. Obwohl nur sekundenlange Szenen zu sehen sind, reißen die Mittdreißiger erstaunt ihre Münder auf, zeigen auf den Fernseher, halten sich gegenseitig an den Schultern fest und bekommen im Kollektiv eine Gänsehaut. Als nach einer Minute Hochspannung am Ende Harrison Ford als Han Solo und auch "Chewbacca" zu sehen sind, rastet die Fernsehrunde vollkommen aus, wie bei einem gewonnenen Fußballspiel. Es spielt sich eine Szene ab, welche die Hamburger Internetstars von Rocket Beans wohl nicht treffender beschreiben könnte.

Gaming, Popkultur und Nerd-Themen

Hinter den "Raketenbohnen" stecken die Moderatoren Simon Krätschmer, Daniel Budiman, Nils Bomhoff, Etienne Gardé und Geschäftsführer Arno Heinisch, die als Gesellschafter Rocket Beans TV betreiben. Zusammen mit einem 34-köpfigen Team senden sie 24 Stunden am Tag auf der Online-Plattform Twitch, die Videos gibt es danach wie in einer Mediathek on Demand auf YouTube zu sehen. Ihre Themen sind Gaming, Popkultur und alles was das Nerd-Herz sonst noch begehrt. "Unsere Idee ist, dass wir Spaß haben wollen. Es freut uns wirklich sehr, dass wir damit beim Webvideopreis nominiert sind", erklärt Daniel Budiman.

Kreatives Chaos bei den Rocket Beans

Nominiert als "Person Of The Year - Male"

"Das wir nominiert sind, ist wirklich abgefahren und dennoch seltsam. Wir sind keine Einzelperson, auch nicht zu fünft, sondern 34 und noch mehr Leute, die in der Vergangenheit bei uns gearbeitet haben", sagt Budiman. Es ist in der Tat ein wenig paradox: Die Rocket Beans sind beim Webvideopreis 2015 in der Kategorie "Person Of The Year - Male" neben den Einzelkämpfern Simon Unge und Gronkh nominiert. "So ein bisschen fühlt es sich so an, als wenn die Jury uns interessant fand, aber nicht wusste in welche Kategorie sie uns stecken sollte, weil unser Projekt in keine Kategorie passt."

Bohnen-Fabrik in Eimsbüttel

Die Rocket Beans sind tatsächlich anders als die meisten deutschen YouTuber. Im Herzen Eimsbüttels haben sie ein ganzes Haus gemietet. Es gibt Redaktions- und Schnitträume. Die meisten Videos werden in einem großen Studio mit verschiedenen Settings gedreht und nebenan in einer Bildregie live gemischt. Außer den vier Hauptmoderatoren gibt es mittlerweile ein großes On-Air-Team, dass Formate wie Let's Plays, Talkshows oder Gameshows moderiert. Damit erreichen die Rocket Beans ein vergleichsweise breites Publikum von 18 bis 35 Jahren. Bei Twitch haben sich seit dem Sendestart im Januar diesen Jahres 21,73 Millionen Viewer den Kanal angesehen. Bei Youtube sind es seit August 2012 mittlerweile knapp 60 Millionen Videoaufrufe. Bei Live-Sendungen wie dem Rollenspiel "T.E.A.R.S." schauen bis zu 50.500 Leute zu, die den Spielverlauf mittels Interaktion sogar aktiv beeinflussen können.

Erfahrung von GIGA und "Game One"

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Nils Bomhoff und Daniel Budiman kennen die Spielregeln des Fernsehens und der Onlinewelt.

Hinter all dem steckt professionelles Know-how. Simon, Budi, Nils und Eddy haben alle bei GIGA moderiert, einem Fernsehsender für Games und Co., der von 1998 bis 2009 im Betrieb war. Danach wechselten sie mit ihrer Sendung "Game One" zu MTV. Als die Sendung im Dezember 2014 eingestellt wurde, wagten die Rocket Beans unter dem Motto "Alles muss. Nix kann" den Sprung zum eigenen Ding. Zu diesem Zeitpunkt konnten sie sich schon auf eine sehr große und treue Community verlassen. "Die Community ist King bei uns. Ich finde es sensationell, wie sich die Leute beteiligen", gibt Nils Bomhoff zu verstehen. Eine Säule auf dem die Finanzierung des Projekts basiere, sei die Community, die durch direkte Beiträge oder durch Affiliate-Links die Rocket Beans unterstütze.

Live von der E3 aus Los Angeles

Die Fans seien es auch, die sich "Game One" wieder zurückwünschen würden. Für dieses Format würden die Raketenbohnen auch wieder zurück zum Fernsehen gehen, die Notwendigkeit bestehe allerdings nicht. "Für mich ist das hier der Himmel, wir haben keinen Chef und können machen, was wir wollen", erklärt Bomhoff. Das eigene Ding läuft tatsächlich gut. Mitte Juni werden sie als eines der wenigen deutschen Medien live von der E3 in Los Angeles berichten, einer der größten Videospielmessen der Welt.

Auf die abschließende Frage, wer denn eigentlich welche Rolle unter den vier Hauptmoderatoren einnehmen würde, antwortet Budiman: "Nils ist der Führer im Hintergrund, der alle Fäden zieht. Eddy glaubt er wäre es, ist er aber nicht. Simon macht alles kaputt, was Nils versucht aufzubauen. Und ich mache nichts". Bomhoff fügt hinzu: "Budi ist mit Abstand der kommunikativste Mensch von uns. Wir sind alle hier und da verschroben im Gehirn, aber das bringt der Job einfach mit sich".

Sendung

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