Stand: 14.10.2015 15:45 Uhr

Fedder: "Das Großstadtrevier ist meine Familie"

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Dirk Matthies ist zurück im Dienst: Seit März steht Jan Fedder für das Großstadtrevier wieder vor der Kamera.

Seit mehr als 20 Jahren schiebt Jan Fedder als Polizist Dirk Matthies Dienst im Großstadtrevier. Immer in Uniform, jetzt als Milieu-Ermittler in Zivil. Nachdem er kranheitsbedingt pausieren musste, ist der Schauspieler bei der mittlerweile 29. Staffel wieder voll dabei. Das Erste sendet die neuen Folgen ab dem 30. November immer montags um 18.50 Uhr. Im Interview mit NDR.de spricht Jan Fedder über seine Rückkehr ins Großstadtrevier und verrät, wie viel von ihm in Dirk Matthies steckt.

Wie geht es Ihnen nach Ihrer schweren Erkrankung?

Jan Fedder: Gut. Sehr gut. Ich habe dieses Jahr schon elf Großstadtreviere gemacht, sechs Büttenwarder-Folgen und einen großen 90-Minüter "Der Hafenpastor". Fünf Folgen Großstadtrevier müssen wir noch drehen - und dann ist das Jahr auch wieder vorbei. Also es war nicht so, dass ich Langeweile hatte.

Ihre Kollegin Maria Ketikidou hat mal gesagt, das Drehen sei für Sie so wichtig wie die Luft zum Atmen. In der 28. Staffel mussten Sie zeitweise pausieren. Ist Ihnen das schwergefallen?

Fedder: Ja, ganz ehrlich. Die Zeit mit dem Krebs war die schlimmste Zeit meines Lebens. Und dann kamen ja noch die anderen Sachen dazu. Ich werde nie wieder ganz der Alte, aber ich lebe noch, ich bin noch dabei - und das ist wunderbar, das bringt mir Spaß. Ich brauche das wirklich. Ich muss drehen, dann geht es mir gut (lacht). Wenn ich zu Hause sitze, ist das Sch ...

In der 29. Staffel ist Dirk Matthies zurück. In der Anfangsszene atmet er vor dem Revier einmal tief durch. Was geht ihm in dem Moment durch den Kopf?

Fedder: Er ist wieder da. Er ist wieder zu Hause.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit mit dem Großstadtrevier-Team?

Fedder: Alles, das ist ja meine Familie. Ich habe drei Familien - ich habe die Büttenwarder-Familie, dann den Hafenpastor, aber das Großstadtrevier ist mein Zuhause. Ich bin für viele eine Vaterfigur und versuche, vieles weiterzugeben. 47 Jahre mache ich jetzt den Quatsch und da behaupte ich mal, kann ich eine ganze Menge von meinem Wissen und Können abgeben.

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Jan Fedder ermittelt wieder im Großstadtrevier

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Seit 29 Jahren wird im Großstadtrevier ermittelt - fast von Anfang an mit Jan Fedder. Nach krankheitsbedingter Pause schlüpft er bei der 29. Staffel wieder in die Rolle von Dirk Matthies. Video (02:03 min)

Im Großstadtrevier geht es auch um aktuelle Themen, wie die eines jungen Mannes, der sich dem IS in Syrien anschließen will. Dürfen Sie bei der Themenwahl mitreden?

Fedder: Früher habe ich das viel gemacht. Da habe ich auch immer einen politischen Film pro Jahr verlangt. Das war aber noch zu Zeiten von Jürgen Roland. Da ging das, weil man da in vielen Belangen noch freier war. Heute ist das anders, da muss man da aufpassen und da aufpassen. Aber in letzter Zeit kümmere ich mich nicht mehr darum.

Erfinder des Großstadtreviers ist der verstorbene Jürgen Roland. Er hat Sie in die Serie geholt. Und damals haben Sie noch Ihre eigenen Ideen eingebracht?

Fedder: Der Dramaturg und der Autor von damals haben ganz lange Gespräche mit mir geführt und ich habe ihnen dann autobiografisch alles erzählt: Oma und Opa haben das und das gemacht. Und dann haben sie das umgeschrieben - mein Vater ist zur See gefahren und hat eine Kneipe gehabt. Das ist damals alles eingebaut worden. Also viele wahre Sachen von mir, wie heute auch. Wenn ich irgendwo über die Straße gehe, dann denken die Leute - ist das jetzt Jan Fedder oder Dirk Matthies? Das macht manchmal keinen großen Unterschied.

Jürgen Roland ist der "Vater" des Großstadtreviers. Erinnern Sie sich an eine besondere Anekdote mit ihm oder eine schöne Szene?

Fedder: Mit Jürgen habe ich so viel Spaß gehabt. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Jürgen war nicht ganz mein Entdecker, das war ein Tontechniker, Horst Strömer, der viel daran gearbeitet hat, dass ich die Rolle bekomme. Und dann habe ich angefangen, mit Jürgen, und das war eine ganz, ganz tiefe Liebe. Er Regie und ich Schauspieler. Wir haben uns blind verstanden und haben noch viel Quatsch miteinander gemacht, was man heute alles nicht mehr darf. Den Zeugen nehmen und in die Frikadellen hauen, wenn der nicht gleich den Mund aufmacht. Das ging damals noch. Und rauchen durfte man in den Szenen auch noch, das darf man heute auch nicht mehr.

Beim Einstieg in die Serie eckte Dirk Matthies bei seinen Kollegen auf dem 14. an. Jetzt sind Sie dort so etwas wie die Seele des Reviers.  Wie hat sich Polizeioberkommissar Dirk Matthies im Großstadtrevier seit Dienstbeginn 1992 verändert?

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Saß 1993 mit Jan Fedder im Streifenwagen: Mareike Carrière als Ellen Wegener.

Fedder: Ich kann diese Szene nicht mehr hören und sehen. Dirk Matthies ist eben auch älter geworden. Aber er fängt auch schon wieder an, etwas mehr anzuecken als vorher. Er ist jetzt in Zivil und darf sich das ein oder andere mehr herausnehmen, was ein Kollege in Uniform nicht dürfte. Also, es wird schon wieder ganz interessant.

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