Sendedatum: 17.02.2016 10:45 Uhr

Christina Stürmer sorgt für positive Gefühle

von Michael Latz

Wäre dieser Abend ein WG-Casting gewesen, Christina Stürmer könnte sich nun vor Angeboten nicht mehr retten. Diese junge Frau, die da im Kultklub Große Freiheit 36 auf der Bühne steht, will man einfach in den Arm nehmen und auf ein Bier einladen, um mit ihr anschließend die Nacht durch zu feiern. Gut, als Mitbewohnerin wäre sie vielleicht ein wenig laut - aber die Musik geht ins Ohr und "irgendwas ist ja immer". Den ersten Stein im Brett hat Christina Stürmer schon nach ein paar Minuten: "Das ist das erste Konzert der Tour, das ausverkauft ist", freut sich die Österreicherin.

Christina erobert Hamburgs Herzen im Sturm

Gut gelaunt vor ausverkauftem Haus

Und tatsächlich ist es rappelvoll in der Großen Freiheit. Auf der Empore sitzen die Fans sogar auf den Stehtischen, um noch einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Locker, in enger schwarzer Hose und weitem schwarzem Shirt, steht Stürmer dort und strahlt. Ein paar Songs vom neuen, siebten Album, das im Frühjahr rauskommt, hat sie dabei: "Ich hoffe, sie gefallen euch", sagt sie fast schüchtern. Dabei nehmen die Fans neue Songs wie "Seite an Seite" so gut an, als würden sie die Melodien schon ewig kennen. Ein melancholisches Lied ist es, über das Auf und Ab in Beziehungen. "Wir haben Geister gerufen und Dämonen bezwungen", heißt es dort. Oder: "Es ist nicht immer einfach zu verzeihen..." - klingt nach schwerer Kost, aber Stürmer serviert sie mit Leichtigkeit. Zurück bleibt ein positives Gefühl.

Kleine Experimente und ein Prinzen-Cover

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Perfektes Zusammenspiel: Stürmer und ihre "Männer"

Das gilt auch für wütende Songs wie "Scherbenmeer", in denen es um Abschied und Wut geht. Trotzdem plätschert die Musik nicht einfach so dahin. Stürmer und ihre "Männer", wie sie ihre Band nennt, lassen es manchmal ganz schön krachen. "Himmel ins All" fängt zwar sanft und säuselnd an, aber der Song gewinnt von Strophe zu Strophe an Kraft. Am Ende schraubt sich das Stück hoch zu einer minutenlangen Impro-Session mit Schlagzeug und E-Gitarre. Ein absolutes Highlight sind die kleinen Experimente. Zuletzt war Stürmer in der Fernseh-Show "Sing meinen Song" zu sehen - eine Idee, die sie nun auch live aufgreift. Als Cover hat sie sich ausgerechnet "Alles nur geklaut" von den Prinzen ausgesucht. Oder besser: Von den "Priiinzen", wie Stürmer in ihrem wundervollen Dialekt sagt. Zusammen mit ihrer Band und den begeisterten Fans macht Christina Stürmer aus dem Klassiker eine astreine Up-Tempo-Rock-Version.

"Mehr als perfekt"

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Die stimmgewaltige Österreicherin überzeugte auch mit ruhigen Songs.

Genau umgekehrt macht sie es mit "Mitten unterm Jahr". Bei "Sing meinen Song" hatte Xaiver Naidoo ihr Lied gecovert. Nun spielt sie den Song live in eben dieser sanften und leisen Version, begleitet von einer Akustikgitarre - einer der wenigen wirklich ruhigen Momente der Show. Wie entspannt Stürmer bei all dem ist, zeigt sich, als leuchtende Luftballons über die Menge hüpfen. "Mach mal das Licht aus!" ruft sie dem Techniker zu, um das Schauspiel zu genießen. Und einem kleinen Mädchen, dass weit vorne auf Papas Schultern sitzt, wirft sie immer wieder Ballons hinüber.

Spätestens zur Zugabe ist dann allen klar, dass Christina Stürmer der Kumpeltyp von nebenan ist. Ganz hinten vor dem Mischpult taucht sie plötzlich auf, singt mitten in der Menge "Mehr als perfekt", macht dabei Polaroids mit einem Fan und fragt: "Jetzt sind wir per du, oder?"

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 17.02.2016 | 10:45 Uhr