Stand: 29.02.2016 10:28 Uhr

Jimmy Somerville: Disco-Party im Gruenspan

Mehr als 30 Jahre sind vergangen, seit Bronski Beats erster großer Hit "Small Town Boy" durch die Decke ging. Der unverwechselbare Falsettgesang ihres Bandleaders Jimmy Somerville sorgte für Begeisterung - nicht nur in der Schwulenbewegung, zu der sich der Musiker stets bekannte, sondern auch bei Fans der Discomusik in ganz Europa.

Jimmy Somerville

Disco-Inferno mit Jimmy Somerville im Grünspan

Hamburg Journal -

Jimmy Somerville hat im Hamburger Gruenspan ein Clubkonzert gegeben. Der 54-Jährige sang und tanzte sich durch alte und neue Hits und beamte die Hamburger zurück in ihre Discozeit.

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Auch nach der Trennung von Bronski Beat blieb Jimmy Somerville seinem Gesangsstil treu und landete mehrere große Hits mit Cover-Versionen von Disco-Klassikern. Später experimentierte er auch mit anderen Stilistiken, knüpfte aber mit seinem neuen Album "Homage" 2005 wieder an die vertrauten Klänge der Vergangenheit an.

Disco-Pop der 80er und 90er

Jimmy Somerville freut sich darüber, jetzt mit Mitte 50 als "Disco Diva" zu gelten. Deshalb hat er im Gruenspan seine Hits nicht nur mit seiner üblichen Begleitband präsentiert, sondern hat darüber hinaus eine Bläsersektion dabei. Und nicht nur die. Die "Vorband" ist der junge Sänger Chris Brenner. Und der sorgte bereits im Vorfeld für beste Stimmung im Saal. Nur mit Gitarre und Mikrofon stand er auf der Bühne und forderte die Menge immer wieder zum Mitsingen auf. Das Publikum in bester Disco-Laune folgte diesem Aufruf gerne. Und ab dem ersten Song von Jimmy Somerville ("Mighty Real") hatte man das Gefühl, wieder mitten in den knallbunten 80er- und 90er-Jahren zu sein. Jimmy Somerville drehte eine Piruoette nach der anderen und lief mit einem breiten Grinsen auf der Bühne auf und ab.

Erst eingrooven und dann abdrehen

Denn es wurde intensiver, auf der Bühne und im Publikum. Alle Beteiligten brauchten noch zwei bis drei weitere Songs - namentlich: "Could It Be Love", "Back To Me" und "Something To Live For" - bis sie sich komplett aufeinander eingelassen hatten. Spätestens bei "To Love Somebody" waren Jimmy Somerville, seine Band und das Publikum eins. Alle tanzten, strahlten und wippten zu dem sanften Reggea-Beat. Kurze Zeit später wird es ruhiger im Saal. Zu "For A Friend" wird eher geschmust. Arm in Arm scheint sich der ganze Saal hin und her zu wiegen. Auch auf dem Balkon, der nun komplett in dunklem Rot eingeleuchtet ist, träumen die Leute vor sich hin. Nichts scheint sie zu stören. Das finale Drittel wird von einem der bekanntesten Songs eingeleitet - "Never Can Say Goodbye". Es folgen "Smalltown Boy" und "Don't Leave Me This Way". Auch der ja sonst eher zurückhaltende VIP-Bereich auf dem Balkon schmeißt jetzt die Hände in die Höhe. Am Ende gibt's noch "I Feel Love" und das Publikum tobt. Auch Jimmy Somerville gibt nochmal alles. Auf der Bühne ist er sichtlich in seinem Element und hat Spaß.

Disco-Abend im Gruenspan

Eine Verbindung zwischen Künstler und Publikum

Ein Genuss, auch musikalisch. Jimmy Somervilles Stimme trifft und hält alle Töne. Auch wenn sie noch so hoch sind. Zwischen den Songs gibt er immer wieder kleine Geschichten zum Besten. Zum Beispiel diese hier: Er könne sich noch ganz genau an den letzten Auftritt in Hamburg erinnern. Das war 1990 und der musste abgesagt werden. Seine Stimme war verschwunden, von heute auf morgen. Aber, so fügte er noch mit einem leicht unsicheren Schmunzeln hinzu, wer ihn heute Abend darauf anspreche und eine Entschädigung wolle, der habe schlechte Karten. Das sei verjährt. Er wird sich deswegen umsonst Sorgen gemacht haben. Denn jeder, der diesen Abend mit Jimmy Somerville verbringen konnte, der war nach so viel drehen, tanzen und mitsingen einfach nur seelig.