Stand: 19.04.2017 18:00 Uhr

Wincent Weiss: "Ich höre fast nur Metal"

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"Ich mache mir keine Gedanken über die Zukunft" - Wincent Weiss gibt sich eher sorglos.

Seit Sommer 2016 ist Wincent Weiss mit seinem Überhit "Musiksein" in aller Ohren. Jetzt legt der 23-jährige Popsänger aus Eutin sein Debütalbum vor: "Irgendwas gegen die Stille". Wie ruhig er es persönlich mag, welche Beziehungen er zu seiner Familie hat und wie er zu seinem Genre steht, darüber hat er im NDR 2 Musikinterview gesprochen.

Du bist verhältnismäßig neu in der Szene und schnell berühmt geworden. Wie und wo hat deine Karriere eigentlich begonnen?

Wincent Weiss: Als ich vor vier Jahren Eutin verlassen habe und nach München gezogen bin, hat das mit dem Musikmachen angefangen. Da konnte ich mich erstmals in Ruhe hinsetzen, und mir Zeit nehmen, was aufs Papier zu bringen.

Hattest du jemals einen anderen Job als Musiker?

Weiss: Ich habe anderthalb Jahre als Filialleiter in einem Restaurant in München gearbeitet und dann gekündigt, als der Plattenvertrag kam.

Wie ist es dazu gekommen?

Weiss: Ich hatte einen Produzenten gefunden, der umsonst mit mir gearbeitet hat, weil der an mich glaubte. Wir sind mit drei oder vier Songs zum Plattenlabel gegangen. Und es hat gereicht! Sie haben uns weitermachen lassen.

Der Sänger Wincent Weiss (li.) mit NDR 2 Moderator Sascha Sommer im Studio am 19. April 2017 © NDR 2 Fotograf: Jochen Moseberg

Wincent Weiss hat "Irgendwas gegen die Stille"

NDR 2 -

Sein Debütalbum ist am Start: Wincent Weiss war bei Sascha Sommer im Studio und hat viel über sich und die neuen Songs erzählt und Hörerfragen beantwortet. Hier das Facebook-Live-Video.

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Was hat deine Familie zu deiner Berufsentscheidung, Musiker zu werden, gesagt?

Weiss: Meine Ma hat das mit der Musik schon gerne gesehen, aber als ich dann nach Hause kam, nachdem ich meinen ersten richtigen Job gekündigt hatte, um Musik zu machen, fanden meine Eltern das natürlich nicht witzig. Aber mittlerweile verstehen sie es, glaube ich. (lacht). 

Dein Album erscheint ein paar Tage, nachdem der Mediensatiriker Jan Böhmermann am Beispiel von Max Giesinger Kritik an den neuen Pop-Poeten geübt hat, zu denen du zweifellos auch zählst. Wie sehr trifft dich das?

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Wincent Weiss hat seinen ersten richtigen Job gekündigt, um Musik zu machen.

Weiss: Ich habe das Video gar nicht gesehen, wusste, dass es viel um Max (Giesinger) geht, aber auch, dass ich darin gar nicht vorkomme. Ich dachte erst: "Bin ich so unwichtig?" Allerdings ist es auch okay, nicht als Zielscheibe genommen zu werden. Wobei mir die Leute inzwischen auch die Böhmermann-Zitate vorwerfen. Es ist zwar sein Job, Kritiker zu sein, aber es ist schade, dass es cool geworden ist, Deutschpop zu hassen, wenn man ein Böhmermann-Fan ist. Ich glaube, das Gleiche hätte er auch mit jedem anderen Genre machen können. 

Die Kritik kam ja nicht von ungefähr, beruhte zum Teil darauf, dass Max Giesinger behauptet hat, seine persönlichen Texte alle selbst geschrieben zu haben. Dann ist aber herausgekommen, dass die von einem Produzenten-Team mitgetextet wurden, die auch für viele andere Künstler arbeiten. Wäre es da nicht ehrlicher gewesen, das zuzugeben? Oder zu sagen: Ich möchte gefühlvolle Musik machen, die bei möglichst vielen ankommt, und hole mir dafür Unterstützung?

Weiss: Ja, (lacht) das war ein bisschen blöd bei Max. Ich habe neulich aber über mich in einem Interview gelesen, dass ich meine Songs auch alleine schreiben würde.  Ich habe aber noch nie in meinem Leben einen Song alleine geschrieben. Du brauchst dazu Produzenten, weil ich davon keine Ahnung habe. Die Songs entstehen immer mit drei oder vier Leuten. Man schreibt halt mit und arbeitet am Text und an den Ideen zusammen.

Statt Böhmermanns "Menschen Leben Tanzen Welt" finden wir auf deinem Album besonders viel "Herz" - nämlich insgesamt drei Songs, die das Wort "Herz" im Titel führen. Was sagt das über dich?

Weiss: Das ist uns anfangs gar nicht aufgefallen - erst als wir die Tracklist erstellt haben. Was haben wir uns da nur ausgedacht? Aber ich wollte auch nicht die Songs nur wegen ihres Titels rausschmeißen. Ich habe das geschrieben worauf ich Lust hatte, und das hat gepasst.

Auf welche Songs des Albums bist du besonders stolz?

Weiss: Auf den, den ich für meine kleine Schwester geschrieben habe. Das  ist mein persönlicher Liebling: "Nur ein Herzschlag entfernt". Meine Schwester ist mittlerweile 13 Jahre alt, und den Song habe ich ihr vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt. Sie hat dann auch gesagt: "Das ist mein Song. Den darfst du niemandem zeigen!“ Tut mir leid, dass ich das nicht einhalten konnte und ihn aufs Album gepackt habe. Denn es gibt auch einen Song, den ich nur meiner Ma geschrieben habe, und den außer ihr niemand anderes zu hören bekommt.

Und welche noch?

Weiss: "Musiksein". Das Lied wurde zum Hochzeitssong für einige Leute. Und dann haben wir Videos gesehen, wie der Hochzeitstanz dazu getanzt wurde. Es gab durch den Song viele besondere Momente für viele Leute. Und das zu sehen ist sehr, sehr schön! 

Welche Musik hörst du privat?

Weiss: Ich höre fast nur Metal. Ein Band wie Bring Me The Horizon oder, wenn ich es ruhiger will, auch Linkin Park. So habe ich auch angefangen. Ein Freund von mir hat früher immer geshoutet und gescreamt und ich habe die Clean Vocals gemacht. So bin ich zum Singen gekommen.

Also hast du es gar nicht so mit der Stille?

Weiss: Ich höre echt immer Musik. Wenn ich irgendwo bin und es ist leise, habe ich schon die Kopfhörer auf. Stille brauche ich nur abends, wenn ich denke, dass ich mal für ne halbe Stunde kurz Ruhe haben will. Aber dann mache ich auch schon wieder was an: Fernseher, Radio, Laptop, irgendwas, das dudelt. Bei mir ist immer Mucke.

Bitte beschreibe dich in drei Worten!

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Wincent Weiss und NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff

Weiss: Shit, das ist schwierig. Ich glaube, ich bin verplant und sehr schüchtern im ersten Moment. Ich werde erst mit Leuten warm, wenn ich sie etwas näher kenne. Und was bin ich noch? Musikalisch!

Und wie sieht deine Zukunft aus? Hast du als Musiker einen Masterplan?

Weiss: Ich brauche keine Sicherheit in meinem Leben, ich mache mir keine Gedanken über die Zukunft, und mache auch keine Pläne, ob was schieflaufen kann. Man kann immer was machen, es kommt immer was vorbei, wo man arbeiten kann. Von daher genieße ich die Zeit so lange es geht, und mache einfach das, was ich machen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Kristina Bischoff, NDR 2 Musikredaktion

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | NDR 2 Musik Specials | 26.04.2017 | 21:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/unterhaltung/Wincent-Weiss-im-Interview,wincent108.html

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