Stand: 12.09.2015 15:00 Uhr

Hamburger feiern für den guten Zweck

von Lena-Maria Reers

Niemand landet zufällig im Club "Unterm Strich". Dafür ist er zu gut versteckt. Der Eingang befindet sich im Hinterhof der Reeperbahn 136, gleich neben der legendären Hamburger Kneipe "Zur Ritze". Um kurz vor Mitternacht öffnet Türsteher Tobi das große Tor. Nach und nach trudeln die Gäste ein, wie zum Beispiel Anna: "Ich finde es super, dass ich hier mit Spaß Gutes tun kann."

Ganz einfach Gutes tun

"Unterm Strich" ist ein Spendenclub und damit die wohl erste Partylocation in Norddeutschland, von der man mit Sicherheit weiß, wofür das Geld verwendet wird, das man dort ausgibt. Neun Euro kostet der Eintritt, sagt Mitinitiator Jannes Vahl vom Verein clubkinder: "Der Eintritt ist immer der gleiche, die Uhrzeiten sind immer die gleichen und dann bieten wir den Leuten einfach gute Musik und gute Getränke für einen guten Zweck an."

Ab Mitternacht wird "Unterm Strich" getanzt

Clubkinder betreiben die Location

Vor vier Jahren haben Jannes Vahl und Joko Weykopf den gemeinnützigen Förderverein clubkinder gegründet. Seitdem sammeln sie mit Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen für junge Leute Spenden für soziale Projekte in Hamburg. Im Gespräch mit den Betreibern der Diskothek Moondoo ist jetzt die Idee entstanden, das auch mit einem eigenen Club zu tun. "Wir hoffen, dass wir jeden Monat einen fünfstelligen Betrag zusammenbekommen", sagt Vahl. "Damit werden wir dann jeweils ein soziales Problem in Hamburg lösen." Im ersten Monat soll das Geld an GWA St. Pauli gehen, einen Verein für Kulturarbeit, Sozialarbeit und Gemeinwesenarbeit.

Für die Partygäste geht es nach dem Eingang erst einmal eine Treppe herunter. Kerzen stehen am Rand. An einer Wand prangt ein weißer Strich und darunter ein leuchtend blaues Herz. Das Logo des Clubs. Im Keller befinden sich zwei Theken und kleine Sitzecken. Die Wände aus freigelegten Backsteinen sorgen für Gemütlichkeit. Das Herz der Location ist aber eindeutig die Tanzfläche. Über ihr an der Decke leuchten Rechtecke in verschiedenen Farben. "Bis zu 350 Menschen passen in den Club", sagt Weykopf.

Wer genau auflegt, bleibt eine Überraschung

Schon eine Stunde nach der Eröffnung tanzen viele Partygäste ausgelassen zu der Musik der Hamburger DJs Schaefer & Søn, später legt Davidé auf. Auf der Internetseite untermstrich.hamburg wird ein Lineup veröffentlicht, das allerdings meistens nur die zu erwartende Musikrichtung angibt. "Es kann aber auch passieren, dass dann größere Acts wie Moonbootica, Jan Delay oder Samy Deluxe hinter dem DJ-Pult stehen", verrät Vahl.

Jeder DJ, der hier auflegt, wird gefragt, ob er einen Teil seiner Gage spenden will. Das Gleiche gilt für die Mitarbeiter. Tammo Weers zum Beispiel arbeitet während der Woche in einem Café und Kulturzentrum. Seine Wochenenden will er künftig als Barkeeper im neuen Club  verbringen. "Im Kernteam sind wir vier Leute, die das machen. Jeder, der hier arbeitet, kann selber entscheiden, ob er das Geld, das er verdient, behalten oder spenden will. Ich habe fest vor, das meiste davon zu spenden", sagt Weers.

Geld ausgeben mit einem guten Gefühl

Wofür genau gesammelt wird, erfahren die Partygäste an der Kasse und an den beiden Bars. Dort liegt jeweils ein Infozettel über das soziale Projekt aus, dem in diesem Monat geholfen werden soll. Auch wenn relativ wenige Besucher sich darüber informieren, sitzt das Geld in diesem Club bei vielen lockerer als in anderen Diskotheken, sagt zum Beispiel Daniel. Er ist mit Freunden zum Feiern gekommen. "Ich habe gerade einem Wildfremden ein Bier ausgegeben. Einfach so, weil ich weiß, dass erstens er sich drüber freut und zweitens ich damit auch noch etwas Gutes tue. Das finde ich super."

Am Eröffnungsabend sind allerdings vor allem Freunde, Helfer und Sympathisanten des Vereins clubkinder vor Ort. Nur vereinzelt haben Menschen den Weg in den Club gefunden, die vorher noch nichts damit zu tun hatten. Vielleicht ändert sich das ja noch - "Unterm Strich."