Stand: 26.04.2016 14:41 Uhr

"Goldener Reiter" hört Krach + Getöse

Andrea Rothaug und Joachim Witt wollen Nachwuchsmusiker entdecken und fördern.

Der Hamburger Musikerpreis Krach & Getöse hat sich zu einer wichtigen Auszeichnung der Musikszene in der Hansestadt entwickelt. Auch im achten Jahr ist die Jury prominent besetzt - zum Beispiel mit erfahrenen Künstlern wie Joachim Witt. NDR.de hat sich mit dem "goldenen Reiter" und Andrea Rothaug, Geschäftsführerin vom Verein RockCity Hamburg, der den Preis verleiht, unterhalten - ein Gespräch über die Förderung von Newcomern, die Musikbranche, Kunstfreiheit und Witts Karriere.

Herr Witt, warum machen Sie bei der Jury vom Musikerpreis Krach + Getöse mit? Was reizt Sie?

Joachim Witt: Ich bin so nett, persönlich und motivierend von Andrea Rothaug angeschrieben worden, da habe ich gerne zugesagt. Ich finde Krach + Getöse sehr gut - der Preis ist inhaltlich super aufgestellt. Es wird interessant, Talente aufzuspüren. Es gibt manchmal so Grenzsituationen, in denen man denkt: Ist das jetzt gut - oder ist das peinlich? Olli Schulz war am Anfang so ein Typ. Gerade das ist die Sache, die es von dem Gewöhnlichen unterscheidet. Da ist man manchmal irritiert, wie man sich entscheiden soll.

Andrea Rothaug: Und das zu herauszufinden und das Potenzial zu erkennen - das versuchen wir.

Witt: Wichtig ist, dass man intensiv und konzentriert an die Sache geht. Mich als Jury-Mitglied interessiert die Stilrichtung gar nicht. Mich interessiert der Ausdruck, der Inhalt sowie die Art und Weise, wie die Musik aufgestellt wird. Je künstlerischer und außergewöhnlicher, desto besser. Das ist schwierig, weil es eigentlich schon fast alles gibt. Aber ich würde als Jury-Mitglied nie schwerpunktmäßig nach meinen Geschmackskriterien wählen.

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"Musiker müssen authentisch sein"

Welche Tipps haben Sie für Nachwuchsmusiker?

Witt: Wichtig ist, dass sie authentisch sind. Man muss das Gefühl haben, dass es ein Original ist. Inhalte finde ich wichtig - und Charisma. Zumindest der Frontmann oder die Frontfrau sollten eine gewisse Persönlichkeit haben. Die Stimme ist natürlich auch nicht unwichtig. Zum Gesamtpaket gehört auch ein gewisses stilistisches Empfinden. Wer das nicht hat, hat es schwer. Ich habe mir meinen Look immer selbst ausgedacht.

Haben Sie auch mal bei einem Band-Wettbewerb mitgemacht?

Witt: Ja, einmal in den 1960er-Jahren. Das war mit einer Schulband im Hamburger Alsterpavillon. Wir sind Vierter geworden, die Band hieß Scalesmen. Damals wurden immer nur Cover gespielt - von den Beatles oder den Rolling Stones. Da ging es darum, wer die Sachen am besten nachspielt.

Hätten Sie auch gerne so eine Förderung gehabt?

Witt: Ich bin nicht in diese Situation gekommen. Das liegt an meiner persönlichen Geschichte. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten hätte. Krach + Getöse ist ja schon eine Art Wettbewerb - wenn auch anonymer. Ich setze mich dem ungern aus. Einen Contest würde ich nie mitmachen. Hier hätte ich aber schon überlegt, ob ich was einsende.

Es gab ja für Sie auch Rückschläge. Schauen Sie zurück und sagen sich: Wenn mich jemand an die Hand genommen hätte, dann wäre meine Karriere anders verlaufen?

Witt: Nein, ich finde es eigentlich richtig, wie ich es gemacht habe. Wobei ich auch Fehler gemacht habe - strategische und persönliche. Ich bin alles andere als diplomatisch - und bin es auch bewusst nicht. Ich hasse das. Dann ecke ich lieber mal an mit meiner Meinung. Das ist nicht immer angenehm. Ich musste auch die Erfahrung machen, dass ich oft durch meine Statements und meine Musik völlig falsch eingeschätzt wurde. Ich finde es wichtig, dass man die Bereitschaft zeigt, Reibung zu erzeugen. Das man sich nicht allem hingibt und nur anpasst - das habe ich nie gemacht. Hätte ich es gemacht, dann hätte ich es wohl weiter bringen können.

Bereuen Sie das?

Witt: Nein, ich bin überhaupt nicht unzufrieden mit meiner Entwicklung. Wer hat schon so eine Entwicklung? Ich glaube wenige im Land.

Sie haben mittlerweile 15 Studioalben gemacht - da waren sehr viele unterschiedliche Musikstile dabei. Wie würden Sie die Entwicklung ihrer Karriere beschreiben?

Witt: Stationen eines streckenweise Verwirrten. (lacht) Wo ich selber manchmal denke: Wie ist das denn passiert? Aber es ist schon okay so. Es sind ja die entsprechenden Einflüsse gewesen, das persönliche Umfeld oder auch einfach die Stimmung. Die Krankheit bei Musikern ist, dass man sich ständig missverstanden fühlt - bei mir auch stark ausgeprägt. Das ist furchtbar!

Rothaug: Das hat aber immerhin den Vorteil, dass es immer wieder zu Dialogen und Gesprächen kommt, um es klarzustellen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 25.05.2016 | 19:00 Uhr

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