Stand: 13.04.2017 17:30 Uhr

Claire: "Mich macht fertig, was in der Welt passiert"

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Josie-Claire Bürkle ist die Frontfrau der Münchener Band Claire.

In der Band Claire scheint es immer ein bisschen drunter und drüber zu gehen. Vor Beginn der Arbeit an ihrem aktuellen Album wurde der Bandbus mit allem Equipment geklaut. Und ihren Flieger von München nach Hamburg hatte Claire-Sängerin Josie-Claire Bürkle auch nur in letzter Minuten erreicht. Immerhin ist sie trotzdem wohlbehalten angekommen, um mit NDR 2 Reporterin unter anderem über ihr neuestes Album "Tides" zu sprechen.

Du hast bei der Casting- Show "The Voice of Germany" teilgenommen, aber nicht gewonnen. Hattest du dennoch einen Nutzen davon?

Josie-Claire Bürkle: Ich habe persönlich daraus viele Freundschaften gezogen, aber als ich die Jungs (ihre spätere Band, Anm. d. Red.) kennen lernte, wussten die gar nicht, dass ich bei "The Voice of Germany" war. Ich habe das verheimlicht, weil es mir auch so ein bisschen unangenehm war, da rausgeflogen zu sein. Außerdem durfte ich auch noch nicht darüber reden, weil die Sendung noch gar nicht ausgestrahlt war. Bis ich dann zu ihnen sagte: "So, ich muss euch was sagen. Heute seht ihr mich im Fernsehen." Und die Jungs waren sehr geschockt: "Hoffentlich hast du nichts unterschrieben?" Worauf ich sagte: "Nein, alles gut. Wir machen zusammen Musik!"

Im Buddhismus sagt man, dass Segen auf ganz unterschiedliche Art kommt. Könnte man sagen, dass es ein Segen war, dass man euch in England den Bandbus gestohlen hat? 

Bürkle: Wir hätten in London zwei Headline Shows spielen sollen, was für ne deutsche Band wie uns ein krasse Ehre gewesen wäre. Wir hätten in einem Club gespielt, den wir total abfeiern, das Koko. Wir haben da selbst schon Konzerte gesehen. Und an dem Morgen, als wir zum Soundcheck wollten, meinte die Tourmanagerin, dass unser Bandbus nicht da ist. Wir hatten erst an einen Witz geglaubt. Doch auch die Polizei hat unseren Wagen nicht abgeschleppt. Später haben wir auf Security Cameras gesehen, dass der Bus bewegt worden ist. Und dann kam letztens die erhoffte Hilfe. Es gab einen anonymen Hinweis, dass der Bus mit fast allem Zeug darin in Litauen wieder aufgetaucht war!

Trotzdem habt ihr ein neues Album machen können. Worum geht es auf "Tides"?

Bürkle: Textlich geht es um Höhen und Tiefen. Sei es in Beziehungen, in Freundschaften oder in seinem eigenen Leben. Und damit denke ich, dass das Album auch seine positiven Seiten hat. Weil es den Prozess zeigt, dass man Tiefpunkte überstehen muss, um zu werden, wer man ist. Und das ist etwas sehr Positives. Außerdem ist das Album sehr tanzbar.   

In der Welt ist gerade doch auch viel Fieses los. Wieso wird das nicht in euren Texten behandelt?

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Auf ihrem neuen Album "Tide" geht es um die Höhen und Tiefen des Lebens.

Bürkle: Mich macht das fertig, was in der Welt passiert. Und ich kann es auch nicht loslassen. Wobei ich es loslassen kann, ist, wenn ich Musik höre. Weil mich Musik runterholt und in eine eigene Gedankenwelt bringt, wo ich auf das, was in der Welt passiert, auch klarkommen kann. Sonst würde ich wohl einfach rund um die Uhr heulen.

Hast du schon mal versucht, auf Deutsch zu singen? 

Bürkle: Ich finde es sehr schwer, deutsche Texte zu schreiben. Weil man auch Gefahr laufen kann, plump zu wirken. Das nimmt den Raum für jegliche Interpretation. Dafür muss man schon ein Talent haben. Und wir alle fühlen uns als gemeinsame Songschreiber im Englischen viel wohler. Die Sprache hört sich – von mir gesungen- auch viel besser an, als wenn ich auf Deutsch singen würde. Und deswegen war es nie ne wirkliche Überlegung. Ich singe einfach lieber auf Englisch.

Wie werdet ihr im Ausland aufgenommen?

Bürkle: Wir haben angefangen, Musik online zu stellen, weil wir gehofft haben, dadurch mal auf nem Festival zu spielen. Aber dass man dann dadurch internationales Feedback bekommt und durch seine Musik reisen darf, wir waren mit Woodkid in Frankreich unterwegs, haben auf dem South by Southwest in Texas gespielt. Und es ist schon der Wahnsinn, so ne Chance zu bekommen. Damit haben wir nicht gerechnet!

Seit Euch die Instrumente aus dem Bus geklaut wurden, verwendet ihr analoge Synthies. Klingt das nicht ein bisschen zu retro?

Bürkle: In unserer Band herrscht schon die Liebe zu alten Drum Machines vor. Ich kann mir aber auch denken, dass Menschen, die mit so einer Art 80er-Sound groß geworden sind, sich denken: "Oh Gott, nicht schon wieder!“ Aber ich kann mir auch vorstellen, dass viele Leute mit unserer Musik Flashbacks haben. Wir schließen keine Generation mit unserer Musik aus. Wir können hoffentlich jeden damit abholen!

Hast du ein Lebensmotto?

Bürkle: Mir passiert so viel Gutes, so viel Glückliches. Was daran liegt, dass mir die negativen Dinge gar nicht auffallen. Ich denke höchstens, dass ich sie brauchen kann, um an einen neuen Punkt zu kommen. Und deswegen glaube ich daran, dass man immer positiv sein muss und ich glaube, wenn man positiv ist, dass einem positive Dinge passieren.

Was singst du in der Karaokebar?

Bürkle: Oh, das wären Spice Girls und Michael Jackson. Eine übel schöne Kombination wäre zum Beispiel "Wannabe" gefolgt von "Man In The Mirror".

Und welche Künstler bewunderst du?

Bürkle: Mit elf war ich mit meiner Mama in Zürich auf nem Konzert von Tracy Chapman. Und ich habe geweint wie ein Schlosshund. Wenn sie mit Band spielt, ist das schon fantastisch, aber wenn sie alleine auf der Bühne steht mit ihrer Gitarre, und sie hat nichts anderes außer ihrer Stimme, dann ist das der krasseste Moment, weil sie die Halle mit ihrer Stimme ausfüllt. Sie hat mich dazu gebracht, dass ich angefangen habe, Gitarre zu spielen. Und sie ist auch der Grund, warum ich mich zu bluesigen Sounds und Stimmen hingezogen fühle.

Was ist dein Rat an andere Newcomer?

Bürkle: Im Musikgeschäft brauchst du immer ein bisschen Glück, alles lässt sich nicht planen. Aber es ist wichtig, dass du eine Euphorie für deine eigene Sache mitbringst. Und wenn du krass dafür brennst, dann kannst du auch andere Leute dafür begeistern. Darum geht’s: An sich selber zu glauben, die Sache abzufeiern und die Leute mit seiner Euphorie mitreißen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Thema im Programm:

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