Stand: 09.06.2015 20:24 Uhr

Wie sehr will Hamburg Olympische Spiele wirklich?

Nicht jeder außerhalb Hamburgs kennt den Kleinen Grasbrook. Aber auf dem Gelände im Hafen könnten die Olympia-Träume der Hansestadt wahr werden - wenn nämlich Hamburg in zwei Jahren den Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 erhalten sollte. Und wenn Ende des Jahres die Hamburger in einem Referendum die ehrgeizigen Pläne des Senats absegnen. Noch ist die Olympia-Stimmung in Hamburg gut, aber es gibt auch mahnende Gegenstimmen, die nicht zu überhören sind.

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Das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook in Hamburg. Heute noch eine Animation - 2024 dann Realität?

Es ist ein Hürdenlauf. Noch über unbekannte Distanz. Auf der Innenbahn der Favorit, zurzeit leicht im Vorteil: Senat und Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Rückenwind kommt aus vollen Kassen und aus Umfragen, die in der Bevölkerung eine stabile Pro-Olympia-Stimmung ausmachten. Zum Trainerteam gehört Stadtbaudirektor Jörn Walter: "Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammenkommen werden, und dass vor allen Dingen die Stadtteile, die da benachbart sind, heißen sie nun Rothenburgsort, Veddel oder Wilhelmsburg, von diesem Ereignis wirklich profitieren können."

NOlympia: "Das ist unfassbar größenwahnsinnig"

Auf den Bahnen zwei und drei laufen die Außenseiter: Viele der rund 60.000 Anwohner auf den Elbinseln sorgen sich weiter wegen der Belastungen und Veränderungen, wenn Olympia auf den Kleinen Grasbrook ganz in ihre Nähe kommt. Auch NOlympia, die bundesweite Gegenbewegung, hat sich nun auf Hamburg eingestellt. "Wenn wir uns angucken, was die Stadt geplant hat, dann ist das unfassbar größenwahnsinnig. So viele Milliarden, die da verschlungen werden, das halten wir für sehr problematisch", sagt NOympia-Sprecherin Marie Behr.

Gegenwind aus dem Hamburger Hafen

Es ist ein Wettbewerb der Web-Seiten, der im Moment in Hamburg aufgeführt wird. Die Stadt präsentiert Hochglanzstudien der Sportstädten im Sonnenschein, die Olympia-Gegner Schlagworte wie Verdrängung, Mietsteigerung und Milliardensumpf. Mehrheitsgefährdend scheinen die Argumente der Kritiker zurzeit aber nicht.

Gefährlich für die positive Olympiastimmung kann aber einer werden: Gunther Bonz, der Präsident des Vereins der Hamburger Hafenunternehmer. Er ist ein Fachmann für Attacken auf der Außenbahn und fragt: "Wie viele Arbeitsplätze sollen denn noch gefährdet werden für olympische Zwecke?"

Bonz: "So kann man mit uns nicht umgehen!"

Hafenfragen sind immer auch politische Fragen in Hamburg, siehe Elbvertiefung. Mit Hafenthemen lässt sich Stimmung machen. Ja, die Hafenwirtschaft habe zugestimmt, den Kleinen Grasbrook zu räumen. Für Olympische Spiele, und für den neuen Stadtteil, der danach daraus entstehen soll. Wir machen mit, aber eben nur, wenn Hamburg den Zuschlag für die Spiele in zwei Jahren auch bekommt, sagt Bonz. "Nun hören wir, dass unabhängig von der IOC-Entscheidung das so oder so umgesetzt wird. Da müssen wir sagen: Wem können wir noch trauen? So kann man mit uns nicht umgehen, und dann steigen wir aus diesem gemeinsamen Konzept aus. Das ist unehrlich!"

Bürgerentscheid am 29. November

Wie viel Platz braucht Olympia wirklich? Wer hilft den betroffenen Betrieben? Wo sollen sie hin? Wann gibt es Planungssicherheit? Im Hafen bleiben viele Fragen, und es werden wohl noch einige Krisentreffen wie das am Dienstagabend nötig sein, um die Stimmung zu beruhigen.

Stimmungsschwankungen können sich Hamburgs Olympiabefürworter nicht leisten. Am 29. November soll die Bevölkerung über das olympische Konzept und die Kosten abstimmen. Bis dahin wird der Hürdenlauf auf allen Bahnen weitergehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.06.2015 | 06:50 Uhr