Stand: 19.11.2015 14:00 Uhr

Wie nachhaltig wird Olympia in Hamburg?

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Auch beim Olympia-Stadion setzt Hamburg auf Nachhaltigkeit: Es soll hinterher zu einem kleineren Stadion mit 400 integrierten Wohnungen umgebaut werden.

Hamburg will im Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 mit dem Thema Nachhaltigkeit punkten. "Wir machen die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt der Hamburger Olympia-Bewerbung", sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag. Die Hansestadt sieht hier ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sie die anderen Olympia-Bewerber ausstechen kann. Ziele sind unter anderem klimaneutrale Spiele, faire Lieferketten und eine Olympia-City als ökologisches Vorzeige-Quartier. Am Donnerstag stellte Kerstan zusammen mit der Bewerbungsgesellschaft den aktuellen Stand des Nachhaltigkeitskonzeptes vor. "Mit den Olympischen Spielen ist es möglich, den Klimaschutz und die Verkehrswende in der Stadt entscheidend voranbringen", sagte der Senator.

BUND: Das reicht uns nicht

Kritik kommt hingegen vom BUND Hamburg. "Die vorgelegten Eckpunkte sind meist unverbindlich und wenig ambitioniert", beklagte BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch am Donnerstag im Gespräch mit NDR.de. "Hamburg will nachhaltigere und grünere Spiele als London 2012, aber zugleich hierfür weniger Geld in die Hand nehmen. Das passt nicht zusammen."

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Das Nachhaltigkeitskonzept im Einzelnen

Im Internet ist das ganze Nachhaltigkeitskonzept für die Olympia-Berwerbung Hamburgs einzusehen. extern

Der BUND Hamburg hatte sich zunächst an den Gesprächen über das Nachhaltigkeitskonzept beteiligt, lässt aber seit September sein Mandat im Dialogkreis ruhen. Die Umweltschützer haben sich beispielsweise ehrgeizigere Ziele bei der Luftreinhaltung gewünscht. Zudem verpasse die Stadt die Chance, für die Olympia-City "auf eine ganz neue Mobilität zu setzen" - ohne den herkömmlichen Autoverkehr. Der BUND Hamburg empfiehlt, beim Olympia-Referendum mit Nein zu stimmen.

Erst der Anfang

Die Olympia-Planer sehen sich hingegen auf einem guten Weg. Das Nachhaltigkeitskonzept soll in die Bewerbungsunterlagen einfließen, die im Februar 2016 beim IOC eingereicht werden sollen. Es ist aber noch nicht ganz ausgereift. Das 44-seitige Papier soll weiterentwickelt werden - falls die Hamburger im laufenden Olympia-Referendum mehrheitlich für die Bewerbung stimmen.

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Die Olympia-City auf dem Kleinen Grasbrook soll ein "Schaufenster für Nachhaltigkeit" werden. Die erforderlichen Gebäude würden nach den höchsten Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) errichtet. Zudem sollen die drei zentralen Sportstätten nach den Spielen umgebaut werden. So könnte das Olympia-Stadion mit 60.000 Plätzen in ein Leichtathletik-Stadion mit 20.000 Plätzen und 400 integrierten Wohnungen umgewandelt werden. Aus der Olympia-Schwimmhalle würde hinterher ein Sport- und Freizeitbad. Und die Olympiahalle hätte ein "zweites Leben" als Kreuzfahrtterminal.

Für alle geplanten Sportstätten wurde ein Umweltscreening durchgeführt, bei dem Experten die Auswirkungen auf Natur und Landschaft, Energie, Wasser, Boden, Klima, Luft, menschliche Gesundheit und Klimaschutz geprüft haben.

"Klimaneutralität wird nicht ernst genommen"

Hamburg setzt sich das Ziel, die Spiele klimaneutral durchzuführen. Dieses Vorhaben fußt auf drei Säulen: Zum einen soll der Ausstoß von Treibhausgasen vermieden und erneuerbare Energien eingesetzt werden. Zum anderen sind Ausgleichsmaßnahmen für die nicht vermeidbaren Emissionen geplant. "Die hierfür vorgesehenen 33 Millionen Euro sind aber nicht im Olympia-Finanzreport aufgenommen worden", sagte BUND-Geschäftsführer Braasch. "Das zeigt, dass die Stadt die Klimaneutralität nicht wirklich ernst nimmt."

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Dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen Schlüsselfunktionen beim Olympia-Verkehr zukommen. Nur zwei Prozent der Besucher reisen mit dem eigenen Auto an, hoffen die Verkehrsexperten. Unmittelbar an den Sportstätten sind keine Parkmöglichkeiten für private Autos vorgesehen. Ein "Olympia der kurzen Wege" ist geplant: Die meisten Sportstätten werden in einem Radius von zehn Kilometern um den Kleinen Grasbrook liegen. Die nötigen Investitionen in das Verkehrsnetz mit modernen Bussen, Schnellbahnen und attraktiven Radwegen würden sich auf lange Sicht lohnen, heißt es im Nachhaltigkeitskonzept: "Die Ausgaben sind gute Investitionen in eine zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität der Stadt mit geringem Kohlendioxid-Fußabdruck."

DGB fordert gute Arbeitsbedingungen

Der DGB Hamburg lobt die Vision der Olympia-Planer. "Das Nachhaltigkeitskonzept bietet die Möglichkeit, Umwelt-, Wirtschafts-, und soziale Aspekte der Spiele in größerem Maße als in der Vergangenheit zu berücksichtigen, zu verzahnen und zu gestalten", sagte Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat besonders die Arbeitsplätze im Blick. "Für alle Beschäftigten müssen die Arbeitsbedingungen vor, während und nach den Spielen gut sein. Nicht nur in Hamburg und Deutschland, sondern auch entlang der weltweiten Lieferketten", fordert Karger.

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