Stand: 22.09.2015 09:12 Uhr

Wegen Olympia: Neue Hafenfläche für Tschechien?

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Das Gelände des Tschechen-Hafens am aktuellen Standort verfällt seit Jahren.

Seit 1929 hat Tschechien auf dem Kleinen Grasbrook einen Teil des Hamburger Hafens gepachtet - nun ist das Areal den Olympiaplänen im Weg. Deshalb bekommt Tschechien voraussichtlich ein neues Hafenareal außerhalb des künftigen Olympiageländes. Das neue Gebiet soll am Kuhwerder Hafen liegen, in Sichtweite des neuen Kreuzfahrtterminals und des Containerterminals Tollerort. Anders als beim etwas versteckt gelegenen sogenannten Tschechen-Hafen müssen Schiffe nicht unter Brücken hindurch. Der tschechische Verkehrsminister Dan Tok zeigte sich bei einer Hafenrundfahrt zufrieden mit dem geplanten Tausch, wie NDR 90,3 am Montag berichtete. "Dieses Gebiet ist vollkommen in Ordnung, es hat sogar einen besseren Zugang zur See, ich mag das sehr und ich bin mir sicher, dass wir da zu einem Vertrag kommen", sagte er am Montag. Auch Jens Meier, Chef der Hafenverwaltung HPA, und Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sind offenbar zufrieden mit dem möglichen Tausch.

Nur im Falle von Olympia?

Aber noch ist nichts entschieden. Unklar ist nach Angaben der Wirtschaftsbehörde auch, ob ein Grundstückstausch selbst dann zustande kommt, wenn die Olympia-Pläne scheitern. "So weit sind die Gespräche noch nicht gediehen", sagte Behörden-Sprecherin Susanne Meinecke am Dienstag im Gespräch mit NDR.de.

Der Tschechen-Hafen liegt in unmittelbarer Nähe des geplanten Olympiastadions. Ende August hatten die Wirtschaftsbehörde und Lubomir Fojtu, Direktor der zuständigen Wasserstraßendirektion in Prag, gegenüber NDR.de Gespräche zwischen der Hafenbehörde HPA und der Stadt Hamburg über einen Grundstückstausch bestätigt.

Der Tschechen-Hafen im Versailler Vertrag

Im Artikel 363 des Versailler Vertrages heißt es: "In den Häfen Hamburg und Stettin verpachtet Deutschland der Tschecho-Slowakei für einen Zeitraum von 99 Jahren Landstücke, die (...) dem unmittelbaren Durchgangsverkehr der Waren von oder nach diesem Staate dienen sollen."

Pachtvertrag läuft noch bis 2028

Die Fläche mit den zwei Wasserbecken im Moldau- und Saalehafen ist bis 2028 an Tschechien verpachtet. Im Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg verpflichtete Deutschland sich, der Tschechoslowakei freien Zugang zum Meer zu ermöglichen. Nach zähen Verhandlungen wurde schließlich 1929 ein entsprechender Vertrag für den Hamburger Hafen unterzeichnet - mit einer Pacht-Laufzeit von 99 Jahren. Kommt der geplante Umzug zustande, will Prag den Vertrag um weitere 50 Jahre verlängern.

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Die Olympia-Pläne der Stadt Hamburg kommen für die Tschechen eigentlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Sie hatten sich gerade vorgenommen, das Gelände am jetzgen Standort nach jahrzehntelangem Verfall wieder in Schuss zu bringen. Nach der politischen Wende im Ostblock war der tschechische Binnenschiffhandel im Hamburger Hafen eingebrochen. 2001 meldet Europas einstmals drittgrößte Binnenschiffsreederei ČSPLO Konkurs an. Seitdem liegt das Gelände im Hamburger Hafen im Dornröschenschlaf. Einige Arbeiten sind bereits erledigt: Eine Brachfläche am Moldauhafen ist kürzlich in einen Stellplatz für Lastwagen umgewandelt worden. Auch die beiden Bürogebäude im Tschechen-Hafen sollen saniert werden. Die Sanierung soll - zumindest in begrenztem Umfang - demnächst angegangen werden, um den Mietern bessere Räume zu bieten. Hamburg sei weiterhin der wichtigste Hafen für die Tschechische Republik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.09.2015 | 18:00 Uhr

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