Stand: 01.07.2015 19:42 Uhr

Überraschend: ARD und ZDF raus bei Olympia

Der Schreck war so groß, dass er dem ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky wohl erst einmal die Sprache verschlagen haben mag. Das Internationale Olympische Komitee IOC vergibt die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2018-2024 für Europa in Deutschland nicht an ARD und ZDF, sondern an den US-amerikanischen Medienkonzern Discovery und damit dem Sender Eurosport.

Mögliche Wettkampfstätten für Olympische Spiele in Hamburg © picture alliance / dpa

Überraschend: ARD und ZDF raus bei Olympia

ZAPP -

Bisher waren ARD und ZDF die deutschen Olympia-Sender. Ab 2018 wird das anders. Das IOC hat dem US-Konzern Discovery die Übertragungsrechte für sieben Jahre verkauft.

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Not amused: Axel Balkausky.

Dabei bahnte sich eine solche Entwicklung wohl schon an: "In der Zeit davor (vor der IOC-Entscheidung, Anm. d.Red.) waren wir schon überrascht, über das enorme Engagement, was dort von amerikanischer Seite getätigt worden ist", sagt Balkausky im Gespräch mit ZAPP. "Auf der anderen Seite ist das ja keine ganz neue Erfahrung, die wir da machen. Der Sportrechtemarkt internationalisiert sich zunehmend in den letzten Jahren, und dass jetzt große multinationale Unternehmen auch den deutschen oder auch den europäischen Markt für sich sehen, das ist etwas, was sich in den letzten Jahren schon angedeutet hat", so Balkausky.

Mehr als eine Milliarde Euro

1,3 Milliarden Euro soll Discovery für die Übertragungsrechte in Europa gezahlt haben. Und damit für die Bilderrechte, aber auch die Verbreitung im Netz und auf mobilen Geräten. Discovery bespielt alles und ist sehr flexibel.

Nicht nur Axel Balkausky sieht darin einen großen Vorteil gegenüber dem öffentlich-rechtlichen System: "Was den Bereich Online und Social Media anbelangt, sind wir durch rechtliche Schranken überhaupt nicht befähigt mit einem solchen Angebot mitzugehen, denn ich glaube das Wirtschaftliche ist nur ein Teil der Wahrheit. Ich glaube das hat auch sehr viel damit zu tun, dass Discovery ein Angebot abliefert hat, bei dem auf allen Ausspielwegen in Zukunft Sport geliefert werden kann. Vor allem wird auch der Olympische Kanal, den Thomas Bach ja so sehr präferiert, eine Aufwertung erfahren und das können wir als öffentlich-rechtliches System überhaupt nicht abdecken."

Ein eigener Olympia-Kanal fürs IOC?

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IOC-Präsident Thomas Bach will auch zwischen den Spielen Berichterstattung über Olympia.

Damit scheint Balkausky den Kern der IOC-Überlegungen getroffen zu haben. Schon Ende letzten Jahres erläuterte IOC-Präsident Thomas Bach seine Idee eines eigenen Olympia-Kanals, eines Kanals, der auch zwischen den Spielen Sport transportiert, und zwar nicht nur linear.

"Wir werden Sportereignisse live begleiten und Interviews zeigen", so Bach beim IOC-Meeting in Monaco Ende 2014, "wir werden aber auch über das Engagement des IOC und der Olympischen Bewegung zum Beispiel in humanitären Fragen berichten." Das klingt nach einem Programm mit einer Botschaft - und nach PR für das IOC. Eine solche "Dauerwerbesendung" wäre mit ARD und ZDF wohl nicht zu verwirklichen gewesen.

Reichen 200 Stunden Olympia pur?

Vertraglich verpflichtet sich Eurosport, die Olympischen Sommerspiele 200 Stunden im Free TV zu senden, bei den Winterspielen sollen 100 Stunden für jeden Zuschauer frei empfangbar sein. Letztlich wird der Zuschauer entscheiden, ob ihm reine Sportberichterstattung reicht. Kritische begleitende Berichterstattung können die Öffentlich-Rechtlichen jedenfalls auch ohne einen Vertrag mit dem IOC liefern.

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