Stand: 09.10.2015 13:45 Uhr

Scholz: Hamburg muss maximal 1,2 Milliarden zahlen

Bürgermeister Olaf Scholz: "Die am besten durchgerechnete Bewerbung ever."

Die Stadt Hamburg hat ihre Berechnungen zu den Olympischen Sommerspielen 2024 abgeschlossen: Laut dem Finanzreport würden die Spiele insgesamt rund 11,2 Milliarden Euro kosten. Da der Erlös auf 3,8 Milliarden Euro geschätzt wird, kämen auf den Steuerzahler 7,4 Milliarden Euro zu. Für die Hansestadt sollen am Ende 1,2 Milliarden Euro an Kosten übrig bleiben.

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Der Finanzreport wurde von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und dem Chef der Senatskanzlei, Christoph Krupp, im Oktober präsentiert. "Dieses ist die am besten durchgerechnete Bewerbung, nicht nur in Deutschland, ever. Das ist eine große Leistung", sagte Scholz. Oberstes Ziel sei es, keine neuen Schulden zu machen. Bei der Erstellung des Konzepts seien fast 700 Einzelteile des Gesamtprojekts inklusive Inflations- und Risikozuschlag durchgerechnet worden, die Experten hätten immer die höchsten Zahlen genommen. Man werde die errechnete Summe daher "eher unterschreiten als übertreffen", so Scholz. Zum Vergleich: Die britische Regierung hatte für die Olympischen Spiele 2012 in London nach Abzug der Einnahmen rund neun Milliarden Euro ausgegeben.

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Segeln in Kiel mit 146 Millionen Euro kalkuliert

"Hamburg hat aus dem Thema Elbphilharmonie erkennbar gelernt. Es ist mit einer noch nie dagewesenen Präzision geplant und gerechnet worden", lobte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Die Gesamtsumme von 11,2 Milliarden Euro ergibt sich unter anderem aus den Baukosten für olympische Stätten wie Stadien und Hallen (1,97 Milliarden), den Kosten für das olympische Dorf (1,66 Milliarden), für die Verkehrsinfrastruktur (2,1 Milliarden), die Hafenflächen (rund 1,3 Milliarden) und die Sicherheit (461 Millionen). Für die Wettkämpfe in Kiel mit den olympischen Segelregatten wird mit 146 Millionen Euro kalkuliert, zwischen 30 und 41 Millionen muss die Stadt übernehmen. "Allerdings wird auch ohne Olympia in den kommenden Jahren eine umfangreiche Modernisierung des Olympiazentrums notwendig", betonte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Deshalb belaufe sich der "Olympia-Anteil" auf 15 bis 20 Millionen Euro.

Verhandlungen mit dem Bund laufen

Von den Gesamtkosten soll der Bund 6,2 Milliarden Euro schultern. Schriftliche Zusagen gibt es dafür allerdings noch nicht, die Verhandlungen laufen aktuell und könnten auch bis zum Bürgerentscheid am 29. November noch nicht abgeschlossen sein. Michael Rotschuh von der kritischen NOlympia-Initiative gefällt das nicht. Er befürchtet, "dass der Bürgermeister im Grunde gesagt hat, 'Stimmt mal jetzt alle für die Olympischen Spiele ab' und Anfang Februar sagt er dann 'Ach, jetzt kann der Bund doch nicht soviel zahlen.' Der Beschluss ist dann aber bindend."

"Großzügige Angebote" seitens des Bundes

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Auch die Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft bemängelte vor allem den noch offenen Anteil des Bundes an der Finanzierung. "Immer war davon die Rede, dass der Bund zwei Drittel bezahlt und Hamburg ein Drittel. Jetzt heißt es, dass diese Frage erst im Februar geklärt wird - also nach dem Referendum", sagte Norbert Hackbusch, haushaltspolitischer Sprecher. Eine Sprecherin des zuständigen Bundesinnenministeriums sagte der "Welt", dass in den bisherigen Gesprächen Hamburg großzügige Angebote unterbreitet worden seien, "die weit über die in der Vergangenheit zugesagten Beteiligungen hinausgingen".

Scholz: "Werde die Finanzen der Stadt nicht ruinieren"

Scholz machte allerdings deutlich, dass eine verbindliche Zusage bis Ende Januar definitiv vorliegen müsse; dann werden die ersten großen Unterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht. Sollte der Bund nicht bereit sein, die von Hamburg geforderte Summe zu übernehmen, werde er die Bewerbung nicht weiter vorantreiben, versprach Scholz: "Ich werde die Finanzen der Stadt nicht ruinieren." Auch Grüne und FDP verlangten vom Bund verbindliche finanzielle Zusagen.

Stadt übernimmt 1,2 Milliarden Euro

Die Stadt Hamburg übernehme die übrigen 1,2 Milliarden Euro für die Austragung der Spiele, sagte der Bürgermeister. Finanziert werden soll dies aus dem laufenden Haushalt der Hansestadt, mit jährlich 200 Millionen Euro ab 2018. "Die Finanzkraft der Stadt Hamburg wird nicht überfordert", betonte Scholz. Für den Rückbau und die Weiterentwicklung insbesondere des Hamburger Stadtteils OlympiaCity, in dem 18.000 Menschen wohnen und gut 7.000 arbeiten sollen, werden in den Jahren bis 2040 weitere rund 1,14 Milliarden Euro veranschlagt. Sie werden laut Finanzreport aber nicht den Olympia-Kosten zugerechnet.

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Die Olympiagegner kritisierten den Finanzplan stark. "Für alle, die sich Klarheit noch vor dem Referendum erhofft haben, war diese Präsentation eine kräftige Enttäuschung", konstatierte Hackbusch, dessen Linken-Fraktion ebenso wie der Steuerzahlerbund klare Zahlen zu den Kosten fordert, die für die Verlagerung der Hafenbetriebe anfallen. "Es ist das Gegenteil von dem eingetreten, was ich erwartet und erhofft habe", sagte Dirk Seifert, Umweltaktivist und Internetblogger von der Hamburger NOlympia-Bewegung: "Das sind gigantische Zahlen, wenn man bedenkt, dass es hier um eine Sportveranstaltung geht. Diese Spiele sind enorm teuer. Wie Hamburg das meistern will, ist mir schleierhaft."

Seifert kritisierte die Zahlen auch im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise: "Vor dem Hintergrund dieser Problematik ist solch eine Bewerbung für die Olympischen Spiele moralisch und finanziell nicht zu verantworten. Die Flüchtlingsproblematik wird dem Hamburger und dem Bundeshaushalt noch einiges abverlangen." Scholz dagegen betonte, beide Themen überforderten die Stadt nicht.

Von allen Bewerbern die größte Summe angegeben

Die Entscheidung, wo die Spiele 2024 stattfinden, fällt 2017. Konkurrenten sind Los Angeles, Paris, Rom und Budapest. Hamburg ist die einzige Stadt, die vorher ihre Bürger fragt und hat zudem von allen Bewerbern die größte Summe angegeben - aber wohl auch die realistischste.

 

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