Stand: 16.11.2015 08:48 Uhr

Holstein: Olympia ist das Gegenbeispiel zum Terror

Hamburgs Staatsrat für Inneres und Sport, Christoph Holstein, hat sich nach den Terror-Anschlägen von Paris eindeutig zur Olympia-Bewerbung der Hansestadt bekannt. "Die Olympischen Spiele sind das Gegenbeispiel zu dem, was wir erlebt haben. Die ganze Welt zu Gast in einer Stadt, harmonisch, friedlich. Insofern kann es sein, dass die Bewerbung wichtiger ist als je zuvor", sagte Holstein am Sonntagabend im Sportclub. Es gehe nun darum, eine Haltung zu entwickeln: "Und die muss heißen: Wir lassen uns von Terroristen nicht in unserer Freiheit beeinträchtigen."

Hörmann: "Sport wird Hoffnung schaffen"

Holstein stellte allerdings klar, dass trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Risiken nicht einhundertprozentig auszuschließen seien. "Das geht nur, wenn wir unsere Freiheit opfern und das wäre auch nicht klug." Gleichzeitig warb er für eine differenzierte Sicht in Bezug auf mögliche Olympische Spiele in Hamburg: "Es gilt, was wir immer gesagt haben: Die Sicherheitslage des Jahres 2024 können die Experten erst Anfang der 20er realistisch bewerten. 2024 ist in neun Jahren." Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, will ebenfalls an der Bewerbung mit Hamburg festhalten: "Sport wird Hoffnung schaffen, wo im Moment Entsetzen und Verzweiflung herrschen. Gerade in Zeiten wie diesen gewinnt die über Jahrhunderte bewährte, völkerverbindende olympische Idee des friedlichen und fairen Zusammentreffens von Menschen aus aller Welt nochmals erkennbar an Wert."

Hat Hamburg zu wenig für die Sicherheit veranschlagt?

Weitere Informationen
16 Bilder

Spiele am Wasser: Hamburgs Olympia-Plan

Auf dem Kleinen Grasbrook im Hafen soll Hamburgs Olympia-Zentrum für die Sommerspiele 2024 entstehen. Wie sehen die geplanten Sportstätten und das Olympische Dorf aus? Bildergalerie

Fragen zu einer möglichen Aufstockung des Sicherheitsetats für die Olympia-Bewerbung wollten am Sonntag weder DOSB-Boss Hörmann noch Nikolas Hill, Geschäftsführer der Olympia-Bewerbungsgesellschaft, beantworten. Im Hamburger Konzept für die Ausrichtung der Sommerspiele in neun Jahren sind 461 Millionen Euro für die Sicherheit veranschlagt. Kritiker halten diese Summe für viel zu gering. Auch Sicherheitsexperte Dennis Pauschinger äußerte in der Sportschau am Sonntag Zweifel: "Es fällt auf, dass Terrorismus in dem Konzept eine sehr kleine Rolle spielt."

London, 2012 Olympia-Gastgeber, hatte 1,6 Milliarden Euro für den Schutz der Spiele ausgegeben. Rio de Janeiro, im kommenden Jahr Austragungsort für die größte Sportveranstaltung der Welt, plant mit 85.000 Sicherheitskräften, davon 38.000 Soldaten - mehr als doppelt so viele wie in London (40.000). Die erwarteten Gesamtkosten geben die brasilianischen Organisatoren mit knapp neun Milliarden Euro an. Hamburg hat seinen Bürgern 7,4 Milliarden Euro als Summe für die Spiele mit auf den Weg gegeben, wovon 6,2 Milliarden der Bund tragen soll.

Bürger entscheiden bis zum 29. November

Die Stadt Hamburg lässt ihre Bürger derzeit in einem Referendum darüber abstimmen, ob die Bewerbung für die Sommerspiele und die Paralympics 2024 vorangetrieben werden soll. Bis zum Freitag hatten nach Angaben von Sportsenator Michael Neumann (SPD) bereits mehr als 20 Prozent der knapp 1,3 Millionen Abstimmungsberechtigten ihr Votum per Brief abgegeben. Das Referendum ist angenommen, wenn es bei Ablauf der Abstimmung am 29. November mehr Ja- als Nein-Stimmen gibt und mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten (259.883) mit Ja stimmen. Bis zum 5. Februar 2016 muss Hamburg dann beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne die Bewerbung eingereicht haben. Neben der Hansestadt wollen sich auch Paris, Budapest, Los Angeles und Rom offiziell um Olympia 2024 bewerben. Im September 2017 entscheidet das IOC endgültig über die Vergabe der Spiele.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/olympia/Olympia-Hamburg,olympia4056.html

Scholz: Hamburg muss maximal 1,2 Milliarden zahlen

Die Gesamtkosten für Olympia 2024 liegen laut Finanzreport bei 11,2 Milliarden Euro. Hamburg müsste laut Bürgermeister Scholz maximal 1,2 Milliarden Euro stemmen. Die Olympiagegner kritisieren den Finanzplan. mehr

mit Video

So läuft das Olympia-Referendum in Hamburg

Bis zum Sonntag können die Hamburger über die Olympia-Bewerbung der Stadt abstimmen. Die wichtigsten Informationen zum Referendum. mehr

32 Bilder

Hamburgs Sportstätten für Olympia

Hamburg will 2024 die Olympischen Spiele ausrichten. Wo sollen die Athleten um Medaillen kämpfen? NDR.de gibt einen Überblick über die geplanten Sportstätten. Bildergalerie