Stand: 09.09.2015 16:33 Uhr

Hamburg und DOSB versenden Bewerbungsbrief

Die Stadt Hamburg und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben die Bewerbung um die Sommerspiele 2024 auf den Weg gebracht. Damit hat die deutsche Kandidatur nun auch offiziellen Charakter. 81 Tage vor dem Referendum in der Hansestadt unterzeichneten Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Bewerbungsbrief, der unmittelbar danach von der deutschen Athletensprecherin Claudia Bokel in einem auf dem Hafen-Bürogebäude Dockland installierten Briefkasten geworfen wurde. Die Unterlagen sind nun unterwegs zum Internationalen Olympischen Komitee in Lausanne (IOC). Zuvor hatte eine Staffel aus sieben aktiven und ehemaligen Sportlern, darunter Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste und Paralympics-Teilnehmerin Stephanie Grebe, den Brief 134 Stufen hoch zum Einwurf getragen.

Scholz: "Ein sehr bewegender Moment"

"Für mich ist das ein sehr bewegender Moment", sagte SPD-Politiker Scholz bei einer Pressekonferenz im Cruise Terminal im Hamburger Hafen am Mittwoch: "Gerade jetzt, wo wir sehen, wie viele Menschen nach Deutschland kommen, weil sie sich hier gut und sicher fühlen, sind die Olympischen Spiele ein Zeichen, das in die gleiche Richtung zeigt." Es sei kein Widerspruch, dass Hamburg Flüchtlinge aufnehme und Olympische Spiele vorbereite: "Beides kann man tun, weil wir nach vorne blicken, weil wir Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben und ein gutes Zusammenleben in der Welt. Und darum geht es ja bei den Olympischen Spielen."

Hörmann: "Brauchen Symbole der Hoffnung"

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Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Nikolas Hill, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024, und DOSB-Präsident Alfons Hörmann (v.l.n.r.).

DOSB-Chef Hörmann ergänzte: "Gerade in diesen Zeiten brauchen wir Symbole der Hoffnung, des Friedens, des Miteinanders über alle Grenzen hinweg. Olympia war, ist und bleibt ein solches Symbol." Der Vorsitzende der Olympia-Bewerbungsgesellschaft sprach zudem von einem "einzigartigen Konzept". Es könnten "Spiele der Entschleunigung werden. Weniger Hetze, weniger Hast, weniger Nervenstress in einer Zeit, in der wir alle tagtäglich genau das Gegenteil kennen und nicht unbedingt schätzen lernen. Auch das kann ein Ziel sein."

Hamburger Linke übt scharfe Kritik

Die Hamburger Linke kritisierte die Entsendung der Bewerbung scharf. "Damit hat der Bürgermeister die Bewerbung um Milliardenausgaben, um Mietsteigerungen, Verdrängung, Überwachung, Sozialkürzungen, Umweltzerstörung und noch tiefere soziale Spaltung unterschrieben", sagte Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion Die Linke. Yildiz sieht in Boston ein Vorbild für Hamburg. Die amerikanische Ostküstenstadt hatte ihre Kandidatur vor sechs Wochen zurückgezogen. "Der Bürgermeister von Boston hatte diesen Schritt verweigert, er wollte den Stadtschlüssel nicht an das IOC abgeben und dann eine Milliardenrechnung bekommen. So viel Weitsicht fehlt in Hamburg leider", meinte Yildiz.

Bürgerbefragung die letzte Hürde

Die letzte Hürde auf dem Weg zur deutschen Bewerbung stellt die Bürgerbefragung am 29. November dar. Nur im Falle eines positiven Votums der Hamburger Bürger wird die Kampagne aufrecht erhalten. Die kompletten Bewerbungsunterlagen und Garantieerklärungen müssen dann bis zum 8. Januar 2016 beim IOC eingereicht werden, die Entscheidung über die Ausrichterstadt fällt im September 2017 in Lima (Peru). Kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist beim IOC am 15. September liegen nunmehr fünf Hüte im Ring. Neben Hamburg kandidieren auch Los Angeles, Paris, Rom und Budapest um die Ausrichtung des größten Multisport-Ereignisses der Welt.

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