Stand: 11.07.2016 13:42 Uhr

Hamburg: Wiege des deutschen Tennis

Inzwischen schlagen zwar nur noch die Herren am Rothenbaum auf, doch lange Zeit kämpften hier auch die Damen um Spiel, Satz und Sieg. Allen voran Steffi Graf, die 1987 die "Ära Graf" startete und sechsmal in Folge gewann. Seit 1896 hatten die Damen ihr eigenes Turnier in Hamburg, zu dem Jahr für Jahr die Elite antrat. Den Sieg der vorerst letzten Damenkonkurrenz 2002 sicherte sich die Belgierin Kim Clijsters. Dann wurde das Turnier nach Philadelphia verkauft. Auch eins der dunkelsten Kapitel der Turniergeschichte ereignete sich während des Damen-Turniers. 1993 rammte ein Steffi-Graf-Fan während des Viertelfinales der damals 19 Jahre alten Monica Seles ein Messer in den Rücken. Zwei Jahre spielte Seles nicht auf der Tour und wurde nie wieder so gut wie vor dem Attentat.

Weitere Informationen
mit Video

Das Messerattentat auf Seles am Rothenbaum

Der 30. April 1993 verändert die Tennis-Welt. Am Hamburger Rothenbaum wird Monica Seles von einem psychisch gestörten Mann niedergestochen. Sie hat noch Glück im Unglück. mehr

Schietwetter? - Macht nichts!

Geschichte schrieb 1997 eine technische Neuerung, die seitdem den Wetterunbilden im oft kühlen und nassen Norddeutschland Einhalt gebietet: Der "Regenbaum" mit nervenaufreibenden Spielverschiebungen ist zumindest auf dem Center Court Vergangenheit. Eine einzigartige Dachkonstruktion schützt sowohl Spieler als auch Zuschauer vor den nicht seltenen Regenschauern. Allerdings erlebten bei der Premiere des neuen Dachs viele Zuschauer eine nasse Überraschung, als sich ein Wasserschwall über den einen oder anderen ergoss. Inzwischen wurde aber nachgebessert, so dass man den Regenschirm getrost zu Hause lassen kann.

Becker als Chairman

Bild vergrößern
Von 2002 bis 2005 Chairman des Turniers: die deutsche Tennis-Ikone Boris Becker.

Ab 1999 zählte das Herrenturnier zu den neun Austragungsorten der Tennis Masters Series der ATP. Das garantierte ein hochklassiges Teilnehmerfeld. Dennoch drohte die größte Investition in der Geschichte des Deutschen Tennis Bundes zum Flop zu werden: Die Zukunft des Turniers stand auf dem Spiel, das Konzept des Herren-Masters stand unter großem finanziellen Druck. Ein neues Konzept mit einem attraktiven Rahmenprogramm sollte im Jahr 2003 die Finanzierung garantieren. Dazu gehörte ein Daviscup-Rematch zwischen Deutschland und den USA, das im Folgejahr gegen Österreich eine Fortsetzung fand und in dem Boris Becker wie zu seinen besten Zeiten die Massen mobilisierte. Die deutsche Tennis-Ikone agierte jedoch nicht nur als Spieler, sondern vor allem als Chairman. Sein Ziel: das Turnier so aufzubauen, dass es sich wieder für alle Beteiligten finanziell lohnte. Nach drei Jahren als Chairman kündigte Becker, der das Turnier während seiner Zeit als aktiver Spieler nie gewinnen konnte, im Dezember 2005 seinen Rücktritt in dieser Funktion an. Der dreimalige Wimbledon-Sieger begründete seinen Rückzug mit der erfolgreichen Rettung des Traditionsturniers.

Katarer steigen ein

Hintergrund war der Einstieg des katarischen Tennisverbandes am Rothenbaum. Die Kataris hielten 49,8 Prozent der neu gegründeten Rothenbaum Sport GmbH, die das Turnier durchführte. 50,2 Prozent gehörten dem DTB. Verluste und Gewinne aus der Veranstaltung wurden gemäß den Anteilen unter den Partnern aufgeteilt. An der ATP-Lizenz zur Durchführung des Turniers beteiligten sich die Kataris mit 25 Prozent. Sie zahlten dafür 3,5 Millionen Euro und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Sanierung der DTB-Finanzen. Gleichzeitig erwarben sie ein Vorkaufsrecht, falls die Traditionsveranstaltung auf Grund finanzieller Probleme doch einmal veräußert werden muss. "Für uns ist die Beteiligung der Kataris ein großer Schritt vorwärts. Wir können jetzt sagen, dass die Zukunft des Turniers für die kommenden Jahre absolut sicher ist", sagte DTB-Präsident Georg von Waldenfels zu dem zeitlich nicht limitierten Engagement des katarischen Verbandes.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.07.2016 | 19:30 Uhr