Stand: 17.05.2015 17:19 Uhr

Glienewinkel Sensationssieger im Spring-Derby

Ein Amateurreiter hat den Profis die Show gestohlen und völlig überraschend das 86. Spring-Derby in Hamburg-Klein Flottbek gewonnen. Christian Glienewinkel aus Nienburg gelang am Sonntag im Sattel von Professional Aircare der einzige Nullfehlerritt der 31 Starter. Zweiter wurde der dreimalige Derby-Sieger Andre Thieme (Plau am See) mit Quonschbob vor dem Timmendorfer Andre Plath mit Cosmic Blue. Beide leisteten sich jeweils einen Abwurf.

"Vom Siegen nicht geträumt"

"Das ist unglaublich. Ich kann es nicht fassen. Mein Pferd hat einfach fantastisch mitgekämpft, es war super drauf", lobte Glienewinkel, der als Altenpfleger arbeitet, seinen 14-jährigen Wallach: "Das ist ein superschönes Turnier, vom Siegen habe ich aber noch gar nicht geträumt." Glienewinkel hatte 2011 sein Derby-Debüt gegeben und war 2013 und 2014 mit "Ernie", wie er den Wallach nennt, Neunter und Achter. Das Pferd hat er selbst ausgebildet: "Niemand hat an ihn reell geglaubt, weil er nicht so schön springt."

Lüneburgs Calle Cool verweigert

Vor 22.000 Zuschauern gelang Glienewinkel zwei Tage nach seinem 30. Geburtstag der erst 151. Nullfehlerritt in der 95-jährigen Geschichte des Klassikers. Teilweise auch behindert von heftigen Regenfällen hatten ehemalige Derby-Sieger wie Gilbert Tillmann (Grevenbroich) und Titelverteidiger Nisse Lüneburg (Hetlingen) diesmal mit der Entscheidung in der mit 120.000 Euro dotierten Prüfung nichts zu tun. Lüneburgs Pferd Calle Cool, das nun in die verdiente Rente geht, verweigerte zweimal am Großen Wall und wurde dennoch vom Publikum mit viel Beifall verabschiedet. "Trotz seines Alters von 18 Jahren war Calle Cool heute irgendwie beeindruckt von der Umgebung. Vielleicht hat ihn auch das Klicken einer Kamera gestört", sagte der Sieger von 2012 und 2014.

Ergebnisse

Deutsches Spring-Derby
1. Christian Glienewinkel (Nienburg) mit Professional Aircare - 0 Fehler/176,88 Sek.
2. Andre Thieme (Plau am See) mit Quonschbob - 4/162,60
3. Andre Plath (Timmendorf) mit Cosmic Blue - 4/163,24
4. Janne Friederike Meyer (Hamburg) mit Anna - 4/171,94
5. Carsten-Otto Nagel (Wedel) mit Lex Lugar - 4/180,20
6. Peter Rathjen (Breitenburg) mit La Emotion - 8/174,00
7. Gilbert Tillmann (Grevenbroich) mit Hadjib - 8/175,31
8. Dirk Ahlmann (Marl) mit Carosso - 8/176,12
9. Michael Duffy (Irland) mit Wilton John - 8/177,73
10. David McPherson (Großbritannien) mit Gloria - 8/177,99

Balkenhol in der Dressur vorn

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Jubel bei Anabel Balkenhol.

Im Dressur-Derby gewann Anabel Balkenhol 20 Jahre nach dem letzten Derbysieg ihres Trainers und Vaters Klaus erstmals das Blaue Band. Die 43-Jährige aus Rosendahl, die schon in der Qualifikation am Donnerstag vorn gelegen hatte, setzte sich in einem reinen Amazonen-Finale mit insgesamt 72,549 Prozentpunkten vor der Spanierin Morgan Barbancon Mestre (71,569) sowie Inessa Merkulowa (Russland/69,275) durch.

Bei ihrem ersten Triumph in der Hansestadt profitierte Balkenhol, die 2011 und 2013 Zweite geworden war, vom bei der Derby-Entscheidung üblichen Pferdewechsel. Ihre beiden Konkurrentinnen kamen mit ihrem Pferd Rockefellers Cinderella nur mäßig zurecht. Merkulowa hingegen, die am Vortag die Grand Prix Kür für sich entschieden hatte, stellte mit Mister X das beste Pferd, auch ihre Rivalinnen erzielten mit dem elfjährigen Wallach gute Ergebnisse.

Der Pferdewechsel

Die drei Finalisten stellen sowohl ihr Pferd als auch die Pferde der Konkurrenten in einer Dressurprüfung der Klasse S vor. Die Ergebnisse der drei Runden werden addiert. Bis 2011 war das Dressur-Derby national ausgeschrieben, jetzt ermöglicht eine Sondergenehmigung des Weltverbandes eine internationale Ausschreibung als - zur Schonung der Pferde - verkürzter Grand Prix mit Pferdewechsel.

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