Stand: 14.03.2016 09:30 Uhr

"Kupfergirls": Viele Tränen, kaum noch Hoffnung

Bild vergrößern
Mittelblockerin Nina Braack (M.) hofft, dass der VT Hamburg doch noch Geldgeber findet.

Da stand Nina Braack nun. Abgekämpft und traurig. In der linken Hand hielt die Mittelblockerin des Volleyball-Bundesligisten VT Hamburg eine rote Rose, in der rechten ein Mikrofon. Der 22-Jährigen fiel nach der zweiten Begegnung der Viertelfinal-Qualifikation gegen den Köpenicker SC (1:3) die Aufgabe zu, im Namen des Teams zu den treuen Fans zu sprechen. "Wir wollten alle noch einmal danke sagen. Jeder hat irgendwie Tränen in den Augen. Es war eine Wahnsinns-Saison", sagte Braack. Einige ihrer Mannschaftskameradinnen weinten bereits nach ihren ersten Worten. Nicht, weil für sie durch die zweite Niederlage gegen die Berlinerinnen das Meisterschafts-Aus besiegelt war. Den Hanseatinnen wurde in diesem Moment so richtig bewusst, dass es sehr wahrscheinlich ihr letztes gemeinsames Spiel war. Und dass sie soeben im übertragenen Sinne den VT Hamburg zu Grabe getragen hatten. Der Club, der seit 1997 Mitglied in Deutschlands Beletage ist, muss sich aller Voraussicht nach aus finanziellen Gründen aus dem Profisport zurückziehen.

Präsident Stuhrmann skeptisch

"Nach heutigem Stand war das der letzten Auftritt. Uns fehlen noch zirka 400.000 Euro. Es stehen noch ein, zwei Gespräche aus. Aber der Stand ist einfach der, dass wir vermutlich nicht weitermachen", erklärte Präsident Volker Stuhrmann NDR 90,3. Ihm, dem gleichberechtigten Vorstandschef Horst Lüders sowie Manager Christian Beutler ist es bis jetzt nicht gelungen, genügend zahlungskräftige Sponsoren für das Projekt VT Hamburg zu begeistern. Der langjährige Namensgeber und Hauptsponsor, ein Kupferproduzent, hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, sich nach der Saison 2015/2016 zurückzuziehen. Und so droht nach den HSV-Handballern nun ein weiterer Hamburger Erstligist von der Bühne zu verschwinden.

Sportstaatsrat Holstein kritisiert Management

Gemein haben beide Clubs, dass sie sich in die Abhängigkeit von einer Person (HSV/Andreas Rudolph) beziehungsweise Firma begeben haben. Einen Plan B hatte weder der Handball-Meister von 2011 noch der Volleyballverein. Am Ende hofften beide verzweifelt auf ein Wunder oder die Hilfe der selbsternannten Sportstadt Hamburg. Doch statt Bares gab's vom Senat für den VT am Samstagabend nach dem Duell mit Köpenick nur einen guten Ratschlag. "Das mit dem sportlichen Erfolg die wirtschaftliche, die Organisationskompetenz nicht abgehängt wird, das ist eine Sache, die man generell, nicht nur im Sport, im ganzen Leben, berücksichtigen sollte", erklärte Sportstaatsrat Christoph Holstein. Der etwas kryptische Satz war nichts anderes als ziemlich harsche Kritik an den handelnden Personen des Volleyball-Erstligisten. In Anbetracht des zweijährigen Vorlaufs, den der nun ausscheidende Geldgeber den Verantwortlichen gewährte, dürfte im Management tatsächlich nicht alles ideal gelaufen sein.

Kampf gegen die Uhr

Ein kleines Fünkchen Hoffnung auf den Bundesliga-Verbleib oder zumindest einen Start in Liga zwei gibt es jedoch noch. So soll der Unternehmer und Stifter Alexander Otto bereit sein, dem VT zu helfen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass weitere Firmen oder Gönner den Verein ebenfalls unterstützen. Viel Zeit, den anvisierten Etat von 600.000 Euro zusammenzubekommen, hat der Pokalfinalist von 2002 und 2008 nicht mehr. In knapp drei Wochen müsste er die Lizenzunterlagen für die neue Serie einreichen. Geschieht nicht noch ein "Wunder von der Süderelbe", wird Braacks Wunsch nicht in Erfüllung gehen. "Ich hoffe, dass wir uns auf jeden Fall nächste Saison hier wiedersehen. Danke schön", schloss die Mittelblockerin am Samstagabend ihre Ansprache ans Publikum. Dafür erhielt die 22-Jährige donnernden Applaus. Es war vermutlich der allerletzte Beifall für die "Kupfergirls".

Der Kader des VT Hamburg

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/mehr_sport/VT-Hamburg-Volleyball,vthamburg104.html

VT Hamburg hofft noch auf ein Wunder

Hamburg droht erneut der Verlust eines Profi-Sportteams. Wenige Wochen nach dem Ende für Handball-Erstligist HSV Hamburg steht auch Volleyball-Bundesligist VT Hamburg vor dem finanziellen Aus. (Vom 08.02.2016) mehr