Stand: 07.06.2017 09:27 Uhr

Spitzensportreform: Unruhe bei Leichtathleten

von Hendrik Maaßen, NDR Hörfunk

Mit der Zustimmung zur Leistungssportreform haben die Sportverbände gewissermaßen die Katze im Sack gekauft. Und deshalb steigt auf den Trainingsplätzen und -hallen in Deutschland die Nervosität. Werden wir besser oder schlechter versorgt? Für Eike Onnen aus Hannover ist jedenfalls klar: Weiter wie bisher darf es auf keinen Fall laufen. Teil 2 der NDR Info-Serie über die Spitzensportreform.

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Leidtragender der Reform: Hochspringer Eike Onnen.

Wenn gewinnen nicht reicht, dann verstehen selbst die Athleten ihren eigenen Hochleistungssport nicht mehr. Eike Onnen, Hochspringer aus Hannover, ist aus dem A-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) geflogen, obwohl er bei den Europameisterschaften 2016 Dritter geworden war. Doch beim entscheidenden Wettkampf, den Olympischen Spielen in Rio, schied er in der Qualifikation aus und verlor so seinen Status als A-Kader-Athlet.

Degradierung nach vorzeitigem Aus bei Olympia

"In meinem Fall hat mich das natürlich schon sehr geärgert. Das sind schon hohe finanzielle Einbußen, die man da hat", so Onnen zu seiner Degradierung: "Meiner Meinung nach darf man einen Kader nicht nur auf 20 Leute beschränken, sodass es dann für alle anderen, die dahinter sind, so schwierig wird, an die Spitze überhaupt heranzukommen."

2,30 Meter hat er in diesem Jahr schon übersprungen. Onnen ist gesund, fit und der erste deutsche Hochspringer mit WM-Norm. Doch das hat im vergangenen Jahr nicht gereicht. "Wenn der Maßstab ist, dass man ausgerechnet bei einem Wettkampf eine absolute Top-Leistung bringen muss, damit man in der Förderung ist oder weiterhin drin bleiben kann, dann ist das schon wirklich schwierig. Das gibt einem einen zusätzlichen, enormen Druck, und ist in gewisser Weise auch ungerecht", betont Onnen.

Bundeswehr, Zoll und Polizei als beliebte Arbeitgeber

Siebenkämpferin Carolin Schäfer ist in einer anderen Situation als Onnen. Sie macht sich überhaupt keine Gedanken um ihre finanzielle Zukunft: "Ich bin abgesichert, weil ich bei der Landespolizei in Hessen bin. Ich muss mir um meine Existenz keine Sorgen machen." Wer als Sportler bei der Bundeswehr, dem Zoll oder der Polizei angestellt ist, hat viel mehr Sicherheit. Und Schäfer erwischte den richtigen Wettkampf für ihre Höchstleistung, wurde Fünfte bei den Olympischen Spielen.

"Keine Motivation für den Nachwuchs"

Onnen verpasste das Finale in Rio hingegen ganz knapp. Pech gehabt. Jetzt gibt es nicht nur deutlich weniger Geld im Monat. Auch Trainingslager und andere Kosten muss der  Sportler auf einmal selbst bezahlen. Wenn der deutsche Spitzensport - wie viele befürchten - nun zum Medaillensport wird, würden sich Fälle wie diese häufen. Onnen schlägt in die gleiche Kerbe: "Max Hess zum Beispiel, der ist 20 Jahre alt und Europameister, hat einen deutschen Rekord im Dreisprung aufgestellt. Wenn der dann aus dem A-Kader geschmissen wird, und damit die Förderung eingestellt wird, finde ich, dass dies nicht leistungsfördernd ist. Den betroffenen Sportlern gegenüber auf keinen Fall. Und natürlich ist es auch keine Motivation für Nachwuchssportler."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 05.06.2017 | 18:05 Uhr

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