Stand: 20.07.2015 14:30 Uhr

Coup geglückt: Nadal schlägt am Rothenbaum auf

von Andreas Bellinger, NDR.de

Der Coup ist perfekt - Rafael Nadal schlägt nach sieben Jahren Abstinenz wieder am Rothenbaum auf. Gut gelaunt und tiefenentspannt präsentierte Turnierdirektor Michael Stich am Montag seinen Top-Star für die in einer Woche in Hamburg startende Sandplatzveranstaltung (27. Juli bis 2. August), um den er wochenlang geworben hatte. "Wir freuen uns riesig, dass der beste Sandplatzspieler aller Zeiten bei uns aufschlägt", sagte Stich. 2008 hatte der Mallorquiner, der von 369 Matches auf Asche nur 30 verloren hat, ebenfalls kurzfristig zugesagt und im Finale seinen Dauerrivalen Roger Federer geschlagen. Eine Absage musste Stich aber hinnehmen. Der 37-Jährige Tommy Haas setzt nach seinem wenig erfolgreichen Rasen-Auftritt in Newport auf die Hartplatzsaison in Übersee und gab seinem Heimturnier einen Korb. Stich: "Wir werden es sicher noch hinkriegen, dass er sich irgendwann vernünftig von seinen Hamburger Fans verabschieden kann."

Nadal: Der Sandplatzkönig von Mallorca

Mühsame Rückkehr in die Weltspitze mit Hindernissen

Die Freude über die Nadal-Zusage aber überwog: "Wir haben es geschafft", freute sich der Turnierchef über das "Ja" des Spaniers, der sich nach langer Verletzungspause mühsam zurück an die Spitze der Weltrangliste kämpft. Nur Platz zehn belegt der einstige Branchenführer momentan, der 141 Wochen die Nummer eins war, und selbst bei seinem Parade-Grand-Slam in Roland Garros, das er neun Mal gewonnen hat, musste sich der 29-Jährige als Titelverteidiger im Viertelfinale gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic geschlagen geben. Noch enttäuschender verlief das Rasenturnier in Wimbledon. In der zweiten Runde schied Nadal gegen Dustin Brown aus Winsen/Aller sang- und klanglos aus. Wie es heißt, ließ der Linkshänder den Tennisschläger danach in der Ecke liegen und begann erst vor wenigen Tagen wieder mit dem Training. Auf Asche, daheim auf Mallorca.

Wildcard für Lokalmatador Alexander Zverev

Auf eine Revanche gegen Brown muss Nadal bei dem mit 1,26 Millionen Euro dotierten Turnier am Rothenbaum allerdings verzichten. Der "Rasta-Mann" konnte sich als Weltranglisten-80. nicht für das Hauptfeld qualifizieren und für die am Samstag beginnende Quali hat der 30-Jährige erst gar nicht gemeldet. Auch als Kandidat für eine Wildcard fiel Brown durch. Die bekamen neben Nadal unter anderem Vorjahres-Halbfinalist und Lokalmatador Alexander Zverev sowie Florian Mayer, die neben Philipp Kohlschreiber die einzigen Deutschen im Feld der 32 Spieler sind, und ein junger Spanier namens Jaume Munar. Dass der 18-Jährige aus Barcelona, der aktuell nur die Nummer 683 in der Weltrangliste ist, spielen darf, hat der 14-malige Grand-Slam-Sieger Nadal zur Bedingung gemacht. Ob seine Antrittsgage von geschätzten 500.000 Euro dadurch gesunken ist, ließ Stich unbeantwortet: "Kein Kommentar."

"Es gibt natürlich ein gewisses finanzielles Risiko"

Nur soviel ließ sich Stich zum finanziellen Kraftakt der Nadal-Verpflichtung entlocken: "Es gibt natürlich ein gewisses finanzielles Risiko, aber ich denke, wir wuppen das. Spieler wie Nadal sind ja immer auch Zuschauermagneten. Es ist doch eine grandiose Chance für alle Tennisfans, Rafael noch einmal hautnah spielen zu sehen." Es sei für beide Seiten ein guter Deal geworden, der durch das frühe Ausscheiden Nadals in Wimbledon erst realistisch geworden ist. Während Spieler wie Haas und auch Wimbledonfinalist Federer kein Interesse mehr an Spielen auf rotem Sand haben, will sich Nadal auf seinem besten Belag auf die Ende August startenden US Open vorbereiten. Und Punkte will er sammeln, um bei der ATP-WM der besten acht Spieler der Saison im November dabei sein zu können.

Stich gegen Ivanisevic im Duell der Wimbledonsieger

Als weiteren Topspieler hat Stich Nadals Landsmann David Ferrer an den Rothenbaum geholt: "Er gehört seit 2010 kontinuierlich zu den Top 10, ist der wohl fitteste Spieler auf der Tour." Während Vorjahressieger Leonardo Mayer aus Argentinien fehlt, haben sich vier frühere Champions angesagt: Gilles Simon (Frankreich/2011), Tommy Robredo (Spanien/2006), Fabio Fognini (Italien/2013) und Juan Monaco (Argentinien/2012). Dagegen gab es für die Lokalmatadoren Mischa Zverev, Tobias Kamke und Julian Reister nach den zuletzt gezeigten Leistungen nicht einmal die Chance auf eine Wildcard. Für das erste Spektakel will am Sonntag der Turnierdirektor höchstpersönlich sorgen. Im Duell der Wimbledonsieger trifft Stich auf dem roten Sand auf Goran Ivanisevic. "Ich hoffe, ich kann mithalten", sagte Stich und erklärte: "Als Trainer von Marin Cilic steht Goran jeden Tag auf dem Court. Ich nicht."

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