Stand: 15.06.2014 15:03 Uhr

Luhmühlen trauert um verunglückten Reiter

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Fassungslos: Kollegen, Freunde und Offizielle bei der Trauerfeier.

Reiterkollegen, Angehörige, Freunde und Zuschauer haben am Sonntag beim Turnier der Vielseitigkeitsreiter in Luhmühlen mit einer kleinen Trauerfeier Abschied von Benjamin Winter genommen. Der 25-jährige Dortmunder war am Vortag beim Geländeritt mit seinem zehn Jahre alten Wallach Ispo gestürzt und im Unfallkrankenhaus Boberg bei Hamburg seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. "Dieser furchtbare Unfall hinterlässt uns fassungslos. Ben war so hoffnungsvoll und hat uns so viel Freude bereitet. Er war ein Mensch mit einer unglaublich positiven Lebenseinstellung", sagte Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Während der Zeremonie wehten die Flaggen rund um den Turnierplatz auf Halbmast, ein Foto von Winter erschien auf der Videowand. "Es ist noch nicht bei mir angekommen", meinte der sichtlich erschütterte Bundestrainer Hans Melzer.

Verzicht auf Vergabe des deutschen Meistertitels

Zuvor hatten die Reiter auf einer Versammlung beschlossen, den Wettkampf ungeachtet der tödlichen Tragödie fortzusetzen. Sie entsprachen damit dem Wunsch der Mutter des Verstorbenen. Dies sei im Sinne ihres Sohnes, hatte Sybille Winter unterstrichen: "Ben hat für die Pferde und den Vielseitigkeitssport gelebt. Seine größte Sorge wäre vielmehr, dass sein Unfall dazu führen könnte, dass sein Sport in der Öffentlichkeit schlecht geredet wird. Bitte respektieren Sie diesen Wunsch meines Sohnes." Auf die Siegerehrungen mit Hymnen und auch auf die Vergabe des deutschen Meistertitels wurde verzichtet. Team-Olympiasiegerin Sandra Auffarth (Ganderkesee), Julia Krajewski (Warendorf) und Dirk Schrade (Sprockhövel) traten von ihren Starts in der Drei-Sterne-Prüfung zurück, die ursprünglich zur deutschen Meisterschaft zählte. Das Trio kannte Winter aus der Perspektivgruppe Vielseitigkeit am Bundesstützpunkt Warendorf und war mit ihm eng befreundet.

Riesentalent aus einer Pferdesport-Familie

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Benjamin Winter galt als Reiter der Zukunft.

Winter, der sich nach dem Abitur ganz der Reiterei gewidmet hatte, stammte aus einer Pferdesport-Familie. Seine Mutter ist Dressur-Ausbilderin, seine beiden Geschwister sind im Sport aktiv. Alle drei waren mit nach Luhmühlen gereist. Der ausgebildete Pferdewirt galt als Riesentalent, 2008 gewann er in seiner Altersklasse EM-Bronze und sowohl 2009 als auch 2010 EM-Silber mit dem Team. Winter gehörte zum Championats-Kader des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR), ritt bei der EM 2011 und 2013 und war auch ein Kandidat für die Weltreiterspiele im August/September in der Normandie.

"Definitiv nicht überfordert"

Mit seinem erfahreneren Pferd Wild Thing hatte der Sportsoldat am Sonnabend noch kurze Zeit vor dem Unglück den anspruchsvollen 6.500-Meter-Kurs in Luhmühlen ohne Fehler gemeistert. Umso schwerer konnten Beobachter, Freunde, Familie und Trainer verstehen, wie es mit Ispo, der unversehrt blieb, zu dem Unglück am eher leichten Hindernis 20 kommen konnte. "Alles, was er da gemacht hat, bleibt unklar. Das war nicht seine Art zu reiten", sagte Melzer. Pferd und Reiter seien jedoch "definitiv nicht überfordert" gewesen.

Schwere Stürze im Gelände

Beim Geländeritt der Vier-Sterne-Prüfung hatte es indes mehrere Stürze gegeben. Die nach der Dressur führende Australierin Lucinda Fredericks kam mit Prellungen davon, die Britin Georgie Spence erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Der 15 Jahre alte Fuchswallach Liberal des Briten Tom Crisp brach auf offener Strecke tot zusammen. "Allem Anschein nach handelt es sich um einen Riss der Aorta. Pferde haben dort eine Schwachstelle, solche Unfälle passieren immer wieder, sogar im Stall", sagte Turnierarzt Olaf Neuberg. Liberal wird in der kommenden Woche noch einmal eingehend untersucht. "Die Bedingungen waren gut. Viele Reiter haben vorher gesagt, dass der Kurs leichter ist als im vergangenen Jahr. Aber sechs gestürzte Reiter und zwei gestürzte Pferde sind sehr viel", sagte Parcourschef Mark Phillips. Vor einem Jahr war Petite Bombe, das Pferd des Franzosen Emeric George, an einem Hindernis gestürzt und hatte dabei so schwere Verletzungen erlitten, dass es kurze Zeit später in einer Tierklinik eingeschläfert werden musste.

Doppel-Olympiasieger Jung Zweiter

Doppel-Olympiasieger Michael Jung (Horb), der im abschließenden Springen einen Abwurf verzeichnete, belegte bei der Vier-Sterne-Prüfung mit Rocana den zweiten Platz. Es siegte der Neuseeländer Tim Price mit Wesko, Rang drei ging an Boyd Martin (USA) mit Shamwari.

Endstand Vier-Sterne-Prüfung

1. Tim Price (Neuseeland) mit Wesko 43,8 Punkte
2. Michael Jung (Horb) mit Rocana 45,5
3. Boyd Martin (USA) mit Shamwari 48,8
4. Oliver Townend (Großbritannien) mit Black Tie 49,0
5. Elaine Pen (Niederlande) mit Vira 52,0
6. Andreas Ostholt (Warendorf) mit So is Et 54,5
7. Phillip Dutton (USA) mit Mighty Nice 58,0
8. Bettina Hoy (Altenrheine) mit Designer 59,5
9. Bill Levett (Australien) mit Improvise 60,7
10. Lara de Liederkerke (Belgien) mit Quella 62,2
...18. Anna Warnecke (Osnabrück) mit Twinkle Bee 77,4
...28. Ingrid Klimke (Münster) mit Hale Bob 104,0