Stand: 31.01.2016 11:48 Uhr

Kerber auch im Feiern unschlagbar

Die Nacht ist kurz gewesen für Angelique Kerber - nach ihrem Triumph bei den Australian Open machte Deutschlands neue Tenniskönigin kein Auge zu. Erst um drei Uhr in der Früh waren die 28-Jährige und ihr kleines Team nach zahlreichen Presseterminen und der Dopingkontrolle ins Hotel in Melbourne zurückgekehrt. Doch dann ging es erst richtig los: Der Kerber-Tross zog in den "Club 161" und machte die Nacht zum Tag. "Ich habe am meisten getanzt - zu Techno- und House-Musik", zeigte Kerber trotz ihrer Müdigkeit ("Ich war noch nie so fertig wie im Moment") viel Ausdauer. Und selbstverständlich löste sie auch ihre Wettschuld ein und sprang in den Yarra River: "Es war kalt, aber es hat sich gelohnt. Das war ein würdiger Abschluss der bislang besten zwei Wochen meines Lebens."

"Die Angie bleibt Angie"

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Mit dem Flieger geht es nun zurück in die Heimat, abheben will die einzige deutsche Grand-Slam-Siegerin außer Steffi Graf aber nicht: "Die Angie bleibt die Angie. Ich will so bleiben, wie ich bin. Keine Ahnung, was auf mich zukommt. Aber ich werde es genießen", sagte Kerber: "Ich glaube schon, dass sich jetzt einiges ändert. Ich bin gespannt, aber ich freue mich darauf. Jetzt kommt noch einmal ein Höhepunkt in meiner Karriere, ein I-Punkt, noch einmal etwas ganz anderes. Ich bin gespannt, wie sich das ändern wird und wie auch die Leute reagieren werden."

Mentaler Wandel

Die 28-Jährige darf zu Recht genießen. Lange galt sie als eine, die in den entscheidenden Momenten ihre Nerven nicht im Griff hat. 2011 wollte sie nach zahlreichen Erstrunden-Niederlagen fast ihre Karriere beenden: "Damals hatte ich keinen Spaß mehr und habe mich ernsthaft gefragt, warum ich mir das alles überhaupt noch antue." Noch bei den WTA-Finals in Singapur im Herbst des vergangenen Jahres scheiterte sie in ihrem letzten Gruppenspiel gegen die Tschechin Lucie Safarova daran, einen Satz zu gewinnen, der zum Einzug ins Halbfinale gereicht hätte. "Danach habe ich mir geschworen, dass ich den Druck nie mehr so über mich siegen lasse", sagte Kerber. Mit Erfolg: In Melbourne stand sie schon im Erstrundenmatch vor dem Aus: Gegen die Japanerin Misaki Doi musste sie nach verlorenem ersten Satz im zweiten sogar einen Matchball abwehren. "Ich war schon mit einem Bein im Flugzeug", erklärte die Kielerin. Nun sitzt sie mit beiden Beinen drin - hat aber auch noch einen schönen großen Sieger-Pokal dabei.

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