Stand: 14.11.2014 09:10 Uhr

Hamburgs Olympia-Pläne brauchen Sicherheit

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Bei den Spielen 2012 in London waren die Sicherheitskräfte allgegenwärtig.

Wer Olympia will, lebt auch mit der Angst. Mit der Angst vor Terror und Gewalt. Denn unbeschwerte Olympische Spiele gibt es seit dem Anschlag von München '72 nicht mehr. Das Gesicht Olympias hat sich verändert, der Sicherheitsaufwand mehr und mehr erhöht. Längst gleicht die olympische Spielwiese einem Hochsicherheitstrakt, in dem nichts unbemerkt bleiben darf und niemand Zutritt bekommt, der nicht eingehend durchleuchtet worden ist. Vielerorts hat das von Pierre de Coubertin vor mehr als 100 Jahren erdachte Treffen für die Jugend der Welt sogar eine "militärische Komponente bekommen", wie es vor London 2012 der damalige Verteidigungsminister und heutige britische Außenminister Philip Hammond ausdrückte.

Konzepte noch ohne Sicherheitsaspekt

Sicherheit ist das oberste Gebot. Und dennoch fehlt in dem jüngst auch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gelobten Konzept der Hansestadt Hamburg jeder Hinweis auf dieses Thema - in den Plänen des Konkurrenten Berlin übrigens auch. Warum eigentlich? Soll den Bürgern der Traum von Olympia nicht vermiest werden, noch ehe sie ihr Votum pro oder contra abgegeben haben? Oder ist es ganz einfach noch viel zu früh, sich Gedanken über die notwendigen Maßnahmen zu machen - und die Bürger über die möglichen Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit zu informieren?

"Das war bislang vom DOSB nicht abgefragt"

"Soweit sind wir noch gar nicht", heißt es in der zuständigen Innenbehörde von Sportsenator Michael Neumann (SPD). "Das war bislang noch kein Thema und vom DOSB auch nicht abgefragt", betont Sprecherin Swantje Glismann. Tatsächlich wollte der Sportdachverband, der den nationalen Bewerber für die Spiele 2024 oder 2028 nun doch erst im Frühjahr des kommenden Jahres auswählt, in seinem ersten Fragenkatalog dazu nichts wissen. "Zu gegebenem Zeitpunkt wird es natürlich ein Konzept zur Sicherheit geben", sagt DOSB-Sprecher Christian Klaue. "Aber das ist nicht der erste Punkt, sondern wird einer der weiteren Punkte sein."

Durchs Olympische Dorf schlendern? Unmöglich!

Den Bürgern freilich sollte klar sein, dass ein effektives Sicherheitsprogramm mehr ist als eine Kröte, die sie einfach nur zu schlucken haben. Denn so prächtig, wie es die Pläne verheißen, wird auch die Olympic City letztlich nicht aussehen. Wer meint, beispielsweise auf dem Weg zum Olympiastadion durch das Olympische Dorf schlendern zu können und dort vielleicht einen Olympiasieger zu treffen, sollte sich von diesem Gedanken schleunigst verabschieden. Das war noch nie so. Warum also erwecken die Entwürfe im Hamburger Konzept diesen Eindruck?