Stand: 05.07.2017 16:00 Uhr

Dunkle Wolken über dem Deutschen Galopp-Derby

Kaum eine Sportveranstaltung in Deutschland hat eine derart große Tradition wie das Deutsche Galopp-Derby. Bereits zum 148. Mal wurde am vergangenen Sonntag der Sieger im Rennen um das Blaue Band gekürt. Doch der Galopp-Rennsport in Deutschland steckt in einer Krise, die auch die Ausrichter in Hamburg-Horn zu spüren bekommen. Lediglich gut 260.000 Euro betrug der Wettumsatz - so wenig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Eine Enttäuschung war auch der Zuschauerzuspruch: Nur 12.500 Zuschauer kamen zum Rennen um das Blaue Band, dem Höhepunkt der fünftägigen Veranstaltung. In den 1980er und 1990er Jahren waren 50.000 Zuschauer die Regel.

Das Derby 2017 in Bildern

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Nun waren in diesem Jahr die Rahmenbedingungen in Hamburg alles andere als gut. Aufgrund des G20-Gipfels musste die Veranstaltung auf fünf Tage komprimiert werden, das schlechte Wetter tat sein übriges. Trotzdem sind die goldenen Zeiten wohl unwiderruflich vorbei. "Vor der Einführung der Online-Wetten haben wir am Totalisator gut 100 Millionen Euro im Jahr eingenommen. Letztes Jahr waren es nur noch 26,5 Millionen", sagte Jan Antony Vogel, der Geschäftsführer vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V. Nur wenn der Wett-Anbieter seinen Hauptsitz in Deutschland hat, wird der Galopprennsport an den Einnahmen beteiligt. Das trifft jedoch auf die wenigsten Anbieter zu. Meist geht der Pferdesport leer aus. "Wir machen das Produkt, und andere profitieren davon", klagte Erfolgstrainer Peter Schiergen.

Darboven mahnt: Bald kein Derby mehr

Während in England, Frankreich oder Japan viel Geld zurück in den Pferdesport flössen, wie Vogel betont, sei der Rennsport in Deutschland vielfach auf reiche Privatpersonen angewiesen. In Hamburg ist Albert Darboven der wichtigste Förderer. Würde der 81-Jährige mit seinem Kaffee-Unternehmen nicht immer wieder als Sponsor einspringen, würde es in Hamburg vielleicht kein Galopprennen mehr geben. "Ich wünschte, es würden sich mehr Hamburger mit etwas Geld einbringen. Ansonsten haben wir hier bald kein Deutsches Derby mehr", mahnte Darboven.

Dieses Thema im Programm:

Sportreport | 04.07.2017 | 21:25 Uhr

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