Stand: 25.08.2017 18:47 Uhr

Bach macht Bogen um Box-WM in Hamburg

IOC-Präsident Thomas Bach kommt nicht nach Hamburg zur Amateur-Box-WM.

Die Weltmeisterschaft der Amateur-Boxer in Hamburg hat gerade erst begonnen, da haben die Organisatoren den ersten Nackenschlag zu verkraften. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wird anders als angekündigt am 2. September nicht in die Hansestadt kommen und einem Weltmeister die Goldmedaille überreichen. Die Erklärung für die Absage ist durchaus bemerkenswert. Auf NDR Anfrage teilte das IOC mit: "Die Umstände, mit denen die AIBA derzeit konfrontiert ist, sind nicht das richtige Umfeld für einen Besuch des IOC-Präsidenten. Ein solcher Besuch könnte von beiden Seiten als eine Erklärung der Unterstützung interpretiert werden." Hintergrund ist ein Finanzskandal, der den Amateurbox-Weltverband AIBA derzeit erschüttert.

Rund 25 Millionen Euro Schulden

AIBA-Präsident Wu Ching-Kuo hatte die Bombe auf der jüngsten Exekutiv-Sitzung des Verbandes am 24. Juli in Moskau platzen lassen. Rund 25 Millionen Euro Schulden soll die AIBA angehäuft haben. "Wenn die Gläubiger ihr Geld bei Gericht einfordern, sind wir pleite", sagt Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). Und der K.o. scheint näher zu rücken. Die Firma Bankons MMC, ein Großhandelsunternehmen aus Aserbaidschan, fordert 8,5 Millionen Euro. Der chinesische Investor Wu Di bekommt noch 15 Millionen Euro. Der Weltverband hatte in einer Stellungnahme seinem früheren Exekutivdirektor Kim Ho (Südkorea) finanzielles Missmanagement vorgeworfen.

"Es gibt den Verdacht, dass sich der ein oder andere bereichert hat"

"Viel Geld wurde verbrannt", sagt Kyas, "es gibt den Verdacht, dass sich der ein oder andere bereichert hat." Wu, der unter Bach den Sprung in die IOC-Exekutive schaffte, soll es nicht sein. Doch der Taiwanese steht spätestens seit dem Treffen in Moskau am Pranger. Statt die Schulden-Misere zu erklären, beschimpfte der 70-Jährige auf dem Kongress die Delegierten. "Das hat mich sehr erschreckt. Meine Unterstützung hat er nicht mehr", erklärt Kyas, Mitglied der mächtigen AIBA-Exekutive.

Machtkampf in der AIBA tobt

Auch bei der bevorstehenden Änderung des Olympia-Programms erwies sich Wu, seit 1988 Mitglied der IOC-Exekutive und seit 2006 AIBA-Präsident, als wenig kollegial. Da laut IOC die Frauenquote gesteigert werden soll und zwei Gewichtsklassen der Männer wegfallen, strich der 70-Jährige kurzerhand die zwei kleinsten Klassen. "Das hat er nicht mit uns abgestimmt", sagt Kyas. Noch in Moskau kündigten 13 von 15 Exekutivmitgliedern Wu die Gefolgschaft und gründeten einen Interims-Vorstand. 81 Länder sollen dem so genannten Interim Management Committee (IMC) folgen. Der Machtkampf ist in vollem Gange. Die Büroräume der AIBA in Lausanne wurden zwischendurch geschlossen. Ein Gericht in Lausanne wird entscheiden, wie es weitergeht - nach der WM in Hamburg, die ohne IOC-Präsident Bach und Wu über die Bühne gehen wird. Der AIBA-Präsident verließ die norddeutsche Metropole bereits während der ersten WM-Vorkämpfe am Freitag.

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