Stand: 23.06.2017 09:25 Uhr

Talent Hartenstein: Per Umweg in die NBA

von Christian Jess, NDR.de
Der in Norddeutschland aufgewachsene Isaiah Hartenstein steht vor einer Karriere in der NBA.

Manchmal führt eine Umleitung am zuverlässigsten zum Ziel. Genau davon war Isaiah Hartenstein überzeugt, als er sich vor mehr als einem Jahr zusammen mit seinem Vater für einen ungewöhnlichen Ausbildungsweg entschied: Der 19-Jährige, der als eines der größten Basketball-Talente Europas gilt, wechselte von den Artland Dragons im niedersächsischen Quakenbrück nach Litauen zu Zalgiris Kaunas. Aller Voraussicht nach nur eine Zwischenstation. Denn das 2,14 Meter große Kraftpaket könnte in der kommenden Saison in der nordamerikanischen Profiliga NBA spielen. Beim "Draft" - der jährlichen Talentauswahl - sicherten sich die Houston Rockets die Rechte an Hartenstein, der als 43. Spieler ausgewählt wurde. "Ich freue mich, in ein Team zu kommen, das bereits erfolgreich ist", sagte Hartenstein. Ob er tatsächlich einen Vertrag beim zweimaligen Meister erhält, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Das Riesentalent will lernen – und zwar möglichst viel

Aber warum der Weg übers Baltikum? "Wir haben eine Für-und-Wider-Liste gemacht mit allen Optionen", erzählt Hartenstein vom Entscheidungsprozess. Und Optionen gab es reichlich: Barcelona, Bamberg, italienische Clubs, dazu fast sämtliche Colleges in den USA - sie alle hätten das Riesentalent liebend gerne in ihren Reihen gehabt. Doch Hartenstein wollte lernen. Und zwar möglichst viel. Dafür verzichtete er auch auf einen besser dotierten Vertrag. "Ich habe bei Zalgiris das meiste Vertrauen gespürt und gewusst, dass ich dort extrem viel Erfahrung sammeln kann", sagt der Jungerwachsene, der fast ein wenig schüchtern und doch sehr fokussiert wirkt. Ein mutiger, aber durchaus logischer Schritt. Denn während für Laien Zalgiris Kaunas nach Provinz klingt, wissen Kenner um die hervorragende Nachwuchsförderung beim Traditionsclub aus dem basketballverrückten Land.

"Mein Vater hat mir nie etwas vorgeschrieben"

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Florian Hartenstein spielte für Gießen und die Artland Dragons in der Basketball-Bundesliga.

Isaiahs Vater Florian Hartenstein spielte einst selbst in Gießen und bei den Artland Dragons in der Basketball-Bundesliga und ist heute erfolgreicher Coach in Quakenbrück. Auch der 39-Jährige stand und steht voll hinter dem Karriereplan: "Isaiah sollte sich einfach erst mal im Herrenbereich durchsetzen. Er hat noch nichts erreicht." Isaiah betont: "Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen. Mein Vater hat mir nie etwas vorgeschrieben." Er selbst fühlt sich nach eigener Aussage in Kaunas sehr wohl. Das Leben gut 1.000 Kilometer fernab von Niedersachsen beschreibt er als "eine Mischung aus deutsch und osteuropäisch". Er hat 24 Stunden am Tag Zugang zur Trainingshalle, seine Einsatzzeiten steigen kontinuierlich. Während der 2,05 Meter große Hartenstein senior ein rustikaler Abräumer unter den Körben war, ist sein Sprössling eher das Gegenteil: groß, beweglich, ballsicher, stark beim Rebound und mit einem guten Wurf ausgestattet. Genau der Spielertyp, der derzeit in der NBA gefragt ist.

Berufung ins Allstar-Team bei der U18-EM

Für den Linkshänder, der wie Tennisstar Angelique Kerber dennoch alle alltäglichen Dinge mit rechts erledigt, wäre ein Engagement bei einem amerikanischen Profiteam die Rückkehr in das Land, das fast zwölf Jahre seine Heimat war. Er wurde am 5. Mai 1998 in Eugene/Oregon geboren, wo sein Vater am College spielte und seine heutige Ehefrau Theresa kennenlernte. Schon mit zwei Jahren warf der Filius im Wohnzimmer die ersten Körbe, später war er stets bei Training und Spielen des Papas in der Halle. Die Basketball-Karriere war also vorgezeichnet. "Er hatte keine Chance", sagt Vater Florian schmunzelnd. Seit der Jugend - unter anderem mit dem deutschen Meistertitel mit den Dragons - geht es nun stetig bergauf für Isaiah. Zuletzt bewies er im Dezember 2016 sein außergewöhnliches Können bei der U18-Europameisterschaft in der Türkei, als er ins Allstar-Team gewählt wurde. Aber: "Ich hätte diese Auszeichnung liebend gerne gegen eine Medaille eingetauscht", sagt der Power Forward nach einem eher enttäuschenden Platz vier.

Doch die Ziele sind inzwischen andere. Nun gilt Hartensteins Konzentration einer möglichen Karriere in der besten Basketball-Liga der Welt. Nach Angaben von Houstons General Manager Daryl Morey soll das Talent aus Norddeutschland zwar den Sommer mit dem Team verbringen, sich in der kommenden Saison aber erst einmal in Europa weiterentwickeln.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.03.2015 | 23:15 Uhr

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