Stand: 15.01.2016 09:21 Uhr

Australian Open: Kerber & Co. pokern

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Gelingt Angelique Kerber in Melbourne ihr erster Grand-Slam-Erfolg?

Es ist immer wieder ein komisches Gefühl. Diese Vorstartphase am Beginn einer Saison, wenn keiner weiß, ob sich die Mühen im Training gelohnt haben und die neu erdachten Konzepte auch greifen. Für die besten deutschen Tennisprofis um die Norddeutschen Angelique Kerber, Julia Görges und Alexander Zverev ist das nicht anders. Auch sie streben jedes Jahr aufs Neue danach, perfekt aus den Startlöchern zu kommen, um mit gestärktem Selbstbewusstsein bei den am Montag beginnenden Australian Open (18. bis 31. Januar) in Melbourne aufschlagen zu können.

Siege für das Selbstvertrauen

Die Erstrunden-Matches der Norddeutschen

Angelique Kerber (Kiel) - Misaki Doi (Japan)
Julia Görges (Bad Oldesloe) - Andreea Mitu (Rumänien)
Mona Barthel (Neumünster) - Vania King (USA)
Carina Witthöft (Hamburg) - Zheng Saisai (China)
Alexander Zverev (Hamburg) - Andy Murray (Großbritannien)

So gesehen hat die derzeit einzige deutsche Top-Ten-Spielerin, die Kielerin Kerber, alles richtig gemacht. Gleich beim ersten Turnier in Brisbane erreichte sie im Einzel wie im Doppel das Finale. Dass beide Endspiele verloren gingen und es gegen Viktoria Asarenka auch im sechsten Vergleich wieder eine klare Niederlage setzte - wen kümmert’s? Wichtig war der Norddeutschen mit polnischen Wurzeln zu diesem Zeitpunkt vor allem eines: "Ich habe gut gespielt und mir viel Selbstvertrauen für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres geholt."

Kerber hat aus Fehlern gelernt

Und mehr noch. Wie es scheint, hat sie auch aus Fehlern gelernt - und gönnt sich die nötige Ruhe, wenn es angezeigt ist. Als der Magen beim Turnier in Sydney revoltierte, ließ sie ihre Zweitrundenpartie konsequent sausen und schonte sich für das erste Highlight der Saison. Ein bisschen Pokern gehört schließlich zum Geschäft.

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"Start ins neue Jahr ist geglückt"

"Der Start ins neue Jahr ist geglückt", sagte Barbara Rittner. Und dabei dachte die Bundestrainerin im Gespräch mit NDR.de nicht nur an Kerber. Großen Spaß hatte die Fed-Cup-Chefin gleichfalls an Julia Görges, die in ihrem neuen Team mit Coach Michael Geserer sowie Fitness-Trainer und Physiotherapeut Florian Zitzelsberger offenbar neuen Schwung gefunden hat. In Auckland/Neuseeland stürmte die 27-Jährige aus Bad Oldesloe in ihr erstes Endspiel seit fast drei Jahren. "Es ist ein ganz neuer Start und schön zu sehen, dass es sich schon auszahlt", sagte Görges.

Neues Team - neues Glück

Die finale Zweisatz-Niederlage gegen Sloane Stephens aus den USA konnte sie deshalb ganz gut verkraften. "Wir haben hart an meiner Beweglichkeit gearbeitet. Was bei meinem aggressiven Spiel wichtig ist.“ Vielleicht beweist sich schon auf den Hartplätzen am Yarra River, in dem mancher Major-Sieger wie der zweimalige Champion Boris Becker (1991/1996) jubelnd Abkühlung fand, dass das Tal der Tränen durchschritten ist. "Denn", so Rittner, "wie gut Jule Tennis spielen kann, hat sie vor einem Jahr in Melbourne mit dem Achtelfinale im Einzel und dem Halbfinale im Doppel gezeigt."

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Mit Ruhe und Gelassenheit

Etwas bestätigen oder gar Weltranglistenpunkte verteidigen muss Kerber im Melbourne Park erstaunlicherweise nicht. Die gebürtige Bremerin, die am Eröffnungstag der Australian Open ihren 28. Geburtstag feiert, muss höchstens beweisen, dass die Erstrundenpleite des Vorjahres gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu ein blöder Ausrutscher war. "Das Finale in Brisbane hat ihr gezeigt, dass sie richtig trainiert hat", sagte Rittner. "Das gibt Ruhe und Gelassenheit."