Stand: 29.08.2017 21:22 Uhr

Box-WM: Harutyunyan raus - Trainer sieht Fehlurteil

Gold-Hoffnung Artem Harutyunyan ist bei der WM in Hamburg ausgeschieden.

Der Traum vom Weltmeistertitel in der Heimatstadt Hamburg ist für Amateurboxer Artem Harutyunyan geplatzt. Der 27 Jahre alte Olympiadritte von Rio verlor am Dienstag sein WM-Viertelfinale im Halbweltergewicht gegen den Asienmeister Ikboljon Kholdarov aus Usbekistan mit 2:3 Punktrichterstimmen - und beschwerte sich hinterher bitter über den Stil seines Gegners. "Er hat sehr, sehr unsauber geboxt und mich zweimal mit dem Kopf erwischt", sagte Harutyunyan, der in der zweiten Runde vom Ringrichter angezählt worden war: "Ich hatte gedacht, dass ich gewonnen habe." Choldarow waren vom Ringrichter auch zwei Punkte aberkannt worden. Harutyunyan zeigte sich trotz der Niederlage sehr gefasst: "Wir werden das analysieren, und dann geht's weiter."

Timm: "Weiß nicht, was die Punktrichter da gesehen haben"

Anders seine Trainer Arthur Grigorjan und Michael Timm. "Er hat niemals verloren", zürnte der ehemalige Profi-Weltmeister Grigorjan, selbst gebürtiger Usbeke. "Aber ich bin neutral", meinte er. Timm verschwand für einige Minuten nach dem Kampf. Auch das half nicht. Dem Schweriner Bundesstützpunkt-Trainer schossen die Tränen in die Augen. "Das habe ich noch nicht erlebt. Das geht einfach nicht", monierte der frühere Profi-Coach im Hamburger Universum-Stall. "Ich weiß nicht, was die Punktrichter gesehen haben. Artem wollte hier zu Hause Weltmeister werden, das hat man ihm verbaut." Harutyunyan war bei der Heim-WM die größte Titel-Hoffnung des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV).

Gegner Kholdarov aktiver

Tatsache aber war: Der Usbeke war der aktivere Boxer, der mehr Treffer landete. Harutyunyan stürzte sich immer wieder in den Nahkampf, verschanzte sich aber hinter seiner Doppeldeckung. Mehr Schläge kamen von der Gegenseite. Allerdings wurde der Usbeke zweimal verwarnt, was zu Punktabzügen hätte führen müssen. Dass es mit dem Heimvorteil für Harutyunyan dennoch nicht reichte, überraschte die deutsche Mannschaft. Asienmeister Kholdarov schickte Harutyunyan einmal mit der Rechten zu Boden und hatte damit die Punktrichter zumindest in einer Runde klar auf seiner Seite. "Früher hätten wir Protest eingereicht, aber jetzt geht das nicht mehr", schimpfte Timm und ergänzte traurig: "Das tut dem Boxen nicht gut."

Europameister Baraou holt erste deutsche Medaille

Europameister Abass Baraou (Oberhausen) schaffte derweil den Sprung ins Halbfinale und hat damit die erste Medaille für das deutsche Team gewonnen. Der 22 Jahre alte Weltergewichtler behielt in einem spektakulären Viertelfinale gegen Tuvshinbat Byamba (Mongolei) die Oberhand und siegte einstimmig nach Punkten. Damit hat Baraou Bronze sicher.

Auch Ibrahim und El-Hag scheitern

Zuvor hatte der Münsteraner Salah Ibrahim im Halbfliegengewicht gegen den favorisierten Kubaner Joahnys Argigalos keine Chance gehabt und einstimmig nach Punkten verloren. "Meine Beine wurden nach der ersten Runde ganz schlapp, danach hat er mich öfters getroffen", sagte Ibrahim, der vor dem Kampf wenig essen konnte, um das Gewichtslimit von 49 Kilo einzuhalten: "Aber ich will das nicht als Ausrede gelten lassen." Auch Bantamgewichtler Omar El-Hag, Leichtgewichtler Murat Yildirim (beide Berlin) und Halbschwergewichtler Ibrahim Bazuev aus Köln scheiterten im Viertelfinale.

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Sport aktuell | 29.08.2017 | 19:25 Uhr