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Uwe Seeler mit HSV-Fahne © dpa
 

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Willi Holdorf - Ein wahrer König der Athleten

von Andreas Schlebach, NDR Online

Der ehemalige Olympiasieger Willi Holdorf © dpa Detailansicht des Bildes Willi Holdorf - ein sportliches Multitalent. 20. Oktober 1964, Olympiastadion Tokio: Die Entscheidung im Zehnkampf steht an. Willi Holdorf, der junge deutsche Hoffnungsträger, liegt nach neun Disziplinen in Führung. Kann er sie verteidigen gegen den laufstarken Esten Rein Aun? 18 Sekunden Rückstand darf sich der Mann aus Leverkusen erlauben. Sonst ist der Traum vom Gold geplatzt. Holdorfs Aufgabe ist herkulesgleich. Er muss schneller laufen als je zuvor in einem 1.500-m-Lauf im Zehnkampf, 4:35 Minuten etwa. Doch Holdorf ist ein Kämpfer, Willenskraft einer seiner großen Trümpfe. "Holdorf war am Ende seiner Kräfte. Aber er holte aus sich selbst Reserven heraus, die niemand hatte vermuten können [...] Zehn Meter vor dem Ziel begann der Deutsche hin und her zu taumeln", schilderte der französische Journalist Edouard Seidler in der "L'Équipe" jene Sekunden, in denen den Zuschauern der Atem stockte. Kaum im Ziel, bricht Holdorf zusammen. 4:34,3 Minuten zeigen die Stoppuhren. "Willi, wir haben verloren", ruft ihm in Verkennung der Tatsachen Hans-Joachim Walde zu, der die Bronzemedaille gewinnt. Doch Holdorf hat nicht verloren. Ihm gehört Gold. Kraft zum Jubeln hat er da nicht mehr. Aber Rein Aun ist ein fairer Verlierer, er beugt sich nieder und hilft dem Deutschen auf die Beine, gleich zweimal.

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Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf beim Diskuswerfen in Tokio 1964 © picture-alliance/ dpa
 
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Er war Deutschlands erster Olympiasieger im Zehnkampf: der Holsteiner Willi Holdorf aus Blomesche Wildnis. In Tokio feierte er 1964 seinen größten Erfolg. Bilder einer Zehnkampf-Legende.

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Mehrkämpfer und Multi-Talent

"Ich dachte an meinen kleinen Sohn zu Hause. Der sollte später nicht einmal sagen: Mein Vater hätte Olympiasieger werden können, aber er war zu schlapp dazu!" So schilderte Deutschlands erster Zehnkampf-Olympiasieger später dem Fachjournalisten Gustav Schwenk das, was ihm damals durch den Kopf ging. "Wir hatten damals weniger Geld, aber mehr Spaß als heute", sagte Holdorf in der Rückschau. "Die Kameradschaft unter uns Zehnkämpfern war groß." Populär wurde das Nordlicht aber nicht nur seiner Goldmedaille wegen. Was Holdorf besonders auszeichnet ist Vielfältigkeit. Gewiss ist der ehemalige Mehrkämpfer eines der größten Multi-Talente, das der (deutsche) Sport je gesehen hat.

Markenzeichen Willensstärke

Der estnische Sportler Rein Aun und Horst Beyer bemühen sich um den nach dem Zieleinlauf des 1500m-Laufes vor Erschöpfung gestürzten Willi Holdorf © picture-alliance / dpa Detailansicht des Bildes Bis zur totalen Erschöpfung kämpft Holdorf 1964 bei Olympia in Tokio. Viele seiner Karriere-Stationen seien aber Zufall gewesen, erzählt der Mann aus dem holsteinischen Blomesche Wildnis in der Nähe von Glückstadt. Dort wurde Holdorf am 17. Februar 1940 geboren. Er hatte einen Namen, ein Sportlehrer-Diplom und eine Menge Kontakte. Als Bremser im Bob etwa landete er nur, weil er den Piloten gut kannte. Es wurde EM-Silber daraus. Leichtathlet war Holdorf geworden, weil ein Arbeitskollege eine Bezirksmeisterschaft ausrichtete. "Da laufe ich mit", meinte der damals 17-Jährige aus einer Laune heraus. Als Steppke war er zuvor dem Fußball nachgejagt, als Schüler stand er im Handball-Tor. Mit 19 war er deutscher Jugendmeister im Zehnkampf, fünf Jahre später Olympiasieger. Stationen als Leichtathletik-Coach in Leverkusen und Fußball-Trainer beim damaligen Bundesligisten Fortuna Köln folgten. Auch um das deutsche Tennis machte Holdorf sich verdient: Für das Davis-Cup-Team arbeitete er als Konditionstrainer. Was er auch machte: Er ging es mit Willenskraft, Kampfgeist und Disziplin an. "Vom Naturell her bin ich ein bisschen faul", sagt er. "Aber wenn ich merke, dass etwas zum Erfolg führt, entwickele ich viel Ehrgeiz."

Dem Sport verbunden geblieben

Willi Holdorf, Zehnkampf-Olympiasieger von 1964, als Gesellschafter beim THW Kiel. © living sports Fotograf: Sascha Klahn Detailansicht des Bildes Seit vielen Jahren ist Holdorf beim THW Kiel aktiv. Den stellte Holdorf auch nach Ende seiner sportlichen Karriere immer wieder unter Beweis. Als Repräsentant eines Sportartikel-Weltkonzerns blieb er der Leichtathletik über Jahrzehnte erhalten. Auch seiner alten Liebe Handball ist Holdorf als Mitglied im achtköpfigen Wirtschaftsausschuss des Bundesligisten THW Kiel treu geblieben. Selbst seine Ehefrauen wiesen achtbare Karrieren in seinen "Spezialgebieten" auf. Schon seine erste Frau war Handball-Nationalspielerin, seine zweite führt nach Jahren als Marketing-Expertin bei der Leichtathletik-Fördergesellschaft inzwischen die Geschäfte beim THW Kiel. Sohn Dirk war sowohl Spieler als auch Manager beim Fußball-Drittligisten Eintracht Braunschweig. "Meine Familie hatte dafür Verständnis", blickt Holdorf auf seine vielen Tätigkeiten im Sport zurück. Mit dem und von dem er bis heute lebt: "Ich fahre Rad, spiele Tennis und wandere viel", so Holdorf, der sich ansonsten um sein Hotel mit Tennishalle am Stadtrand von Kiel kümmert. Zwei Schlaganfälle 2002 und Ende 2008 und eine Bypass-Operation haben den agilen Vorzeige-Sportler aus dem Norden gewarnt, aber nicht stoppen können. Zehnkämpfer sind bekannt für ihre Wettkampf-Härte.

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Der ehemalige Olympiasieger Willi Holdorf © picture-alliance / dpa/dpaweb Fotograf: Michael Hanschke
 

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