Stand: 27.12.2016 17:30 Uhr

"Ey, du Lutscher!" - Frings' kantige Karriere

Stürmer, Außenverteidiger, Mittelfeld-Abräumer: Torsten Frings hat in seiner Profi-Karriere fast alle Positionen gespielt. Taktische Flexibilität war ebenso ein Markenzeichen von Frings wie seine kantige Art, die ihm häufiger Ärger einbrachte. Zum Beispiel mit Bundestrainer Joachim Löw.

Torsten Frings trug insgesamt elf Jahre das Bremer Trikot.

Der Fußballer Torsten Frings zählte zu den Spielern, die gerne als "Typen" bezeichnet werden. Frings war vor allem bei Werder Bremen unangefochtener Wortführer und hielt mit seiner Meinung - auch gegenüber Mitspielern - nie hinterm Berg. So kam er auch zu seinem Spitznamen: War er nicht einverstanden, setzte das "verbale Tackling" ein, wie es Mannschaftskollege Andreas Herzog formulierte: "Lutscher" sei dabei das am meisten benutzte Wort gewesen, und so verpasste ihm der Österreicher diesen Beinamen. 17 Jahre lang hielt der "Lutscher" im deutschen Profifußball für Alemannia Aachen, Werder Bremen, Borussia Dortmund und Bayern München die Knochen hin, ehe er nach zwei Jahren in Kanada im Februar 2013 seine Fußballschuhe an den Nagel hängte und bei Werder die Trainer-Laufbahn begann. Der Werdegang eines unangepassten, aber doch bodenständigen Profis.

Frings: Vielseitig und gradlinig

Schneller Aufstieg: Aachen, Bremen, Nationalelf

Geboren am 22. November 1976 in Würselen, wechselt Frings im Alter von 15 Jahren ins benachbarte  Aachen zur Alemannia. Beim damaligen Regionalligisten erhält der Stürmer 1994 seinen ersten Profivertrag. Nach sieben Einsätzen in der Debütsaison startet Frings im Folgejahr durch: 32 Spiele absolviert der 19-Jährige und macht spätestens durch seine vier Tore beim 4:5 gegen den SC Verl auch andere Clubs auf sich aufmerksam. Bundesligist Werder Bremen holt ihn im Januar 1997 in den Norden. Unter Werder-Coach Hans-Jürgen Dörner läuft es für Frings auch an der Weser gut: Bundesliga-Premiere am 15. Februar, Startelf-Debüt am 11. März. In 15 von 17 möglichen Spielen der Rückrunde wird er eingesetzt. Frings avanciert zum Stammspieler und feiert 1999 seinen ersten Titel: Die Bremer setzen sich im Finale des DFB-Pokals mit 6:5 nach Elfmeterschießen gegen den FC Bayern durch.

Vize-Weltmeister und Abschied aus Bremen

Frings' Karriere in Zahlen

Geboren: 22.11.1976 in Würselen
Bundesliga-Stationen: 1997 - 2002 Werder Bremen, 2002 - 2004 Borussia Dortmund, 2004/2005 Bayern München, 2005 - 2011 Werder Bremen, 2011 -2013 FC Toronto
Bundesligaspiele: 402
Länderspiele: 79
Erfolge: deutscher Meister 2005 (Bayern München), DFB-Pokal-Sieger 1999, 2009 (Werder Bremen) und 2005 (Bayern München), WM-Zweiter 2002, WM-Dritter 2006, EM-Zweiter 2008, kanadischer Meister 2012

Thomas Schaaf, ab 1999 Trainer der Grün-Weißen, formt den Stürmer zum Verteidiger um. So wird Frings auch für die Nationalelf interessant. Bundestrainer Rudi Völler schickt den 24-Jährigen am 27. Februar 2001 beim Freundschaftsspiel in Frankreich (0:1) erstmals auf den Platz. Bei der Weltmeisterschaft 2002 absolviert Frings alle sieben Spiele inklusive des verlorenen Finales gegen Brasilien (0:2) über die volle Distanz. Nach dem Turnier wechselt er für 8,5 Millionen Euro zum damaligen deutschen Meister Borussia Dortmund. Obwohl er dort nach einem Kreuzbandriss die komplette Hinrunde 2003/2004 verpasst, verpflichtet Bayern München den Abräumer im Mittelfeld - die Ablösesumme fällt mit 9,25 Millionen noch einmal höher aus als zuvor beim Wechsel von Werder zum BVB. Frings ist in Deutschland ganz oben angekommen, scheint es.

Rückkehr nach Bremen

Doch in München wird der 28-Jährige trotz des Doublegewinns von Meisterschaft und Pokal nicht glücklich: "Jeder Kilometer auf der Autobahn von München nach Bremen war damals für mich eine Befreiung", sagt Frings einmal in einem Interview. Folgerichtig verlässt er das Starensemble, in dem er Stammspieler war, nach nur einer Saison wieder. Fünf Millionen Euro lassen sich die Bremer 2005 die Rückkehr ihres verlorenen Sohnes kosten. Frings blüht an alter Wirkungsstätte wieder auf und wird als defensiver Mittelfeldspieler Führungsfigur bei Werder und schlägt im Jahr 2007 sogar ein Angebot von Juventus Turin aus. Auch in der Nationalelf hat Frings jetzt seine beste Zeit. Er ist Teil des "Sommermärchens", der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass die deutsche Auswahl im Halbfinale gegen Italien nur deshalb ausscheidet, weil Frings gesperrt fehlt. Nach dem siegreichen Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien war es am Mittelkreis zu einem Handgemenge gekommen, in dessen Verlauf er mit der Faust zugeschlagen haben soll.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.12.2016 | 17:25 Uhr

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