Stand: 25.03.2010 13:03 Uhr

Ruder-Ikone Kolbe - Der Mann im Skiff

Fünf Weltmeistertitel gewann Ruderer Peter-Michael Kolbe aus Hamburg. Dennoch haftet ihm der Makel des "ewigen Zweiten" an, weil er bei drei olympischen Spielen Silber gewann und nicht den erhofften Sieg holte.

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Peter-Michael Kolbe, Lagerist bei der Hamburger Hafen und Logistik AG.

Sobald Peter-Michael Kolbe im schmalen Skiff sitzt, gibt es für das Nordlicht nur eine Absicht: als Erster die Ziellinie überqueren. Auch Jahrzehnte nach seinem Karriereende hat sich an dieser positiven Einstellung nichts geändert. "Wenn ich mich ins Boot setze, möchte ich auch gerne gewinnen", stellt Kolbe, der noch bei Spaßveranstaltungen oder Benefizrennen an den Start geht, klar. Die Ausdauer dafür holt sich der ehemalige Ausnahme-Ruderer weiterhin auf dem Wasser. Allerdings reißt der Lagerist bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) nicht mehr so viele Kilometer ab wie in seinen Glanzzeiten. Während seiner aktiven Zeit absolvierte der am 2. August 1953 in Hamburg geborene Kolbe bis zu 4.000 Trainingskilometer im Jahr, nun sind es deutlich weniger.

Peter-Michael Kolbe: Eine Ruder-Karriere in Bildern

Unvergessene Olympia-Duelle mit Karppinen

Deutschlands erfolgreichster Einer-Ruderer aller Zeiten, der 13 internationale Medaillen in 15 Jahren einheimste, bewies in den 70er- und 80er-Jahren seine Ausnahmestellung als zeitweise bester Skuller. Vor allem seine Duelle mit dem Finnen Pertti Karppinen gingen in die Sportgeschichte ein. Immer wieder versuchte Kolbe bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille zu holen -  vergebens. Beim Finale 1976 in Montreal und 1984 in Los Angeles verlor er jeweils das Finale gegen den Finnen Karppinen. Vor allem die Bilder aus Montreal dürften nicht nur bei Kolbe noch präsent sein. Im 2.000-m-Finale hatte er schon einen respektablen Vorsprung herausgerudert, als der damals kaum bekannte Karppinen auf den letzten hundert Metern Schlag um Schlag aufholte - und gewann. Bei den Spielen in Seoul 1988 ereilte Kolbe dasselbe Schicksal - diesmal nahm ihm der DDR-Ruderer Thomas Lange das erhoffte Gold weg. Trotz seiner fünf Weltmeistertitel ging der zehnfache deutsche Meister im Einer somit als "der ewige Zweite" in die Geschichte des Rudersports ein.

Sportdirektor mit Hindernissen

Ein Jahr später zog sich der "Sportler des Jahres 1975" vom Leistungssport zurück. Bis 1994 war er anschließend als Sportdirektor im Deutschen Ruderverband (DRV) tätig. Eine nervenaufreibende, aber auch spannende Aufgabe, wie Kolbe rückblickend versicherte. Doch in der Funktionärsriege wehte dem Norddeutschen jahrelang ein harter Wind entgegen. Seine hanseatisch unterkühlte Art wurde bei den Verbandsherren oft falsch verstanden, ihm bisweilen persönlich übel genommen. Zudem strich er ein Jahr nach der Wiedervereinigung den Übungsleiterstab im Osten von 200 hauptamtlichen Trainern auf ein "gesundes, wirtschaftlich tragbares Maß" zurück, wie Kolbe es damals formulierte. Am Ende der "Rasur" gab es nur noch 15 Berufstrainer im Osten - sehr zum Ärger der Landesverbände.

Rückkehr nach 25 Jahren

Der Hamburger lebt nach seiner Rückkehr aus Oslo jetzt in Lübeck.

Der gelernte Industriekaufmann heiratete 1980 Aina Moberg, eine ehemalige norwegische Eisschnelllauf-Meisterin und Sportjournalistin, die mit ihm einmal ein Interview für eine Zeitung gemacht hatte. Anfang 1982 zog der Ausnahmeathlet mit seiner Familie in die norwegische Hauptstadt Oslo. Dort arbeitete er vorerst im Verkaufsbüro der norwegischen Niederlassung eines deutschen Kugellagerherstellers, anschließend war er Exportleiter für eine Klimaanlagen-Firma. Doch das Nordlicht zog es zurück in seine Heimat. Nach der Trennung von seiner Frau 2004 verstarb seine neue Partnerin an einem Krebsleiden. Kolbe kehrte 2007 nach Norddeutschland zurück ließ sich mit seiner Lebensgefährtin in Lübeck nieder.