Noka Serdarusic im Porträt
Serdarusic hat als Trainer mit dem THW Kiel 25 Titel geholt. mehr
Urteil gefallen: Das Landgericht Kiel spricht Schwenker (2.v.r.) und den früheren THW-Trainer Serdarusic (l.) frei.
Der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck hat am Freitagmorgen das Urteil im Kieler Handball-Bestechungsprozess verkündet. Das Landgericht sprach den früheren THW-Kiel-Manager Uwe Schwenker und den ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic frei. Ihnen wurde vorgeworfen, das Finale der Champions-League 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt manipuliert zu haben. Wardeck sagte, er sei weder von der Schuld noch von der Unschuld der beiden Angeklagten überzeugt. Es gelte also der Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten.
Gut gelaunt: Der ehemalige Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker (l.) im Kieler Landgericht.
Die 5. Große Strafkammer folgte damit nicht dem Antrag von Oberstaatsanwalt Axel Goos. Der hatte für Schwenker 18 Monate auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 25.000 Euro gefordert, für Serdarusic 17 Monate auf Bewährung und 15.000 Euro. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert. Schwenker und Serdarusic äußerten sich nach dem Prozessende nicht - dafür aber Schwenkers Verteidiger. "Einerseits ist heute ein guter Tag, andererseits ist Uwe Schwenker dreieinhalb Jahre mit falschen Vorwürfen konfrontiert gewesen", sagte Michael Gubitz.
Kein Wort: Schwenker und Serdarusic äußern sich nach Prozessende nicht zum Urteil.
Aufatmen auch bei vielen Handball-Fans im Land: Aus sportlicher Sicht sei das Champions-League-Finale 2007 fair abgelaufen. Es habe keinen Hinweis auf Manipulation gegeben, sagte der Richter. Damit hat der THW Kiel aus Sicht der 5. Großen Strafkammer nichts zu befürchten - auch keine Schadensersatzansprüche des Ligakonkurrenten SG Flensburg-Handewitt. Der Richter kritisierte aber das Verhalten der Europäischen Handball-Föderation (EHF) im Kieler Prozess. "Die EHF hat sich mit einer Art Salami-Taktik verhalten. Da scheint man kein riesengroßes Interesse gehabt zu haben, an einer Aufklärung mitzuwirken", meinte Wardeck.
Allerdings ist das Urteil nach der mündlichen Verkündung noch nicht rechtskräftig. "Ich halte es für ein gut begründetes Urteil", sagte Oberstaatsanwalt Goos. Ob die Staatsanwaltschaft Revision einlegt, will sie nach Kenntnisnahme der schriftlichen Urteilsbegründung entscheiden. Dafür hat sie eine Woche Zeit.
Der Handball-Rekordmeister zeigte sich erleichtert über das Urteil. "Für die Spieler, die Verantwortlichen, Sponsoren, Fans und alle Handballfreunde ist damit der sportliche Teil der sogenannten Manipulationsaffäre abgeschlossen", heißt es in einer Presseerklärung. Eine Rückkehr Schwenkers zum THW hält der Aufsichtsratsvorsitzende, Klaus-Hinrich Vater aber für ausgeschlossen. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. "Wir haben nach Abwägung aller Überlegungen die Entscheidung so getroffen, weil wir meinen, dass mögliche Spekulationen, die einfach noch da sind, den THW belasten würden."
Damit ist die Zukunft Schwenkers im Handball vorerst offen. Viele Experten rechnen nach dem Freispruch dennoch mit einer Rückkehr des Ex-THW-Managers in den Sport. Entsprechend haben sich neben Handball-Bundestrainer Martin Heuberger auch dessen Vorgänger Heiner Brand und der Kapitän der Kieler Mannschaft von 2007, Stefan Lövgren, geäußert.
Das Gerichtsverfahren mit 19 Prozesstagen dauerte mehr als vier Monate, in denen 17 Zeugen befragt wurden. In teilweise zähen und spannungsgeladenen Befragungen stand oft Aussage gegen Aussage - stichhaltige Beweise gab es nicht. Auch der Verdacht des Betruges sowie der Untreue durch Schwenker und der Beihilfe durch Serdarusic im Umgang mit Vereinsvermögen sei nicht bewiesen worden, erklärte der Richter. Damit gebe es keine Ansprüche an die beiden.