Stand: 30.03.2009 18:55 Uhr  | Archiv

Rudolph belastet Schwenker - THW-Manager lässt Ämter ruhen

THW-Manager Uwe Schwenker lässt im Zusammenhang mit den aktuellen Manipulationsvorwürfen sein Amt als Vizepräsident der Handball-Bundesliga (HBL) ruhen. Das teilten der deutsche Meister THW Kiel sowie die HBL am Montag mit. Zudem verzichtet der 50-Jährige vorerst weiterhin auf die Ausübung seiner Funktionen als Vizepräsident der Group Club Handball und als Vorsitzender der EHF-Marketing-Kommission für die Champions League. Schwenker bleibt aber Geschäftsführer des THW Kiel. Die drei ehrenamtlichen Funktionen habe er "aufgrund des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Kiel in den letzten Wochen nicht wahrgenommen" und werde sie "bis zur Klärung der Vorwürfe auch weiterhin ruhen lassen", informierte Schwenker. Dies habe er mit dem Präsidenten der HBL, Reiner Witte, dem GCH-General Manager Gerd Butzeck und dem EHF-Marketing Managing Director Peter Vargo abgestimmt. Beim Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales bei RK Zagreb (28:28) am Sonntag fehlte Schwenker, offiziell wegen einer Magen-Darm-Grippe.

HSV-Boss Rudolph fordert rückhaltlose Aufklärung

Unterdessen hat der Präsident des Bundesligisten HSV Handball, Andreas Rudolph, Schwenker schwer belastet. "Im Juli 2007 habe ich mit Schwenker in meinem Haus auf Mallorca zusammengesessen. Dort hat mir Schwenker gesagt: 'Andreas, die Champions League werdet ihr nie gewinnen. Ich brauchte lange, um zu erfahren, dass dafür Schiedsrichter bestochen werden müssen'", sagte Rudolph am Montag in Hamburg. Dies habe er auch der Kieler Staatsanwaltschaft in einer schriftlichen Aussage mitgeteilt, die gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den früheren THW-Coach Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt. Schwenker sei bei der Mallorca-Runde aber "auf keinen Fall nüchtern" gewesen, so der HSV-Boss. Er sei damals mit seinem Wissen nicht an die Öffentlichkeit gegangen, weil man dem HSV Neid hätte unterstellen können. "Ich gebe zu, dass mein Verhalten nicht das Richtige gewesen ist", meinte der Medizintechnik-Unternehmer. "Solange mir Uwe Schwenker nicht erklärt, warum er im Juli 2007 diese Behauptung getätigt hat, habe ich keine Zweifel, dass irgendwas dran sein muss."

Unverständnis beim THW

Rudolph forderte Schwenker und den mit ihm befreundeten HBL-Präsidenten Reiner Witte auf, ihre Ämter ruhen zu lassen. "Aus gegebener Veranlassung, insbesondere mit Rücksicht darauf, wie der THW Kiel mit den Manipulationsvorwürfen bisher umgegangen ist, fordert der HSV Hamburg den THW Kiel und dessen Gremien hiermit auf, unbedingt ihren Beitrag zur rückhaltlosen Aufklärung der Vorwürfe zu leisten", heißt es darüber hinaus in einer Erklärung, die HSV-Aufsichtsratschef Rüdiger Heß verlas. Die Kieler reagierten unterdessen mit Unverständnis auf Rudolphs Gang an die Öffentlichkeit. "Der Aufforderung des HSV Hamburg an den THW Kiel und dessen Gremien, 'unbedingt ihren Beitrag zur rückhaltlosen Aufklärung der Vorwürfe zu leisten', hätte es nicht bedurft. Wie mehrfach erklärt, hat der THW Kiel die ihm bisher zugänglichen Erkenntnismöglichkeiten ausgeschöpft, ohne dass sich der Verdacht von Spielmanipulationen bestätigt hat", heißt es in einer THW-Presseerklärung. "Weiter gehende Aufklärung ist erst im Zuge der unmittelbar bevorstehenden Einsichtnahme in die staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakte zu erwarten. Vielleicht hätte auch der HSV Hamburg diesen Zeitpunkt abwarten sollen."

Kroatische Staatsanwälte ermitteln

Zuvor hatte sich auch eine Staatsanwaltschaft in Kroatien mit eigenen Ermittlungen in die Affäre eingeschaltet. Laut "dpa" solle in den kommenden Tagen ein ehemaliger Spielervermittler zu einem "informativen Gespräch" vorgeladen werden, der von den Kielern 92.000 Euro erhalten haben soll. Der THW steht im Verdacht, mit dem Geld Schiedsrichter vor dem Halbfinale und dem Finale der Champions League-Saison 2007 bestochen zu haben. Die Kieler bestreiten die Vorwürfe. Auch die kroatische Polizei will den Geschäftsmann dazu befragen.

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