Stand: 19.02.2016 09:11 Uhr

Lackovic: Über Flensburg und Hamburg nach Kiel

von Jan Kirschner, NDR.de
Nach Flensburg und dem HSV spielt Blazenko Lackovic zum dritten Mal für einen Nordclub: den THW Kiel.

Vergangenen Sonntagabend in Flensburg: Das Landesderby in der Handball-Champions-League zwischen der SG und dem THW Kiel ist gerade vorbei. Mit 37:27 haben die Flensburger den großen Rivalen regelrecht abgefertigt. Doch in einem Bereich der Flensburger Arena ist das denkwürdige Derby nicht Thema Nummer eins, sondern die große Zeit des mittlerweile insolventen HSV Hamburg. Vor der THW-Kabine stehen und plaudern drei Akteure, die an der Elbe gemeinsam eine Meisterschaft, einen Champions-League-Triumph und einen Pokalsieg gefeiert haben. Zum einen ist da "Dule", wie THW-Star Domagoj Duvnjak von allen gerufen wird. Daneben steht Pascal Hens, der aus seiner neuen dänischen Wahl-Heimat wegen eines Jobs als TV-Experte gekommen ist. Schließlich komplettiert Blazenko Lackovic die illustre Rückraum-Runde. Der 35-jährige Kroate spielte zuletzt in Skopje und war etwas aus dem Bundesliga-Blickwinkel geraten.

Doch nun erzählt er stolz, als einer der wenigen Handballer alle drei norddeutschen Spitzenclubs in seiner Vita stehen zu haben. Flensburg, den HSV und nun eben THW Kiel, für den das Rückraum-Ass erst seit zwei Wochen in der Bundesliga spielberechtigt ist. "Ich hätte nicht gedacht, dass es als Handballer noch einmal ein Comeback für mich in Deutschland geben würde", sagt Lackovic. "Ich freue mich richtig auf das Zusammenspiel mit 'Dule'."

Als Flensburg dank Storm Kiel ausstach

Was heute kaum noch jemand weiß. Bereits vor zwölf Jahren wäre der 1,96 Meter große Rechtshänder beinahe schon in Kiel gelandet. Damals hatte das Juwel des RK Zagreb bei der Europameisterschaft mit 33 Toren das Interesse der internationalen Konkurrenz geweckt. Der THW stand ganz dicht vor einem Abschluss, die unterschriftsreifen Verträge lagen bereits beim Spielerberater auf dem Balkan. Doch Flensburg wollte den Goalgetter auch. Der damalige SG-Manager Thorsten Storm kontaktierte den damaligen THW-Coach Noka Serdarusic. Beide kannten sich gut, der Anrufer bekam die erhofften Informationen. Nach Rücksprache mit den Gesellschaftern erhöhte Thorsten Storm das Angebot - und Lackovic wechselte für vier Spielzeiten an die Flensburger Förde. Das Handball-Ass äußerte sich 2004 ganz diplomatisch: "Letztendlich überzeugten mich die Flensburger davon, dass es sich um einen sehr gut geführten Verein handeln würde."

Lackovic: "Ich strebe die Trainer-Lizenz an"

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Lackovic soll mit seinen Toren dem THW helfen.

Wie sich die Zeiten ändern. Vor Kurzem meldete sich Storm wieder bei Lackovic, inzwischen in der Funktion als Geschäftsführer des THW Kiel. "Er erzählte mir von der Verletzungsmisere und dass sie mich sehr gut gebrauchen könnten", berichtet der Kroate. Zunächst sei er überrascht gewesen, dann habe er aber schnell die Gesamtsituation analysiert. "Wir hatten uns in Norddeutschland immer wohl gefühlt, wollten ohnehin gerne zurückkehren", verrät Lackovic. "Mein Sohn Luka soll im Sommer in Kiel eingeschult werden, ich strebe die Trainer-Lizenz an." Sein letzter Arbeitgeber Vardar Skopje, der im Gegenzug zur nächsten Serie Joan Canellas vom THW verpflichtete, spielte mit, pochte nicht auf ein Bleiben. Der 35-Jährige unterzeichnete an der Ostsee einen bis 2017 gültigen Kontrakt.

"Den einen oder anderen Titel möchte ich noch gewinnen"

Leise Zweifel an der Fitness des Routiniers begleiteten den jüngsten Wechsel. Schweren Herzens hatte er 2014 seine Zelte beim HSV Hamburg, als sich dort die finanziellen Sorgen verstärkten, abgebrochen. Lackovic trug dann die Last im linken Rückraum von Skopje, bis im Spätherbst 2014 die Achillessehne riss und eine lange Pause unvermeidbar war. Erst in den vergangenen Monaten hat er sich zurückgekämpft. Bei seinem THW-Debüt gegen Gummersbach blitzte die alte Klasse sofort auf. "Er hat mit viel Übersicht gespielt, und auch seine Mitspieler gesehen", freute sich Kiels Trainer Alfred Gislason. Am Sonntag gegen Leipzig folgt der zweite Auftritt des Neuzugangs im THW-Trikot. In der Champions League ist er wegen seines Skopje-Engagements in dieser Saison nicht spielberechtigt. "Schade", sagt Lackovic. "Aber in der nächsten Saison werde ich noch einmal in allen drei Wettbewerben angreifen. Den einen oder anderen Titel möchte ich in meiner Karriere noch gewinnen."

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