Stand: 14.02.2016 21:06 Uhr

Flensburg lässt im Landesderby die Muskeln spielen

von Hanno Bode, NDR.de

Die SG Flensburg-Handewitt hat gute Karten, sich als Gruppenerster der Handball-Champions-League-Gruppe A direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren. Das Team von Coach Ljubomir Vranjes entschied am Sonntagabend das 87. schleswig-holsteinische Landesderby gegen den THW Kiel mit 37:27 (17:14) für sich und führt das Tableau nun an. Lediglich der Spitzenreiter zieht direkt in die Runde der letzten Acht ein. Für die von Verletzungspech geplagten "Zebras" war Rang eins bereits vor dem Vergleich mit dem Erzrivalen außer Reichweite. Für das Achtelfinale war der Rekordmeister schon zuvor qualifiziert.

Hitziges, aber faires Duell

Die Zuschauer in der Campushalle sahen von Beginn an eine von beiden Seiten sehr intensiv und emotional geführte Begegnung. Trotz der großen Rivalität beider Clubs sowie der gewohnt hitzigen Stimmung in der "Hölle Nord" blieb es ein überwiegend faires Duell. Die spanischen Unparteiischen Oscar Raluy Lopez und Angel Sabroso Ramirez leiteten das Spiel sehr umsichtig. Die Anfangsphase war geprägt durch starke Paraden der Torhüter Nikolas Katsigiannis (Kiel) und Mattias Andersson. Peu à peu brachten beide Teams dann ihre spielerischen Stärken zur Geltung. Die Hausherren waren insbesondere über die Außen und im Tempogegenstoß erfolgreich, der THW suchte häufiger über die Rückraum-Mitte (Joan Cañellas, Domagoj Duvnjak) oder die Halbpositionen sein Glück.

Kiel trotz Ausfällen zunächst auf Augenhöhe mit SG

Den Gästen war das verletzungsbedingte Fehlen der Nationalspieler Steffen Weinhold, Christian Dissinger, Patrick Wiencek und René Toft Hansen vorerst nicht anzumerken. Sie waren bis in die Schlussphase des ersten Abschnitts mit der SG, die beinahe in Idealbesetzung antreten konnte, auf Augenhöhe. Dann machte sich allerdings bemerkbar, dass gewisse Automatismen beim dezimierten Rekordmeister derzeit nicht greifen - insbesondere im Angriffsspiel. Der THW brachte sich nicht mehr in ideale Abschlusspositionen, leistete sich einige Fehlwürfe und ermöglichte den Hausherren so Gegenstöße, die sie traumwandlerisch sicher ausführten. Zur Halbzeit lag die Vranjes-Mannschaft verdient mit drei Toren in Führung.

Heinl feiert umjubeltes Comeback

SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel 37:27

Tore SG Flensburg-Handewitt: Lauge (9), Svan (6/1), Eggert Magnussen (5/3), Mogensen (4), Jakobsson (3), Glandorf (2), Wanne (2), Gottfridsson (2), Djordjic (1), Heinl (1), Toft Hansen (1), Kozina (1)
THW Kiel: Duvnjak (8), Canellas (4), Jaanimaa (3), Ferreira Moraes (2), Ekberg (2), Anic (2), Klein, Williams (1), Brozovic (1), Vujin (1/1)
Zuschauer: 6.300 (ausverkauft)

Nach dem Seitenwechsel hatte es zunächst den Anschein, als könne Kiel die Begegnung weiter offen gestalten. Nach ordentlicher Anfangsphase häuften sich bei den "Zebras" jedoch die Fehler und Missverständnisse. Flensburg blieb hingegen auf einem konstant hohen Niveau und sorgte rasch für klare Verhältnisse. Mitte des zweiten Durchgangs führte die SG mit 27:19 und genoss es sichtlich, Kiel ein wenig vorzuführen. Insbesondere Rückraum-Ass Rasmus Lauge - im Sommer vom THW zum Vranjes-Team gewechselt - zeigte eine überragende Leistung. Der Däne war neben Keeper Andersson bester Akteur der Hausherren, die in dieser Verfassung auch gegen Topfavorit Paris St. Germain bestehen können. Zu den Franzosen müssen die Schleswig-Holsteiner am letzten Gruppenspieltag (6. März) reisen. Dann wird wohl auch Jacob Heinl mit an Bord sein. Der Kreisläufer feierte gegen Kiel nach über einjähriger Pause in der Schlussphase sein umjubeltes Comeback und trug sich sofort als Torschütze ein. Der 29-Jährige hatte aus Gesundheits- und Verletzungsgründen zuletzt im Dezember 2014 auf der Platte gestanden.

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