Stand: 11.08.2015 15:50 Uhr

THW: Gislason verlängert - Kommt Mamelund für Jicha?

von Jan Kirschner, NDR.de

Langfristige Vertragsverlängerungen kommen in Mode beim THW Kiel. In den vergangenen Monaten hatten Kreisläufer Patrick Wiencek und Linkshänder Steffen Weinhold Kontrakte mit einer Laufzeit bis 2020 und 2019 abgesegnet, nun zog ihr Trainer nach: Alfred Gislason bleibt bis 2019 auf der Kommando-Brücke des Handball-Rekordmeisters. "Hier habe ich einen außerordentlich starken Kader, mit dem ich täglich arbeite, und es gibt ein fantastisches Umfeld, hinter dem eine ganze Stadt steht", sagte der 55-jährige Isländer, der seine Unterschrift während der offiziellen Saison-Pressekonferenz auf das Papier setzte. "Er ist meiner Meinung nach der wichtigste Mann beim THW", kommentierte ein zufriedener Geschäftsführer Thorsten Storm.

Alfred Gislason: Der kühle Titelsammler

Jicha wohl vor dem Absprung

Solche langfristigen Verabredungen sind als Signale, als Übereinkunft in gemeinsamen Zukunftsfragen zu bewerten - aber auch als Schutzmechanismus gegen potente ausländische Konkurrenz. Paris Saint-Germain, der ungarische Top-Club Veszprém oder der FC Barcelona halten den Transfermarkt mit Top-Offerten in Bewegung. Langfristige Verträge sind zwar kein 100-prozentiger Schutz vor Abgängen, sie garantieren aber zumindest eine hohe Ablösesumme. So wie im Beispiel Filip Jicha, für den Barcelona rund eine Millionen Euro bieten soll. Der umworbene THW-Kapitän fehlte - entgegen den Gepflogenheiten - bei der Pressekonferenz. Offizieller Grund: Er sei krankgeschrieben wegen seiner Schambeinentzündung. Konkrete Aussagen zu einer möglichen THW-Zukunft gab es nicht, aber die Anzeichen für einen Abschied verdichteten sich. "Es laufen Gespräche, die ich nicht beeinflussen kann", sagte Gislason. Zugleich verriet er, dass ein potenzieller Neuzugang zum Probe-Training erscheinen werde. Norwegische Medien berichteten über ein Kieler Interesse an Erlend Mamelund, der einst für Nordhorn und Flensburg in der Bundesliga spielte.

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Filip Jicha: Der bescheidene Weltstar

Bereits seit 2007 trägt Filip Jicha das Trikot des THW Kiel. Der wurfgewaltige Tscheche feierte mit den "Zebras" große Erfolge, unter anderem das Triple. Dennoch blieb er stets bescheiden. Bildergalerie

Trainer kritisiert aufgeblähten Spielplan

In jedem Fall müssen die "Zebras" reagieren. Auch wenn der Wechsel von Jicha nicht stattfinden sollte, wird er mehrere Wochen verletzungsbedingt fehlen. Das Problem: Die zweite Reihe ist für den Tanz auf drei Hochzeiten quantitativ überschaubar besetzt. Neben den beiden Linkshändern Marko Vujin und Steffen Weinhold sowie den Angriffsmotoren Domagoj Duvnjak und Joan Canellas stehen nur Neuzugang Christian Dissinger, der auf wechselhafte Jahre zurückblickt, und Nachwuchsmann Alexander Williams als Rückraumspieler im Aufgebot. "Da darf eigentlich nichts mehr passieren", stöhnte Gislason, der angesichts der weiter aufgeblähten europäischen Champions League eine noch größere Belastung seiner Mannschaft erwartet. "Seit Jahren plädiere ich dafür, den Spielplan zu entzerren, aber die Funktionäre in der Welt machen genau das Gegenteil", zürnte der Isländer. "Die Folge wird sein, dass es bald keinen 25-jährigen Spieler mehr gibt, der noch keinen Kreuzbandriss hatte."

Neues Torwart-Gespann weckt Hoffnungen

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Keeper Niklas Landin wechselte von den Rhein-Neckar Löwen zum THW.

Diese schwere Blessur erlitt Dominik Klein im Alter von 31 Jahren. Der THW-Linksaußen wird wohl erst zur Rückrunde zurückkehren. Deshalb verpflichtete sein Verein den sehr erfahrenen Ex-Weltmeister Torsten Jansen (HSV Hamburg) als Positionspartner von Eigengewächs Rune Dahmke. Hoffnungen weckt das neue Torhüter-Gespann, das eine große Bandbreite an Qualitäten abdeckt. "Niklas Landin vertritt die ruhige, sehr starke dänische Schule", meint der zweite Keeper Nikolas Katsigiannis. "Ich bin eher unorthodox, so können wir jeden Gegner stets vor neue Situationen stellen."

Kiel kalkuliert mit 9,5-Millionen-Etat

Insgesamt sehen sich die Kieler gut gerüstet für die kommende Saison. Zwar hat der treue Hauptsponsor, ein Versicherungsunternehmen, sein Engagement zurückgefahren, laut Manager Storm hätten aber andere Geldgeber die Lücke geschlossen, sodass wieder mit einem Etat von 9,5 Millionen Euro kalkuliert wird. Die deutsche Meisterschaft ist wieder das Ziel. "Wir haben einen ehrgeizigen Trainer, gemeinsam werden wir hoffentlich unserer Erfolgsgeschichte viele weitere Kapitel hinzufügen."

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