Stand: 20.12.2015 16:49 Uhr

HSV-Handballer geben sportliche Antwort

von Uli Petersen, NDR.de
Bild vergrößern
Jubel bei Keeper "Jogi" Bitter.

Die Bundesliga-Handballer des HSV Hamburg lassen sich von der angespannten finanziellen Situation des Vereins nicht aus dem sportlichen Rhythmus bringen. Angefeuert von 9.156 Zuschauern (Saisonrekord!) in der Arena am Hamburger Volkspark besiegten die Hanseaten am Sonntagnachmittag im ersten Spiel nach dem Insolvenzantrag den SC Magdeburg ungefährdet mit 27:22 (11:8). Für die zurzeit von Geschäftsführer Christian Fitzek betreute Mannschaft (Trainer Michael Biegler bereitet die polnische Nationalmannschaft auf die EM im Januar vor) war es der fünfte Bundesliga-Sieg in Serie.

Auf den Tribünen freuten sich die HSV-Fans zwar über den Erfolg gegen Magdeburg und die gute sportliche Bilanz der vergangenen Wochen, allerdings sind sie in großer Sorge über die Zukunft ihrer Mannschaft: "Ich drücke die Daumen, dass alles gut wird", sagte eine Zuschauerin dem NDR Fernsehen. "Wir leiden sehr mit. Es wäre schade für Hamburg, wenn wir keinen Bundesliga-Handball mehr hier hätten", äußerte sich ein anderer Anhänger.

Nicht nur auf Torhüter Bitter ist Verlass

Der Beginn der Partie gestaltete sich zäh und ausgeglichen, zunächst gelang es den Angreifern beider Mannschaften nur selten, in gute Wurfpositionen zu kommen - die Abwehrreihen hatten das Sagen. Hans Lindberg war es dann, der die Gastgeber mit seinem Treffer zum 3:2 (11.) zum ersten Mal in Führung brachte. Mit einem starken Johannes "Jogi" Bitter, der danach im HSV-Tor mehrmals gut parierte, gelang es den Hamburgern, den Vorsprung nach und nach auszubauen. 10:5 stand es nach dem Tor von Adrian Pfahl (24.). In den letzten Minuten bis zur Pause schlichen sich dann aber Ungenauigkeiten ein. Magdeburg konnte den Rückstand so wieder auf drei Tore verkürzen - mit 11:8 aus Sicht des HSV ging es in die Kabinen.

Jubel und Erleichterung nach Spielende

HSV Hamburg - SC Magdeburg 27:22 (11:8)

Tore für HSV Hamburg: Lindberg (12), Brozovic (4), Hens (3), Pfahl (3), Nenadic (2), Damgaard Nielsen (1), Jaanimaa (1), Schmidt (1)
Tore für Magdeburg: Damgaard (5), Haass (4), Zelenovic (4), Lemke (3), Weber (3), Bagersted (2), Grafenhorst (1)
Zuschauer: 9.156

Nach der Pause mussten die Gastgeber nicht an ihre Schmerzgrenze gehen, um den Vorsprung zu verteidigen und den zwölften Sieg im 17. Saisonspiel einzufahren. Mit einer konzentrierten Leistung in der Abwehr, einem starken Bitter zwischen den Pfosten und dem weiter treffsicheren Lindberg - mit zwölf Toren bester Werfer der Partie - sicherte sich der HSV völlig verdient die zwei Punkte. Jedes weitere Hamburger Tor wurde im zweiten Abschnitt auf den Tribünen bejubelt, als hätten die Profis einen richtig großen Pokal gewonnen und damit auch gleich die Rettung des Clubs geschafft. Und ebenso groß fiel auch der Jubel der HSV-Spieler aus, die sich bei den Zuschauern für die Unterstützung mit der La Ola bedankten. "In den schwersten Zeiten steht man am stärksten zusammen", sagte Nationalspieler Pfahl unmittelbar nach dem Ende des Spiels im NDR Interview. "Wir ziehen alle an einem Strang in der Mannschaft. Sportlich können wir nicht mehr machen als zu zeigen, was wir können", ergänzte Keeper Bitter.

Zukunft des HSV zurzeit ungewiss

Wie es im neuen Jahr mit dem HSV Hamburg weitergeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Wenn sich aber die HSV-Fans etwas wünschen dürften zu Weihnachten, dann vielleicht nicht unbedingt zwei weitere Siege in den beiden verbleibenden Spielen vor der EM-Pause beim TuS N-Lübbecke (23.12.) und gegen Frisch Auf Göppingen (27.12.). Sie hoffen vielmehr darauf, dass der Spielbetrieb fortgesetzt und die finanziellen Probleme geregelt werden können. "Wir stehen voll hinter der Mannschaft, wir sind der achte Mann", so untermauerte eine Zuschauerin diesen Wunsch am Rande der Partie gegen Magdeburg. Torhüter Bitter zeigte sich optimistisch, was eine mögliche Rettung des Clubs angeht: "Ich bin jeden Tag sicherer, dass wir das schaffen."

Ein Heimsieg gegen die Krisenstimmung

Rudolph: "Es gibt keinen Neuanfang ohne mich"

Mäzen Rudolph ist bereit, den HSV unter bestimmten Voraussetzungen erneut zu unterstützen. Er sieht allerdings keine realistische Chance, hochklassigen Handball dauerhaft in Hamburg zu halten. mehr

HSV-Insolvenzverwalter verbreitet Optimismus

Hat der angeschlagene Handball-Bundesligist HSV Hamburg eine Zukunft? Der vorläufige Insolvenzverwalter Gideon Böhm sieht eine "realistische Chance" auf ein tragfähiges Sanierungskonzept. mehr

Nach Insolvenzantrag: HSV-Handballer spielen weiter

Der HSV Handball hat einen Insolvenzantrag gestellt, spielt aber weiter. Die Bundesliga-Partie am Sonntag gegen Magdeburg findet statt. Liga-Boss Bohmann kritisierte den Club scharf. mehr