Stand: 18.01.2016 14:30 Uhr

Kiel soll in "Weltliga" spielen - SG außen vor

Der THW Kiel um Rune Dahmke (M.) sowie Paris St. Germain sollen zur neuen "Weltliga" gehören.

Im europäischen Handball bahnt sich eine Revolution an. Laut eines Berichts des "Handelsblatts" könnte eine von Spitzenclubs initiierte "Superliga" bereits 2019 die Champions League ersetzen. Zwölf Topvereine sollen an der internationalen Serie teilnehmen, darunter auch der deutsche Rekordmeister THW Kiel sowie die Füchse Berlin. Entsprechende Pläne treibt eine Investorengruppe um den im internationalen Profihandball gut vernetzten Spieler-Berater Wolfgang Gütschow voran. "Handball hat bisher kein vermarktbares Premiumprodukt", erklärte Gütschow dem "Handelsblatt". Geplant sei eine Lizenzliga nach dem Muster der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. "Dass Großstädte wie Berlin, Paris, Barcelona oder Moskau mitmachen, ist die Bedingung unserer Rechtepartner und Investoren, die das Ziel verfolgen, Handball zu einem späteren Zeitpunkt auf dem US-Markt zu positionieren", sagte Gütschow, der die Premier Handball League AG (PHL) als Verwaltungspräsident am 25. November 2015 ins Handelsregister in Zürich eingetragen hat.

Storm: "Riesenchance für unseren Sport"

Geplant ist, dass die Teilnehmer der neuen Premium-Serie in einem geschlossenen Zyklus das ganze Jahr in Hin- und Rückspielen gegeneinander antreten. Es soll feste Spieltermine im Wochen-Rhythmus geben, die sich mit der Bundesliga abwechseln. Unter der Woche könnten die Spiele der Weltliga stattfinden, an den Wochenenden die der Bundesliga. Die Champions League hätte in ihrer bisherigen Form wohl keine Zukunft mehr. "Wenn das ganze so umgesetzt wird wie geplant, sind plötzlich Reichweiten und Werbetöpfe für den Handball möglich, an die unser Sport sonst nicht herankommen würde", sagte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm und nannte die Pläne am Rande der EM in Polen eine "Riesenchance für unseren Sport".

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Hanning plädiert für gemeinsame Lösung mit EHF

Auch bei Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning rennen die PHL-Macher offene Türen ein. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir aus dem Fenster gucken und nicht merken, dass die Rollläden unten sind", sagte er. Man habe jetzt erkannt, dass sich "grundsätzlich etwas ändern muss". Hanning plädierte für "eine gemeinsame Lösung" mit dem Europäischen Handballverband EHF, der die Champions League austrägt. Danach sieht es zurzeit aber nicht aus. Schon im Sommer wird der Geschäftsführer der EHF Marketing, Peter Vargo, die Fronten wechseln und bei der Premier Handball League einsteigen. Vargo hat bislang die Vermarktung der Königsklasse verantwortet.

Flensburg droht Wettbewerbsnachteil

Sollte die Champions League tatsächlich bald Geschichte sein, würden Spitzenclubs wie die SG Flensburg-Handewitt oder die Rhein-Neckar Löwen vermutlich zunächst in die Röhre schauen. Ihre Teilnahme an der neuen Weltliga ist - Stand jetzt - nicht geplant. Die deutsche Meisterschaft könnte dann sehr bald aufgrund der finanziellen Vorteile, die der THW und die Füchse haben würden, zu einem Zweikampf werden. Kiels Geschäftsführer Storm betonte jedoch, dass die vorliegenden Pläne "keine Blase" seien, "um eine Drohgebärde aufzubauen". Es gehe vielmehr darum, "neue Möglichkeiten zu schaffen, die insgesamt der gesamten Sportart zu Gute kommen". Der Stellenwert des gesamten Handballs würde von der Strahlkraft einer möglichen Weltliga nach Vorbild der NBA profitieren. "Viele Jugendliche Handballer würden ihren Idolen nacheifern wollen", sagte Storm: "Im Moment werden es tendenziell eher immer weniger Kinder in den Vereinen."

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