Stand: 05.08.2015 10:47 Uhr

Flensburg-Handewitt bläst zur "Zebra"-Jagd

von Jan Kirschner, NDR.de

Die Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt hat sich am Sitz des Hauptsponsors versammelt. Der DHB-Pokal steht auf einem zierlichen, blauen Podest. Erinnerungen werden wach an den Mai, als die Nordlichter in einem Herzschlag-Finale ihren Vereinssteckbrief um einen weiteren Titel bereicherten. Packende Zweikämpfe, entscheidende Siebenmeter und die anschließenden Feierlichkeiten sind plötzlich wieder allgegenwärtig - und die Worte, die Ljubomir Vranjes damals im Hochgefühl ins Mikrofon schmetterte. "Ich will mehr, ich will diese Mannschaft zur deutschen Meisterschaft führen", hatte der Trainer die Erwartungen geschürt. Nun, knapp drei Wochen vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison macht der 41-jährige Schwede einen Bogen um das M-Wort. "Langsam", sagt er bedächtig. "Ich halte nicht viel davon, große Ziele zu verkünden. Wenn wir wie im letzten Jahr großes Verletzungspech haben, dann sieht plötzlich alles anders aus."

Der Kader der SG Flensburg-Handewitt 2015/2016

Vier namhafte Akteure verpflichtet

Aber gerade aus den Erfahrungen der vergangenen Saison haben die Flensburger ihre Lehren gezogen. Trainer, Geschäftsführung und der Beirat waren sich einig: "Wenn wir in allen Wettbewerben ganz vorne mitspielen wollen, dann müssen wir den Kader breiter aufstellen." Gesagt, getan: Im Frühjahr wurde mit Lars Kaufmann nur ein Stammspieler verabschiedet, im Gegenzug aber gleich vier namhafte Akteure verpflichtet. "Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten habe ich die Wunschspieler bekommen, die ich haben wollte", betont Ljubomir Vranjes. Neben dem Dänen Rasmus Lauge, der beim THW Kiel mit seinen geringen Spielanteilen unzufrieden war, kam gleich ein Trio vom HSV Hamburg: der wurfgewaltige Serbe Petar Djordjic, der flinke Franzose Kentin Mahé und der dänische Kreisläufer Henrik Toft Hansen.

Der höchste Etat der SG-Geschichte

In Flensburg werden sie nicht müde, von ihren Standortnachteilen an der deutschen Peripherie zu sprechen. Im Vergleich zu den internationalen Größen Paris Saint-Germain oder FC Barcelona ist die SG in der Tat ein "Mauerblümchen", doch auf nationaler Ebene steht sie in den Rankings inzwischen mit an der Spitze. Die auffällige Spieler-Bewegung von der Elbe 150 Kilometer nordwärts ist kein Zufall, sondern Indikator für eine veränderte Bundesliga-Karte.

Die jüngsten Erfolge - Champions League 2014 und der DHB-Pokal - bewegen im hohen Norden die Massen und die Geldgeber. Die Dauerkarten haben fast 5.000 Abnehmer gefunden, ein lange schwelender Streit mit dem Betreiber der Spielstätte konnte in einen bis 2022 datierten Nutzungsvertrag verwandelt werden. Und laut Manager Dierk Schmäschke haben "98 Prozent der Partner verlängert oder sogar aufgestockt". Der Etat wuchs um 500.000 Euro auf den höchsten Stand der SG-Geschichte: auf 6,5 Millionen Euro.

Vranjes hat mehr Variationsmöglichkeiten

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Flensburgs Neuzugänge (v.l.) Henrik Toft Hansen, Rasmus Lauge, Petar Djordjic und Kentin Mahé.

Der Zuwachs fließt im Wesentlichen in das Aufgebot. Zwei, drei Spieler mehr erhöhen nun einmal das Kostenvolumen. Doch nur so sehen sich die Flensburger besser gerüstet, den Marathon in Bundesliga und der weiter aufgeblähten Champions League zu meistern. Allein bis Weihnachten stehen 35 Pflichtspiele auf dem Programm. "Es gab in den letzten zwei Jahren einige Jungs, die haben einfach zu viel gespielt“, erklärt Vranjes. "Nun kann ich die Belastung besser verteilen und habe auch mehr Variationsmöglichkeiten." Da funkeln die Augen des Taktik-Strategen. Manch ein Beobachter ist erstaunt über das scheinbare Überangebot von vier Spielmachern, doch der Trainer feilt längst an Winkelzügen, die die Rückraum-Positionen miteinander verschmelzen.

Nicht immer werden Wünsche wahr

Aber auch in der Abwehr gibt es neue Möglichkeiten. Das zeigte sich gerade in der Vorbereitung, als Tobias Karlsson, Kapitän und Defensiv-Chef, wochenlang wegen Rückenbeschwerden passen musste. Toft Hansen, Anders Zachariassen, Lauge und Jim Gottfridsson fanden sich in gänzlich neuen Mittelblock-Kombinationen zusammen. Inzwischen ist Karlsson wieder ins Training eingestiegen. "Wir wollen in dieser Saison ein besseres Ergebnis als im letzten Jahr", nennt der Kapitän die Marschroute. Also besser als Platz drei in der Bundesliga. Am Treffpunkt läuft das neue Filmchen für die Einlauf-Zeremonie. Spieler mit entschlossener Miene. Vranjes meldet sich noch einmal zu Wort und verrät mit einem Schmunzeln: "Ich wollte schon im letzten Jahr deutscher Meister werden, aber es hat nicht geklappt." Aber vielleicht diesmal…

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