Stand: 16.02.2016 10:53 Uhr

HSV Hamburg: Schröders Gang in die Oberliga

von Christian Görtzen, NDR.de
Ex-Nationalspieler Stefan Schröder will die Zukunft des Handballsports in Hamburg mitgestalten.

Glanz findet sich hier nicht. Den erwartet aber auch niemand. Die Sporthalle im Norden Hamburgs versprüht den eher rustikalen Charme der sechziger Jahre. Grau die Wände, hart die Holzbänke, fahl die meterhohen Plexiglasscheiben, die von innen vom Atem der 30 Sportler und 400 Zuschauer beschlagen sind. Jemand hat seinen Finger eilig über den Wasserfilm gezogen, ein Herz gezeichnet und es einer "Iris" gewidmet. Ein anderer Gruß ist neben einem der beiden Handballtore deutlicher zu erkennen. Der "Fanclub 21" hat an einer Sprossenwand ein großes, blaues Banner aufgehängt. Darauf zu sehen ist das Wappen des Handball-Clubs HSV Hamburg, der seine Bundesligamannschaft Anfang des Jahres - wenige Tage nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens - vom Spielbetrieb abgemeldet hat. Auf dem Banner steht in weißer Schrift: "21 Tore für die Ewigkeit".

Vor 150 statt 12.000 HSV-Fans

Der Adressat dieser Botschaft spurtet wenige Meter davon entfernt kreuz und quer über das Spielfeld. Es geht stürmisch zu in dem Oberliga-Punktspiel zwischen der SG Hamburg-Nord und der U23 des HSV, die nach dem Auseinderfallen des Profiteams nun das Aushängeschild des Vereins ist und zugleich die Hoffnung auf eine Zukunft. Der Banner-Gruß ist dem HSV-Spieler mit der Trikotnummer drei gewidmet. Es ist ein bisschen so wie früher, als Stefan Schröder mit jener Nummer auf dem Dress in der Arena im Hamburger Volkspark von der rechten Außenbahn im höchsten Tempo in den Kreis sprang, im Flug den Ball im Tor des Gegners versenkte, nach der Landung beide Hände zu Fäusten ballte und den Applaus von mehr als 12.000 Zuschauern für die ganze Aktion entgegennahm. Nur mit dem nicht unerheblichen Unterschied, dass es nun etwa 150 HSV-Fans sind, die zum Spiel in den Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel gekommen sind, und ihren "Schrödi" für dessen Tore feiern. Er ist der einzige aus dem Kreis der namhaften Spieler des ehemaligen Bundesligisten, der aktiv dabei mithelfen will, dass die U23 ihre Spitzenposition in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein verteidigt und in wenigen Wochen den ersten Schritt auf dem Weg nach oben vollzieht - den Aufstieg in die Dritte Liga.

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Bundesliga-Rekordtorschütze in der Vierten Liga

Einerseits ist es etwas Besonderes, schließlich ist Schröder mit 21 Toren in einer Partie der Rekordtorschütze der Bundesliga-Historie. Im abschließenden Spiel der Saison 2008/2009 gelang ihm beim 43:16 gegen den Absteiger Stralsunder HV besagte Anzahl. Der gebürtige Schweriner übertraf damit den 26 Jahre alten Rekord des Polen Jerzy Klempel, der im Juni 1983 im Trikot von Frisch Auf Göppingen im Spiel gegen TuS Hofweier 19 Tore erzielt hatte. Und jetzt spielt der Bundesliga-Rekordtorschütze, der sich während seiner Profikarriere zum Immobilienmakler hat ausbilden lassen, in der Vierten Liga. Andererseits, merkt Kersten Brumm vom "Fanclub 21" an, sei das wiederum nicht wirklich verwunderlich. "Ich hatte mir schon gedacht, dass er das machen würde. Er gibt immer alles für den Verein, das war schon bei den Profis so. Er ist ein Aushängeschild des HSV. Ich hoffe, dass von seinem Mitwirken ein Impuls ausgeht", sagt der 55-Jährige, während er nach dem 41:35 des HSV sorgfältig das Banner einpackt. Einige Schritte davon entfernt lässt sich Schröder, der sieben Treffer zum Sieg beigesteuert hat, von den Fans feiern.

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