Stand: 10.04.2017 11:40 Uhr

THW Kiel nach "Meilenstein" in Feierlaune

von Jan Kirschner, NDR.de

Die Abendsonne strahlte, als die Spieler des THW Kiel am Sonntag die Arena im Hamburger Volkspark verließen. Es war der passende Rahmen für den neuen Pokalsieger. Die Handball-Profis schritten durch ein Spalier, das die zahlreichen Fans bildeten. Glückwünsche und Selfies standen hoch im Kurs, der Anhang war begeistert, feierte einen nicht unbedingt erwarteten Titel. Zuvor hatte der deutsche Rekordtitelträger für eine Überraschung gesorgt, in dem er die favorisierte SG Flensburg-Handewitt souverän mit 29:23 bezwungen und zum zehnten Mal insgesamt den DHB-Pokal geholt hatte. "Das ist ein sehr wichtiger Titel für uns - und ein Meilenstein für meine junge Mannschaft", fand THW-Coach Alfred Gislason schon kurz nach der ersten Freude markige Worte: "Einige meiner Spieler waren zum ersten Mal bei so einem Turnier dabei und wissen nun, dass sie so ein Turnier auch gewinnen können."

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Die Wetten hatten vor dem Anpfiff einen anderen Ausgang suggeriert. Während die "Zebras" sich zu einem Arbeitssieg gegen den Newcomer SC DHfK Leipzig gemüht hatten, fertigten die Flensburger in eindrucksvoller Manier die Rhein-Neckar Löwen, immerhin amtierender deutscher Meister, mit 33:23 ab. "Das war Handball vom anderen Stern", meinte THW-Manager Thorsten Storm. "Für uns war es letztlich gut, denn diese überragende Leistung hat die SG noch mehr zum Favoriten gemacht." Die Kieler waren von jeglichem Erfolgsdruck befreit, konnten nur überraschen. Einen taktischen Winkelzug hatte Alfred Gisalson parat. Rune Dahmke, beim bis dahin letzten THW-Pokal-Coup vor vier Jahren noch als Fan auf der Tribüne, hatte bereits im Halbfinale sechs Tore erzielt - als Linksaußen. Nun bekleidete er über weite Strecken die Rolle des Rückraum-Regisseurs. "Das haben wir nicht erwartet", gab SG-Trainer Ljubomir Vranjes zu: "Das hat den THW-Angriff schneller gemacht, worauf wir uns aber nach einer kurzen Phase einstellen konnten."

Landin präsentiert sich als "bester Torhüter der Welt"

Womit sich die Flensburger gar nicht anfreunden konnten: die bewegliche und konsequente Abwehr der "Zebras". Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen, aber auch Ilija Brozovic und der unermüdliche Domagoj Duvnjak verdienten sich Bestnoten. Nach 40 Minuten kapitulierte der Gegner, zumal ihm Torwart Niklas Landin den letzten Zahn zog. "Wir hatten ja unsere Chancen", sagte SG-Rechtsaußen Lasse Svan. "Aber dann war da immer wieder Landin im Weg. In dieser Form ist er der beste Torhüter der Welt."

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Die emotionale Schlüsselfigur war aber sicherlich Duvnjak. Komplimente prasselten auf den "Weltklasse-Kapitän" nieder. "Ich hatte Tränen in den Augen", bekannte Storm angesichts der Willensstärke und Leidenschaft des Kroaten. Eine Knieverletzung hinderte ihn nicht daran, seine Mannschaft durch dieses Finale zu führen. Und als die Maschinerie lief, berauschten sich die THW-Asse an ihrer eigenen Leistung. Handballer sprechen von einem "Flow". Dieser Auftritt war für Duvnjak höchstwahrscheinlich der letzte in dieser Saison. In den kommenden Tagen soll ein Operationstermin bestimmt werden. "Wir können 'Dule' nicht weiter quälen, er muss ungeheure Schmerzen aushalten", meinte Coach Gislason.

Weitere Titelchancen in der Bundesliga und Champions League

Am Sonntagabend wurde aber erst einmal gefeiert. Niclas Ekberg, mit 18 Treffern Torschützenkönig beim Final Four, betätigte sich als Kabinen-DJ. Später steuerte der Mannschaftsbus eine Tankstelle an und schließlich ein italienisches Restaurant in Kiel, wo zugleich in den 24. Geburtstag von Dahmke gefeiert wurde. "Mit dieser Mannschaft ist auch in der Meisterschaft und in der Champions League nun alles möglich", verkündete ein euphorisierter Steffen Weinhold. Hatten im Vorfeld einige Beobachter den Flensburgern eine Triple-Chance eingeräumt, könnten theoretisch nun die "Zebras" an ihre Stelle treten. "Ich glaube nicht, dass die SG in der Bundesliga noch fünf Punkte verliert", meinte allerdings Rene Toft Hansen. "Aber gegen Barcelona in der Champions League werden wir alles versuchen, um wieder nach Köln zum Final Four zu kommen." In jedem Fall wissen die Kieler nun: Wenn sie im Juni wieder eine Abschlussfeier auf dem Rathausmarkt organisieren, hätten sie mindestens eine Trophäe zum Präsentieren.

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Sportclub | 09.04.2017 | 22:50 Uhr

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