Stand: 23.11.2015 12:00 Uhr

St. Pauli will Werksclubs TV-Geldhahn zudrehen

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Andreas Rettig will eine Neuverteilung der TV-Gelder.

Der FC St. Pauli will für mehr Chancengleichheit im Profifußball sorgen. Der Hamburger Zweitligist hat dafür in einem Schreiben an Ligapräsident Reinhard Rauball und Christian Seifert, den Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), gefordert, dass bestimmte Vereine von der Verteilung der Einnahmen aus der Fernseh- und Gruppenvermarktung ausgeschlossen werden sollen. Das berichtet das Fachblatt "kicker" in seiner Montagsausgabe. Dies betrifft insbesondere die Werksclubs VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen sowie die TSG 1899 Hoffenheim. Von 2017 wäre auch Hannover 96 betroffen. Die Niedersachsen sind dann nach 20-jährigem Engagement von Präsident Martin Kind von der sogenannten 50+1-Regel ausgenommen.

96-Chef Kind erbost über Kiezclub-Vorstoß

Der 96-Chef, der mit seinem Unternehmen seit beinahe zwei Dekaden viel Geld in den Verein gesteckt hat, reagierte erbost auf St. Paulis Vorstoß. "Der Antrag ist unüberlegt und substanzlos. Wir denken, dass dieser Antrag nicht mehrheitsfähig sein wird. Sollte ihm stattgegeben werden, ist die Zentralvermarktung am Ende, dann würde es eine Einzelvermarktung geben", erklärte der 71-Jährige der "Bild". Über den voraussichtlich chancenlosen Antrag des Kiezclubs soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt beraten werden. Pikant: St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig war früher in selber Funktion bei der DFL tätig.

"Aufkündigung der Solidargemeinschaft"

Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen und Hannover forderten in einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag von der DFL an die Bundesligavereine geschickt wurde, St. Paulis Antrag "als unzulässig, hilfsweise als unbegründet einzuordnen." Wörtlich heißt es: "Mit dem Antrag auf Ausschluss unserer Clubs von der satzungsgemäß geregelten Verteilung der Vermarktungserlöse erklärt der Antragsteller die Aufkündigung der Solidargemeinschaft in der Bundesliga und in der Zweiten Bundesliga." Eine Abrechnung "der Verteilung der TV-Erlöse rein marktwirtschaftlich, ausschließlich nach Nachfrage orientiert", würde "erheblich geringere Erlöse für die Vereine der Zweiten Bundesliga darstellen". Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs betonte zudem: "Für die gesamte Bundesliga wäre dies eine schädliche Entwicklung, die die Grundwerte des Erfolgs des deutschen Profifußballs in Gefahr bringen würde."

TV-Vertrag läuft noch bis 2017

Aktuell werden die Übertragungsrechte zentral von der DFL vermarktet. Der laufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. In dieser Saison verteilt die DFL aus der zentralen Vermarktung insgesamt 850 Millionen Euro, 170 Millionen davon (20 Prozent) gehen an das Bundesliga-Unterhaus.

Die Geschichte des FC St. Pauli

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