Stand: 24.06.2015 17:01 Uhr

Bremen macht ernst: Rechnung an die DFL

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Polizisten beim Derby Werder gegen den HSV am 19. April 2015.

Angekündigt war es schon lange, jetzt hat Bremen ernst gemacht: Die Hansestadt hat am Mittwoch eine Rechnung für die Mehrkosten des Polizeieinsatzes beim Bundesliga-Nordderby Werder gegen den HSV im vergangenen April an die Deutsche Fußball Liga (DFL) geschickt. Demnach stellt Bremen der DFL 425.718,11 Euro für das als Hochrisikospiel eingestufte Duell in Rechnung. Insgesamt waren beim 1:0-Sieg der Bremer 950 Beamte aus vier Bundesländern im Einsatz. Bremen muss nach eigenen Angaben "rund 200.000 Euro an die beteiligten Polizeien überweisen und kommt für Übernachtungskosten in Höhe von etwa 15.000 Euro auf". Zudem fielen rund 210.000 Euro Mehrkosten bei der Polizei Bremen an.

Gebührengesetz vom Oktober 2014 macht den Weg frei

Die Bremer Bürgerschaft hatte im vergangenen Jahr ein Gebührengesetz verabschiedet, auf dessen Grundlage das Land bei Risikospielen Kostenbescheide an die DFL verschicken kann. Das sollte bereits Ende Dezember nach der Heimpartie gegen Hannover 96 geschehen, doch die Begegnung wurde überraschenderweise nicht als Risikospiel eingestuft. Bereits damals hatte es gegen den Bremer Vorstoß Kritik von der DFL, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), aus anderen Bundesländern und vor allem auch von Werder Bremen gegeben. Der DFB nahm Bremen kurzerhand sogar das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar weg, das dann in Nürnberg ausgetragen wurde.

Mäurer: "Rechnung ist im Interesse der Steuerzahler geboten"

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Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

"Die Höhe der aufgelaufenen Kosten für diese eine Bundesligapartie ist ein beeindruckender Beleg für die besondere Belastung für die Polizeien der Länder und des Bundes", sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer. Die Rechnung sei "im Interesse der Steuerzahler geboten". Bereits im Vorfeld des Derbys Werder - HSV hatte sich der SPD-Politiker auf eine angeblich breite Unterstützung in der Bevölkerung berufen: "Umfragen haben ergeben, dass über 80 Prozent der Bevölkerung dafür sind, dass der Profifußball die Kosten ganz oder zum Teil übernehmen sollen."

DFL will sich allen juristischen Mitteln wehren

Der Ligaverband bestätigte den Eingang des Gebührenbescheids und betonte in einer Erklärung: "Die DFL bleibt bei ihrer Auffassung zum Vorgehen des Bremer Senats. Der Vorstoß ist inhaltlich nicht zielführend und rechtlich fragwürdig. Der Profi-Fußball wird sich daher mit allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln dagegen wehren." Die DFL hat ein sogenanntes Anhörungsschreiben erhalten und nun vier Wochen Zeit, zu der Forderung Stellung zu nehmen. Ein Wiedersehen zwischen Ligaverband und der Stadt Bremen vor Gericht ist also sehr wahrscheinlich. Eine letztinstanzliche Entscheidung dürfte dann allerdings erst im kommenden Jahr fallen.

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