Stand: 19.09.2015 08:27 Uhr

Keine "Bild"-Aktion: Neun Clubs folgen St. Pauli

Fans von Borussia Dortmund protestieren mit Plakaten gegen die "Bild".

Neun Fußball-Zweitligisten haben sich inzwischen dem FC St. Pauli angeschlossen, der sich nicht an der gemeinsamen Flüchtlingsaktion beteiligen will, zu der die "Bild" und der Paketversender Hermes alle 36 Erst- und Zweitligavereine aufgerufen hatten. Am Freitag verzichteten der SC Freiburg und der VfL Bochum auf den "Wir helfen!"-Aufnäher, Fortuna Düsseldorf machte zwar mit, überklebte aber das darauf eigentlich zu sehende "Bild"-Logo. Union Berlin, der 1. FC Nürnberg, der MSV Duisburg, der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig wollen ebenfalls den Aufnäher nicht tragen, 1860 München wird das "Bild"-Emblem wie Düsseldorf verdecken.

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St. Pauli vs. "Bild": Das Imperium schlägt zurück

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Andrej Reisin kommentiert die Auseinandersetzung zwischen "Bild" und dem FC St. Pauli. mehr

Die Duisburger "Zebras" werden am Sonntag beim FSV Frankfurt in einem Sondertrikot mit dem Schriftzug "Refugees Welcome" auflaufen. Viele der Clubs begründeten den Boykott mit den Twitter-Attacken des "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann gegen den FC St. Pauli, der als erster Verein am Mittwoch seinen Entschluss bekannt gegeben hatte. Bundesliga-Clubs verweigern sich der Aktion bislang nicht. Allerdings erhielten die Hamburger von vielen Fans anderer Vereine Zuspruch für ihre Entscheidung. So demonstrierten beispielsweise Anhänger von Borussia Dortmund beim Europacup-Spiel gegen Krasnodar mit einem großen Banner gegen die "Bild".

Diekmann-Tweets sorgen für hitzige Diskussion

Die Diskussion ins Rollen gebracht hatte Diekmann, der am Mittwoch St. Paulis Verzicht auf die Teilnahme an der "Wir helfen - #refugeeswelcome"-Aktion via Twitter kritisiert hatte: "Kein Herz für Flüchtlinge. Schade eigentlich, @fcstpauli!". Zwei Stunden später legte Diekmann noch einmal nach und schrieb, die AfD werde sich freuen. Nicht zuletzt deswegen laufen die Fans der St. Paulianer und anderer Vereine Sturm gegen das Blatt und werfen ihm vor, durch seine Berichterstattung Fremdenhass über Jahre geschürt zu haben.

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FC St. Pauli versteigert signierte Spruchbänder

St. Pauli will am Sonntag im Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig statt des Emblems "Wir helfen - #refugeeswelcome" inklusive "Bild"- und Hermes-Namenszug lediglich das normale Zeichen des Bundesliga-Sponsors auf dem linken Trikot-Ärmel tragen. Beim Thema Flüchtlingshilfe konzentriert sich der Tabellendritte auf die eigenen Aktionen und versteigert etwa zwei signierte Banner mit den Aufschriften "Refugees" und "Welcome". Die Spruchbänder waren beim Freundschaftsspiel der Kiezkicker gegen Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund in der vergangenen Woche gezeigt worden. Der Erlös der Auktion geht an Projekte der Flüchtlingshilfe.

Rettig: "Wir leisten praktische und direkte Hilfe"

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig erklärte das Vorgehen des Clubs: "Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird." Der Kiezclub sei seit vielen Wochen aktiv, um den Flüchtlingen zu helfen: Das Testspiel gegen Dortmund, das unter dem Motto "Refugees welcome" stand, privates Engagement der Spieler sowie verschiedene Aktionen der Fans seien ein Beleg dafür. Vor der jüngsten Zweitligapartie gegen Duisburg hatte der Club Hygieneartikel für Geflüchtete gesammelt, über das Engagement berichtete kürzlich sogar die "New York Times". Rettig: "Daher sehen wir für uns nicht die Notwendigkeit, an der geplanten, für alle Clubs freiwilligen Aktion der DFL teilzunehmen."

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