Stand: 15.08.2015 11:32 Uhr

HSV: Die Fehler wiederholen sich

von Johannes Freytag, NDR.de

Die Floskel "war stets bemüht" klingt zunächst freundlich und nett, ist aber ziemlich die schlechteste Bewertung, die in einem Arbeitszeugnis stehen kann: Denn Anstrengungen sollten wenigstens ab und zu von Erfolgen gekrönt sein. Sind sie jedoch fruchtlos, so wie der Auftritt des Hamburger SV bei der 0:5-Auftaktpleite in der Bundesliga beim Rekordmeister Bayern München, entspricht das stete Bemühen der Schulnote "sechs". Lediglich eine knappe halbe Stunde agierte die Elf von Trainer Bruno Labbadia ordentlich, dann zerfiel das fragile Defensivgebilde. Spätestens nach dem zweiten Gegentreffer Anfang der zweiten Spielhälfte war von einer Grundordnung beim HSV nicht mehr viel zu sehen. Die weiteren Tore der Münchner sorgten dafür, dass der Hamburger SV den ersten Spieltag aller Voraussicht nach als Tabellenletzter beenden wird. Gleich zu Saisonbeginn steht der Liga-Dino, der den Abstieg erneut erst in der Relegation vermieden hatte, also wieder mies da.

Fehler aus der Vorsasion setzen sich fort

Zudem machen die Hamburger die gleichen Fehler wie im Vorjahr: Das 0:1 fiel nach einem Freistoß - schon in der vergangenen Saison ließen die Hamburger nach Standards die meisten Torschüsse (151) ihrer Gegner zu. Dass es nur mit dem 0:1 in die Pause ging, lag nicht an der guten Defensivarbeit des HSV, sondern mehr an der Nachlässigkeit der Bayern."Wir wissen, dass wir eine Riesenarbeit vor uns haben", sagte Labbadia. In der Tat: Denn auch in der Offensive machten die Hamburger da weiter, wo sie in der Vorsasion aufgehört hatten. Magere fünf Torschüsse schlugen zu Buche. 2014/2015 erzielte der HSV lediglich 25 Treffer (Minusrekord in der Clubgeschichte) und zeigte sich auch bei der Verwertung von Torgelegenheiten miserabel: Lediglich jeder 17. Schuss fand den Weg ins Tor des Gegners.

Spahic am Rande des Platzverweises

Personell hat Labbadia schon eine Menge Patronen verschossen: Fünf Spieler (Gotoku Sakai, Cléber, Marcelo Díaz, Ivica Olic und Pierre-Michel Lasogga) verbannte er nach der Jena-Pleite auf die Bank, die eingesetzten Dennis Diekmeier, Johan Djourou und Sven Schipplock überzeugten allerdings auch nicht. Lediglich die Bundesliga-Debütanten Gideon Jung und Michael Gregoritsch zeigten eine ansprechende Leistung. Neuzugang Albin Ekdal spielte schwach und wurde zu Recht nach einer Stunde ausgewechselt. Emir Spahic konnte froh sein, dass er die Partie zu Ende spielen durfte: Sein Einsteigen gegen Robert Lewandowski kurz nach Wiederanpfiff war mindestens gelbwürdig - da der Bosnier bereits gelbverwarnt war, wäre ein Platzverweis nicht überhart gewesen. Macht er mit seiner Spielweise so weiter, erweist er dem HSV einen Bärendienst.

Holtby: "Mund abputzen"

Bleibt als Fazit: Der HSV hat sich in München zwar nicht blamiert, war aber absolut überfordert. "Mund abputzen, jetzt geht's weiter", erklärte Lewis Holtby nach der Niederlage. Hauptaufgabe wird es nun sein, die richtigen Schlüsse aus den beiden Niederlagen in Jena und München zu ziehen. Damit das stete Bemühen auch irgendwann Früchte trägt. Am kommenden Sonnabend reist der VfB Stuttgart in den Hamburger Volkspark - da muss der HSV liefern, sonst droht mit den folgenden Auswärtspartien in Köln und Mönchengladbach der totale Fehlstart.

Die schlimmsten HSV-Pleiten gegen Bayern

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