Stand: 23.09.2015 20:00 Uhr

2:2 - Turbulentes Derby Osnabrück - Münster

von Bettina Lenner, NDR.de

Verrückter Fußballabend an der Bremer Brücke: Über weite Strecken bot das prestigeträchtige Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster am Mittwoch in jeder Hinsicht Magerkost. Am Ende überschlugen sich jedoch die Ereignisse in einer Begegnung, die nach einer turbulenten Schlussphase 2:2 (1:1) endete.

Vor nur rund 9.000 Zuschauern - aus Sicherheitsgründen waren keine Gästefans zugelassen - begannen die Niedersachsen zunächst stark, setzten den Tabellenzweiten früh unter Druck und ließen ihn nicht zur Entfaltung kommen. Die erste gute Gelegenheit bot sich den Hausherren bereits in der dritten Minute, doch Stürmer Halil Savran bekam nicht genug Druck hinter seinen Kopfball. Fünf Minuten später fiel dennoch der frühe Führungstreffer: Marcos Alvarez' direkter Freistoß aus rund 22 Metern schlug im linken oberen Eck ein - 1:0. Ein Weckruf für Münster? Mitnichten. Der VfL erarbeitete sich ein klares Chancenplus, Michael Hohnstedt nahm eine Flanke aus zentraler Position direkt an, traf den Ball aber nicht richtig - Möglichkeit vertan (20.). Der Ausgleich vier Minuten später fiel wie aus dem Nichts: Preußen-Angreifer Philipp Hoffmann markierte mit einem fulminanten Weitschuss aus 30 Metern das sehenswerte 1:1.

Spiel entgleitet dem VfL

Ein Schock für die Niedersachsen, denen das Spiel entglitt. Nach rund einer halben Stunde kam Hoffmann erneut frei zum Abschluss, VfL-Keeper Marvin Schwäbe hielt den Ball aber souverän fest. Die Westfalen, die ihr schnelles Kombinationsspiel nun immer besser und auch ungehinderter aufziehen konnten, waren dem Führungstreffer dennoch deutlich näher als der VfL, bei dem der Schwung der Anfangsphase dahin war. Fast nichts lief mehr zusammen.

Turbulente Schlussphase

10.Spieltag, 23.09.2015 18:00 Uhr

  • VfL Osnabrück
  • 2:2


  • Pr. Münster

Tore: 1:0 Alvarez (8.) 1:1 P. Hoffmann (24.) 1:2 Willers (90.+1, Eigentor) 2:2 Savran (90.+3)
VfL Osnabrück: Schwäbe - Dercho (87. Kandziora), Pisot, Willers, K. Falkenberg (68. Bleker) - Ornatelli, C. Groß, Syhre (54. Sofien Chahed), Hohnstedt - Alvarez, Savran
Pr. Münster: Lomb - Kopplin, Pischorn, Heitmeier, F. Müller - Laprévotte, A. Bischoff, B. Schwarz (90. Wiebe) - P. Hoffmann (77. Özkara), Reichwein (70. Krohne), Kara
Zuschauer: 8590

Weitere Daten zum Spiel

Auch nach dem Seitenwechsel tat sich die müde wirkende Mannschaft von Joe Enochs weiterhin schwer, schlug aus ihrem "doppelten Heimvorteil" keinerlei Profit. Die spielerisch insgesamt stärkeren Gäste attackierten nun ihrerseits früh, konnten aber ebenfalls nicht an die Leistung der Schlussphase im ersten Abschnitt anknüpfen. Es schien, als würden sich beide Mannschaften mit einem Punkt zufrieden geben. Aber dann passierte VfL-Kapitän Tobias Willers ein folgenschweres Malheur, als er in der 90. Minute eine Flanke wegschlagen wollte und dabei den Ball im eigenen Tor versenkte - 1:2, scheinbar das bittere Ende aus Sicht der Hausherren. Aber die nun turbulente Partie war damit noch lange nicht beendet.

Merkens versus Bischoff

Denn dann kam Savran, der in der Nachspielzeit den Ball zum 2:2-Endstand im Nachsetzen ins Tor bugsierte - und sich im Anschluss einen Fauxpas leistete: Nach seinem Torjubel rannte er auf Amaury Bischoff los und baute sich vor dem Münsteraner auf. Tom Christian Merkens, der an diesem Tag nicht im Osnabrücker Kader, aber aufs Spielfeld gelaufen war, kam dazu und schubste den Preußen-Spieler schließlich um. Der Mittelfeldmann hatte nach einem rüden Foul von Bischoff im März 2014 knapp 14 Monate lang pausieren müssen. Die unnötige Aktion sorgte für "Rudelbildung", Schiedsrichter Bastian Dankert unterbrach die Partie vorerst und pfiff dann schließlich ab - das denkwürdige Ende eines Derbys, das letztlich doch wieder für unschöne Szenen sorgte.

Kundgebung der Preußen-Fans in Osnabrück

Proteste von Preußen-Fans, die trotz "Stadionverbots" aus Münster nach Osnabrück angereist waren, waren zuvor problemlos verlaufen. Das Verwaltungsgericht Osnabrück hatte am Mittwochmorgen eine vom Fanprojekt der Münsteraner beantragte Demonstration genehmigt. Unter dem Motto "Hände weg vom Fußball! Gegen Gästeverbote & Repressionen" protestierten die Anhänger mit einer Kundgebung gegen den Ausschluss. Allerdings durften die rund 450 Preußen-Fans nicht wie ursprünglich geplant zum Stadion ziehen. Kurz nach dem Anstoß reisten sie nach Münster zurück. Etwa 600 Polizisten waren im Einsatz.

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