Stand: 15.03.2016 10:59 Uhr

Fairplay in der Bundesliga: Nur ein frommer Wunsch?

von Andreas Bellinger, NDR.de
Werders Zlatko Junuzovic holte sich freiwiilig Gelb ab und gab es hinterher zu.

Jörg Schmadtke war Manager in Hannover. Damals, als die 96er noch in Europa zu Hause und nicht auf dem Weg in die Zweite Liga waren. Er ist noch immer Manager, wenn auch inzwischen beim 1. FC Köln. "Nur Manager", betont er schmunzelnd - und deshalb könne und müsse er die Aufregung um provozierte Gelbsperren auch nicht verstehen. "Blödsinn" nennt der frühere Torhüter die Debatte und macht seine simple Rechnung auf: "Fünfte Gelbe Karte, ein Spiel Sperre - bums, aus." Also keine Rede vom Verfall der Sitten in der Fußball-Bundesliga?

Fußball-Richter machen Fass auf

So locker wollten die obersten deutschen Fußball-Richter das freiwillige Abholen einer Gelbsperre - vorzugsweise vor einem Spiel gegen die übermächtigen Bayern aus München - nicht beurteilen. Und sind im verdienstvollen Kampf gegen das in der Bundesliga grassierende "unsportliche Verhalten" möglicherweise ziemlich übers Ziel hinausgeschossen. Mit der Bestrafung der beiden geständigen Bremer Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic haben sie ein Fass aufgemacht, das noch für Überschwemmungen auf den heimischen Fußballplätzen sorgen kann.

Weitere Informationen

Geldstrafe für Werders "Gelbsünder"

Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz müssen für ihre vermeintlich absichtlich eingehandelten Gelben Karten jeweils 20.000 Euro zahlen. Eine zusätzliche Sperre verhängte der DFB nicht. mehr

Schweiger bleiben straffrei

Dass reuige Sünder für ihr Geständnis bestraft werden, während Schweiger wie die aus Darmstadt straffrei davonkommen, kann so recht niemand als Recht begreifen. Die Begründung der Regelhüter, ohne Geständnis habe man nichts nachweisen können, macht es nicht besser. Warum der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor diesem Hintergrund überhaupt ein Verfahren eingeleitet hat, bleibt vielen - nicht nur an der Weser - ein Rätsel.

Rost fürchtet Bumerang

Ex-Profi Frank Rost sieht das eigentliche Problem aber ganz woanders, denn gerade im Abstiegskampf könnte sich das kampflose Abliefern von Punkten gegen das Starensemble von der Isar als Bumerang erweisen. "Wenn das bei Spielen gegen die Bayern so ist, dann darf sich am Ende keiner mehr darüber beschweren, wenn die Münchner nur noch mit einer B-Elf antreten, weil sie schon Meister sind", sagte der frühere Torhüter des Hamburger SV und von Werder Bremen im NDR Sportclub.

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