Stand: 25.06.2015 17:53 Uhr

Schnäppchenwochen beim HSV - Auch Westermann geht

Mit harten Entscheidungen hat sich die HSV-Führung in den vergangenen Monaten schwergetan. Club-Boss Dietmar Beiersdorfer steht in der Kritik, weil er lange der Verpflichtung von Wunsch-Trainer Thomas Tuchel hinterherjagte, deswegen erst spät die Reißleine zog und mit Bruno Labbadia einen gestandenen Coach für die verunsicherte Mannschaft einstellte. Doch die Zeit des Zauderns ist nun vorbei beim Bundesliga-Dino. Beiersdorfer und Co. treiben den Neuanfang voran, mit Entscheidungen, die polarisieren. Um endlich Handlungsspielraum für die Kaderplanung zu haben und den Spieler-Etat zu reduzieren, lässt der Club Profis ohne Ablöse ziehen. Nach der mündlich bereits vereinbarten Vertragsauflösung mit Verteidiger Lasse Sobiech (zum FC St. Pauli) soll nun auch der Kontrakt mit Offensivmann Maximilian Beister vorzeitig beendet werden. Keine Zukunft mehr haben auch der Schweizer Nationalspieler Valon Behrami und Heiko Westermann, dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde.

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Nach fünf Jahren: Westermann muss gehen

Nach fünf Jahren ist für "HW4" also Schluss beim HSV. "Ich hoffe, dass der eingeschlagene, der neue Weg der genau richtige für den HSV sein wird und dass sich der gesamte Verein stabilisieren kann", sagte Westermann, der 2010 für 7,5 Millionen Euro von Schalke 04 kam, 173 Pflichtspiele für die Norddeutschen bestritt und drei Jahre lang die Kapitänsbinde trug. Er wolle nun erstmal "ein paar Tage" Urlaub machen. "Ich weiß noch nicht genau, wie und wo es danach weitergeht, ich nehme mir aber die Zeit, das ganz in Ruhe zu entscheiden", erklärte der 31-Jährige. "Heiko hat fünf Jahre lang alles für den HSV gegeben und in vorbildlicher Manier seine Knochen für den Verein und die Fans hingehalten", sagte HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer: "Wir haben höchsten Respekt vor seiner hochprofessionellen Einstellung und wünschen Heiko für die Zukunft alles erdenklich Gute."

Beister-Verkauf soll nicht zur Hängepartie werden

Dass Eigengewächs Beister sportlich keine Zukunft mehr in Hamburg hat, war schon lange abzusehen. Der 24-Jährige besitzt noch einen Vertrag bis 2016 und könnte trotz seines langen Ausfalls wegen eines Kreuzbandrisses noch eine Abslösesumme im siebenstelligen Bereich einbringen. Das Problem: Es fehlen derzeit Interessenten und der HSV will offenbar nicht länger warten. Somit wird Beister eine Abfindung im unteren sechsstelligen Bereich kassieren (wie Sobiech sie auch bekommen hat) und vermutlich ein Handgeld für seine Unterschrift bei einem neuen Club einstreichen. Und der Hamburger SV? Der geht leer aus, hat Sobiech und Beister aber zumindest von der Gehaltsliste. Ein ähnliches Szenario ist offenbar auch bei Stürmer Jacques Zoua denkbar, der zuletzt an Erciyesspor in der Türkei ausgeliehen war, aber ebenfalls noch einen Vertrag in Hamburg bis 2016 hat.

Angebote für Kacar und Ilicevic - Rajkovic geht

Mit der Reduzierung des Kader-Etats, der laut "Bild" von 50 auf 42 Millionen Euro gesenkt werden soll, scheint es der HSV diesmal also wirklich ernst zu meinen. Der gewollte Abschied von Großverdiener Rafael van der Vaart (Betis Sevilla) und das Ausbleiben von Verlängerungsangeboten für Marcell Jansen und Slobodan Rajkovic unterstreichen das. Sportdirektor Peter Knäbel teilte am Mittwoch mit, dass Rajkovic darüber bereits informiert wurde. Den Serben zieht es offenbar nach Griechenland zu PAOK Saloniki. Derweil haben Gojko Kacar und Ivo Ilicevic doch noch eine Zukunft in Hamburg. "Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, die Verträge dieser beiden Spieler leistungsbezogen und zu unseren Bedingungen um ein Jahr zu verlängern. Darüber sind wir aktuell im Austausch mit den Beratern von Ivo und Gojko. Eine Entscheidung steht hier aus", so Knäbel.

Feilschen bei Tah - 6,5 Millionen Euro Ablöse für Holtby

Um Einnahmen zu generieren, feilschen die Hamburger mit harten Bandagen um die Entschädigung für den vorzeitigen Wechsel von Jonathan Tah nach Leverkusen. Sechs bis acht Millionen Euro wollen die Hanseaten gerne haben, Bayer soll laut "Hamburger Abendblatt" fünf Millionen bieten. "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt lediglich ein Angebot für Jonathan Tah bei uns eingegangen, das wir sofort zurückgewiesen haben. In dieser Form macht ein Transfer aus Sicht des HSV überhaupt keinen Sinn", sagte Knäbel. Dabei muss berücksichtigt werden, dass für Lewis Holtby, der bereits im vergangenen Jahr von Tottenham kam, in diesem Sommer noch 6,5 Millionen Euro Ablöse fällig sind.

Die fetten Jahre sollen endgültig vorbei sein

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Im vergangenen Sommer hatte der finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete HSV selbst ohne den Holtby-Deal schon über 20 Millionen Euro für Transfers auf den Tisch gelegt. Und das, obwohl schon damals der Sparzwang von allen Seiten hervorgehoben wurde. Die fetten Jahre sollen nun endgültig vorbei sein, bei den Einkäufen und den Gehältern. "In Anbetracht der Gesamtsituation und auch aus Überzeugung kann und wird es nicht unser Weg sein, erneut Millionen-Ablösesummen zu investieren. Es muss das Ziel sein, Spieler zu verpflichten, die ihre große Karriere noch vor sich haben", so Knäbel auf der Internetseite des Vereins. Die Schnäppchenwochen beim HSV sind also eröffnet, in jeder Hinsicht.

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