Stand: 19.05.2013 15:20 Uhr  | Archiv

Osnabrück siegt und spielt um den Aufstieg

von Bettina Lenner, NDR.de
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Jubel bei Timo Beermann (l.) und Timo Staffeldt.

Drittligist VfL Osnabrück hat das kleine Fußball-Wunder geschafft und am letzten Spieltag noch Relegationsrang drei erobert. Die Mannschaft von Interimstrainer Alexander Ukrow triumphierte am Sonnabend mit 4:0 (3:0) gegen Alemannia Aachen und profitierte zudem davon, dass der bisherige Dritte 1. FC Heidenheim gegen Kickers Offenbach nicht über ein 0:0 hinauskam. In den Aufstiegsspielen am 24. und 28. Mai trifft der VfL nun auf Dynamo Dresden und hat zuerst Heimrecht. "Das ist echt Wahnsinn, wir freuen uns riesig. Dass Heidenheim das noch aus der Hand gibt, hätte ich nicht gedacht. Aber wir sind noch nicht aufgestiegen, jetzt kommt erst einmal die Relegation", bilanzierte Ukrow.

Piossek trifft doppelt

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Marcus Piossek zeigte eine starke Leistung.

Nach einer ereignisreichen Woche mit dem angekündigten Rücktritt von Claus-Dietzer Wollitz und der darauffolgenden sofortigen Freistellung des bisherigen Chefcoaches zeigten sich die Spieler keineswegs negativ beeindruckt, sondern fackelten ein wahres Fußball-Feuerwerk ab. Von Beginn an zeigten die Lila-Weißen viel Spielfreude und Engagement, die frühe Führung nach zehn Minuten war daher hochverdient: Gaetano Manno dribbelte sich auf der linken Seite erfolgreich durch den Aachener Strafraum, den Querpass des Deutsch-Italieners grätschte Marcus Piossek mühelos zum 1:0 ins leere Aachener Tor. Rund drei Minuten später hatte der 23-Jährige sogar das 2:0 auf dem Fuß, doch Piosseks schönen Heber parierte Mark Flekken mit einer Glanzleistung. Am jungen Aachener Keeper lag es zumindest zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht, dass der VfL die Partie fast nach Belieben dominierte. Nur folgerichtig fiel schließlich doch der zweite Treffer für die Hausherren. Diesmal staubte Claus Costa nach Vorlage von Alexander Krük ab (18.). Und auch das 3:0 gelang den Niedersachsen noch vor der Pause. Nach gelungener Vorarbeit erneut über die linke Seite markierte der starke Piossek seinen zweiten Treffer des Tages (38.).

Bange Blicke nach Heidenheim

VfL Osnabrück - Alemannia Aachen 4:0 (3:0)

Tore: 1:0 Piossek (10.), 2:0 Costa (18.), 3:0 Piossek (38.), 4:0 Staffeldt (86.)
Zuschauer: 13.900
Rote Karte: Flekken nach Notbremse (50.)
Osnabrück: Riemann - Nils Fischer, Pisot, Beermann (59. Neumann), Krük - Costa (75. Thomik), Staffeldt - Piossek, Yannic Thiel, Manno (68. Glockner) - Zoller
Aachen: Flekken - Ajani, Wilschrey (20. Brauer), Herröder, Strujic - Marquet, Andersen - Leipertz - Heller (51. Simon), Thiele, Kefkir (46. Drevina)

Nach der Pause lief es weiter rund für den Aufstiegsanwärter - auch, weil sich die Rheinländer selbst schwächten. In der 50. Minute stoppte Flekken VfL-Stürmer Simon Zoller unsanft und musste dafür mit "Rot" vom Platz. Der VfL hielt das Tempo hoch, blieb konzentriert und kam durch Timo Staffeldt sogar noch zum 4:0 (86.). Dennoch mussten die Osnabrücker bei aller Dominanz bis nach dem Abpfiff bangen. Erst als das Remis in Heidenheim dingfest war, brachen im Stadion an der Bremer Brücke alle Dämme. Rund 14.000 Fans feierten ausgelassen den kaum mehr für möglich gehaltenen Erfolg und stürmten den für das Relegations-Hinspiel so wichtigen Rasen.

Wollitz nicht im Stadion

Nicht unter den Zuschauern war Wollitz, der jede weitere Unruhe vermeiden wollte. Der langjährige VfL-Profi und -Trainer hatte sich zuletzt entschuldigt und die Art und Weise seines Rücktritts offen bereut: "Dass mir derart die Gäule durchgegangen sind, kann ich mir selbst nicht verzeihen. Ich habe allen einen Bärendienst erwiesen, dafür kann ich mich nur entschuldigen", bekannte er. Er habe auch die Spieler um Verzeihung gebeten: "Weil ich es nicht geschafft habe, diesen Ausbruch von Frust und Enttäuschung zu kontrollieren. Das kreide ich mir an, ein Riesenfehler." Möglich immerhin, dass sein Team im entscheidenden Moment auch deshalb eine so tolle Vorstellung bot. "Er ist unser Trainer, und am Samstag wollen wir auch für ihn gewinnen", hatte Torwart Manuel Riemann bereits im Vorfeld erklärt. Und auch Ukrow betonte nach dem Spiel: "Das ist auch das Ergebnis von Pele Wollitz. Er hat uns zusammengestellt."

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